Bis 22. November 2020   Das Archäologische Museum Krefeld zeigt die Sonderausstellung Abenteuer Großgrabung – Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung, in der erstmals eine Auswahl an Funden und neuen Erkenntnissen nach der größten Grabung in der Geschichte des Museums präsentiert wird – darunter auch die von Krefelder Archäologen entdeckte seltene Isis-Darstellung – Als der Rhein, der Niedergermanischen Limes, die nasse Grenze zu den germanischen Stämmen bildete, siedelten in Gelduba südlich und nördlich eines Militärlagers Zivilisten, Kaufleute und Händler, aber auch die Familien der Soldaten und Sklaven. Oberirdisch ist davon heute in Krefeld-Gellep nichts mehr zu sehen, die Geschichte überdauerte jedoch im Boden. Über drei Fußballfelder groß erstreckt sich 2017/18 die Grabungsfläche des nördlichen Lagerdorfes. Angrenzend an das Areal des römischen Kastells, das 2021 als Welterbe eintragen werden soll, entdecken sie Siedlungsspuren von der Steinzeit bis in das Spätmittelalter, vor allem aber aus der Zeit der Römer. In zehn Monaten wurden 3300 Befunde dokumentiert und circa 90.000 Funde geborgen. Aus einer römischen Müllgrube am Westrand der Siedlung stammen auch die außergewöhnlichen Überreste eines scheinbar einfachen weißtonigen Kruges mit jenem Isis-Relief am Henkel. Als der Scherben mit einer figürlichen Abbildung ans Licht kommt und Archäologe Eric Sponville die Erde entfernt, trauen er und seine Kollegen ihren Augen nicht. Was soeben aus einer Schicht des ersten, zweiten Jahrhunderts nach Christus geborgen wurde, dürfte in dieser Zeit am Niederrhein noch nicht existieren – ist das tatsächliche eine christliche Mariendarstellung? Die Ähnlichkeit mit Maria und dem Jesuskind ist frappierend, aber die erste Vermutung erweist sich als falsch. Dennoch handelt es sich um einen einzigartigen Fund aus der Römerzeit am Niederrhein – eine Abbildung der ägyptischen Göttin Isis. Die Darstellung zeigt die stillende Göttin Isis, mit dem säugenden Horuskind, erklärt Sponville. Aus moderner Sicht sei dieses Bild der Isis besonders interessant, weil die Ikonographie weitgehend jener der Heiligen Maria entspreche, die das Jesuskind stillt. Der ursprünglich aus Ägypten stammende Isis-Kult gilt als einer der sogenannten Mysterien Kulte im Römischen Reich. Er hatte bis ins 6. Jahrhundert nach Christus hinein bestand und war weit verbreitet. Und das auch im römischen Gelduba. Denn ältere Funde von sogenannten Kult-Scheren belegen, dass Menschen aus der Siedlung oder dem Kastell diese bei den Kulthandlungen zu Ehren der Göttin Isis einsetzten.

Die Archäologen gehen davon aus, dass auch das Gefäß im Zusammenhang mit solcher Kulthandlung stand. Welche Flüssigkeit sich in ihm befand, Öl oder Wein, dafür gebe es keine Hinweise. Die Besonderheit des Krug-Fundes zeichne sich zudem durch das verwendete Material aus: Während Reliefdarstellungen auf Henkeln hochwertiger Bronze- oder Silbergefäße häufig vorkommen, existieren nur sehr wenige Beispiele aus der Region überhaupt von figürlichen Bildreliefs auf einfachen Tonkrügen. Die einzigen bekannten Beispiele stammen aus Nijmegen und ein einzelner Fund eines Tonmodels aus Xanten, sagt Stadt Archäologe Dr. Hans-Peter Schletter. Von keinem dieser Beispiele, weder von Metall- noch von Tongefäßen, sei jedoch bisher die Darstellung einer Isis bekannt. Das ist bislang einzigartig.

Die Ausstellung Abenteuer Großgrabung – Gräberfeld, Bataverschlacht und Römersiedlung ist bis 22. November 2020 zu den Öffnungszeiten des Museum Burg Linn zu besichtigen. Kinder und Jugendliche unter achtzehn Jahren haben freien Eintritt.