Das Museum Burg Linn hat ein Album der Familie von der Leyen erworben mit über 100 Zeichnungen und Aquarellen aus dem 19. Jahrhundert | – Das Erbe der Seidenbarone prägt bis heute Krefeld, allen bekannten Familien voran die von der Leyens. Zuerst der Handel, später auch die Herstellung von Seide machten sie über Generation zur reichsten Familie der Stadt. Die Menschen, ihre Charaktere, die sich hinter den Namen und zahlreichen Familienporträts verbergen, diese Erinnerung verlor sich weitestgehend über die Jahrhunderte.

Deswegen ist der neueste Ankauf des Museums Burg Linn von stadthistorischer Bedeutung. Über ein Berliner Antiquariat konnte nun ein Album der von der Leyens aus dem 19. Jahrhundert erworben werden, das einen persönlichen Blick in ihr familiäres Leben ermöglicht. Es enthält 117 Zeichnungen und Aquarelle aus der Zeitspanne von 1856 – 1881, montiert auf 35 Blätter, teils bezeichnet oder signiert unter anderem von Maria von der Leyen und Conrad von der Leyen.

»Das Album ist eine Bereicherung für unseren Bestand. Es ist etwas ganz Besonderes«, freut sich Dr. Christoph Dautermann, stellvertretender Museumsleiter. Im Frühjahr hat er das Verkaufsangebot auf einer Internetseite entdeckt, der Verein Freunde der Museen Burg Linn ermöglichte dann den Ankauf. Die Seiten des Albums sind mit einer oder mehreren Zeichnungen oder Bildern beklebt und zeigen Porträts, Reise- und Landschaftseindrücke, beginnend mit Ansichten von Häusern in London, über Burgen und Kirchen am Rhein, Parks in Florenz, Sommerfrische am Meer, Wanderungen in der Schweiz bis zurück zu den romantischen Landschaften im Rheinland. Aber auch Alltagssituationen wie eine ruhende Katze auf einer Fensterbank sowie Szenen und Karikaturen aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 zählen zu den Motiven. Einige der Ansichten und Porträts könnten von professionellen Künstlern stammen, die Mehrzahl aber wurde wohl von begabten Familienmitgliedern oder Freunden angefertigt.

Wer jedoch für welchen Zweck und für wen dieses Album erstellte, ist nicht sicher. Dautermann vermutet, dass es sich um Carl von der Leyen (1846 – 1893) handeln könnte, der auch Erinnerungen über seine Familie verfasste. Die Provenienz des großformatigen Albums wird sich wohl nicht mehr rekonstruieren lassen. Das Berliner Antiquariat erwarb die unbeschriftete Mappe selbst aus dem Handel. Weitere Erkenntnisse zu den Abbildungen vermutet Dautermann auf den Rückseiten einiger Zeichnungen, wo Schrift durchschimmert. Ob die eingeklebten Blätter allerdings schadensfrei zu lösen sind, müsste eine Restauratorin prüfen. Ob und in welcher Form die Seiten in die Ausstellung im Jagdschloss eingebunden werden können, soll in den kommenden Wochen geklärt werden, so Dautermann.