Das KRESCHtheater bietet ab Ende März – in Abhängigkeit der Corona-Bestimmungen, ein individuelles Paket für Schulen an, mit dem Thema Neun Monodramen über historische FrauenEine Zeitmaschine bräuchte man, um Menschen aus der Vergangenheit zuzuhören, was sie über sich, ihre Arbeit, Taten oder Träume zu sagen haben und sich mit ihnen darüber noch zu unterhalten. Das Kreschtheater, das Krefelder Schauspiel für Kinder und Jugendliche, überschreitet in der neuen Reihe Historische Frauen nun diese scheinbar nicht zu überwindende Grenze. In neun Monodramen kommen nicht nur glanzvolle oder unbekannte Biographien wie die der Wissenschaftlerin Ada Lovelace Byron, sondern auch kritische, verbrecherische Lebensgeschichten wie die der Terroristin Gudrun Ensslin auf die Bühne. Wir möchten einen Anstoß geben, sich neugierig für die Zeit und Personen zu interessieren, sagt Intendanten und Regisseurin Isolde Wabra. Die Auswahl der historischen Frauen wurden sowohl von den Schauspieler*innen als auch von den Regisseur*innen getroffen. Für die Vorbereitung nutzten sie historische Quellen wie Briefe, Verhörprotokolle sowie Dokumentationen.

Die Annäherung an die Darzustellenden verläuft unterschiedlich. Mein Sohn hat mich als erstes gefragt, ist das eine Gute oder Böse. Das ist die zentrale Frage, von der aus ich mich der Rolle nähere, berichtet Schauspielerin Ilka Luza, die unter der Regie von Helmut Wenderoth die RAF Terroristin Gudrun Ensslin verkörpert. Sie (Gudrun Ensslin) spricht ihren Hass auf die bestehenden Verhältnisse und deren Vertreter gegen die Wände ihrer Gefängniszelle in Stuttgart Stammheim, so Wenderoth. Das einst führende Mitglied der Roten Armee Fraktion (RAF) war in den 1970er-Jahren für viele Bürger die Staatsfeindin Nummer Eins. Luza will sich zunächst von außen der Terroristin annähern und fragt sich, für was sie gekämpft hat.

Während Ilka Luza in der Vorbereitung steckt, steht Schauspielerin Michaela Christl unter der Regie von Isolde Wabra schon auf der Probenbühne. Ada Lovelace Byron – der Name ist relativ unbekannt, sagt Christl. Wer sich aber mit Naturwissenschaften beschäftige, kenne die visionäre Mathematikerin aus dem 19. Jahrhundert eher: Sie schrieb in den 1840er-Jahren das erste Computerprogramm der Welt. Ihre außergewöhnliche Biographie interessiert Christl schon länger. Ich möchte jungen Menschen mitgeben, dass Frauen auch in Naturwissenschaften zum Vorbild werden können, berichtet Christl. Denn trotz der damaligen gesellschaftlichen, vornehmlich männlichen Widerstände in der Wissenschaft verwirklichte Ada Lovelace Byron ihren Traum und riskierte dafür so einiges: Sie hat ihr Studium zum Teil mit Pferdewetten finanziert. Zum Glück gewann sie auch, berichtet Christl. In der Inszenierung wird die Wissenschaftlerin quasi auf einen Nachfahren ihrer Forschung treffen – einen PC.

Das Kreschtheater möchte mit den 15 bis 20-minütigen Monodramen Geschichte für junge Menschen ab 14 Jahren spannend und interaktiv erzählen. Es besteht eine große Sehnsucht nach lebendigem Lernen, so Wabra. Die spielerische Umsetzung soll eben kein klassischer Geschichtsunterricht mit einem Zeitzeugenbericht sein. Nach dem Stück besteht für die Schüler die Möglichkeit mit der Figur in einen Dialog zu treten und auch Fragen zu stellen. Schulen werden die Möglichkeit haben, sich ihr individuelles Paket für den passenden Anlass zu buchen. Je nach Bedarf beispielsweise begleitend für den Schulunterricht mit einer oder mehreren Schauspielerinnen. Das flexible Format kann auf den Studiobühnen, in Schulen und auf virtuellen Weg gebucht werden. Für die Schulen sind wir ab Ende März bereit, sagt die Intendantin. Die Bühnen-Premiere in der Fabrik Heeder ist für das erste historische Wochenende am 24. und 25. April geplant.

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