Das  Deutsche Textilmuseum hat ein seltenes Opernkostüm aus China erworben, welches in der kommenden Ausstellung Drachen aus goldenen Fäden ausgestellt wird – Dramatischer kann eine Liebesgeschichte wohl kaum verlaufen: Mätresse des Kaisers, Luxusleben am Hof, Flucht, am Straßenrand von Soldaten erhängt, Thronverlust des Kaisers und ein romantisches Wiedersehen nach dem Tod – Yang Guifei muss eine beeindruckende Frau gewesen sein. Als höchste Konkubine lebte sie im 8. Jahrhundert tatsächlich am Hof von Kaiser Xuanzongs und zählt zu den Vier Schönheiten des alten China. Über die Jahrhunderte knüpften manche Legenden an ihre Biografie an und diese wurde zu einem populären Stoff für Erzählungen und Opern. Ein sehr seltenes Kostüm, das ihre Rolle in der chinesischen Oper verkörpert, konnte nun das Deutsche Textilmuseum Krefeld erwerben.
Es ist das erste, das ich so gesehen habe, schwärmt der weltweit agierende Asien-Experte Walter Bruno Brix – Kurator der kommenden Ausstellung Drachen aus goldenen Fäden im Deutschen Textilmuseum, in der auch die Neuwerbung gezeigt wird. Ein vergleichbares Stück kenne er nur noch aus der Sammlung des New Yorker Metropolitan Museum. Brix konnte das Kostüm von einem rheinischen Privatsammler an das Krefelder Museum vermitteln. Den Ankauf ermöglichten die Spender Emilie Wefers, Barbara Esser und Wolfgang Horn sowie Gelder aus der Spendenbox im Museum. Dem Privatsammler, der das Objekt in Hongkong erwarb, sei es wichtig gewesen, dass das seltene Objekt aus dem Jahr 1900 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ob es auch von dort stammt oder aus Süd-China, sei schwierig einzuschätzen, so Brix. Das seltene Kostüm ist ein Glücksfall für den Museumsbestand: Der ostasiatische Bereich umfasst etwa 2.000 Einheiten, davon 1.500 japanische und 500 chinesische Objekte – plus die neue Opernrobe. „Die Sammlung wird damit sehr gut ergänzt“, freut sich Brix. Zumal er bei seinen jüngsten Forschungen herausgefunden hat, dass zwei als chinesische Theaterkostüme zugeordnete Kleider eine andere Funktion erfüllten, unter anderem in einem Tempel getragen wurden. Damit hätte das Museum nur noch über ein Männerkostüm eines Studenten und ein Kostüm-Fragment verfügt.

Die Aufarbeitung der Sammlungsbestände im Deutschen Textilmuseum ermöglicht das auf fünf Jahre ausgelegte Projekt Ans Licht, für das vier textile Sammlungskomplexe aus Deutschland, Peru, Arabien und Ostasien untersucht werden –  finanziert durch die Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld.