Dr. Magdalena Broska, Leiterin der Adolf Luther Stiftung, hat eine neue Publikation vorgelegt. In »Paris – Krefeld. Jedem Künstler seine Farbe« beschäftigt sie sich mit dem Einfluss von Yves Klein auf Künstler in Krefeld. | – Ein Skandal! Und was für einer! Presse und Bürger beobachten seit Wochen mit großer Skepsis, was sich an der Wilhelmshofallee unter dem Ausstellungstitel »Yves Klein. Monochrome und Feuer« anbahnt. Und dann die Eröffnung in Januar 1961, ein gesellschaftliches und mediales Feuerwerk, in den Zeitungen gnadenlose Verrisse und internationales Lob. Die vom damaligen Museumsdirektor Paul Wember initiierte Ausstellung bildete Höhepunkt von Yves Kleins (1928 – 1962) Auftritten in Deutschland. Mit seiner Einzelausstellung in der Düsseldorfer Galerie Alfred Schmela im Januar 1957 trug Klein das Konzept der Monochromie nach Deutschland, das die künstlerische Avantgarde mit seinem Farbenrausch im Rheinland entscheidend inspirierte. 

Über den Einfluss Kleins und seines Konzeptes auf die Künstler im Rheinland, insbesondere Krefeld, hat nun Dr. Magdalena Broska eine neue Publikation vorgelegt. In »Paris – Krefeld. Jedem Künstler seine Farbe« beschäftigt sich die Leiterin der Adolf Luther Stiftung mit den Auswirkungen des Werks des französischen Künstlers und seines Farbkonzeptes auf Joseph Beuys, Herbert Zangs und Adolf Luther. Ihre Ausführungen geben einen spannenden Einblick in die Künstlerszene um das Jahr 1960 und betrachten erstmals einen bislang nicht im Fokus stehenden Aspekt der Krefelder Kunstgeschichte. 

Obwohl sie sich wohl niemals persönlich begegnet seien, habe Klein als entscheidender Impulsgeber auf Beuys eingewirkt, so die These von Broska. Beuys reagierte auf das typische Blau von Yves Klein mit dem dann konzentrierten Einsatz der Farbe Braun in seinen Arbeiten, womit sich der Niederrheiner ein neues Erkennungsmerkmal seiner Kunst gab. »Die vergleichende Betrachtung des Bildmittels Farbe ist ein Schlüssel zum Verständnis des künstlerischen Konzepts beider Künstler und weist auf eine verborgene Verwandtschaft hin«, so Broska. Einen vergleichbaren Einfluss übte Kleins Werk auch auf die Krefelder Künstler Adolf Luther und Herbert Zangs und ihre Auseinandersetzung mit Farbe und dem monochromen Konzept aus. Die beiden Männer lernten sich 1960 im Kaiser Wilhelm Museum kennen, es entwickelte sich eine Künstlerfreundschaft. »Zangs war häufig hier. Sie haben getrunken und diskutiert«, so Broska. Während sich Zangs der Farbe Weiß widmete, konzentrierte sich Luther auf Schwarz. Zum Jahresbeginn 1961 wurde in Aschaffenburg eine gemeinsame Ausstellung in einer Galerie geplant. Aus einer hiesigen Tageszeitung erfuhr Luther, dass Zangs dort ausschließlich schwarze Bilder zeigen solle – Bilder in seiner Farbe. Luther sah sich um sein schwarzes Farbkonzept betrogen, von seinem Künstlerfreund verraten und wollte die Ausstellung zuerst absagen, wozu es letztlich nicht kam. Er fügte bunte Arbeiten von sich hinzu. Monochrome schwarze Materialarbeiten hat Luther seitdem nicht mehr in Ausstellungen gezeigt.

»Paris – Krefeld. Jedem Künstler seine Farbe« ist im Pagina Verlag erschienen und im Buchhandel erhältlich.

Leinengebundene Ausgabe | 200 Seiten | Texte: Deutsch und Französisch | 54 Bilder: farbig und schwarz-weiß | weitere Textbeiträge von: Susannah Cremer-Bermbach | Auflage: 1000 Exemplare | Preis: 30,- €