Im Rahmen des Forschungsprojekts Parvenue – Bürgerlicher Aufstieg im Spiegel der Objektkultur des 18. Jahrhunderts, 2018–2023 werden am Deutschen Textilmuseum die Duisburger Intelligenz-Zettel ausgewertet Das Verbundprojekt Bürgerlicher Aufstieg im Spiegel der Objektkultur im 18. Jahrhundert – an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Hochschule Fresenius Berlin/AMD Fachbereich Design, dem Deutschen Textilmuseum Krefeld, dem Museum Burg Linn und dem Hetjens–Deutschen Keramikmuseum angesiedelt, widmet sich der bisher wenig erforschten Kunst und materiellen Kultur von sozialen Aufsteigern, sogenannten Parvenüs. Objekte und Kunstwerke, von Parvenüs am Niederrhein, in Hamburg und Kopenhagen erworben oder damals in Auftrag gegeben, werden aus kunsthistorischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive erforscht. Dazu gehören Bau- und Umbautätigkeiten, Raumausstattungen und Bildnisse, Garten- und Textilkunst. Gefragt wird danach, welche Bedeutung den Objekten im sozialen Aufstieg zugeschrieben wurde und welchen Auswahlkriterien sie und die beauftragten Künstler vor dem Hintergrund von Geschmacksbildungsdiskursen innerhalb der gebildeten Stände unterlagen. Im Fokus stehen dabei konkrete Aufsteigerpersönlichkeiten und -familien, von deren künstlerischem Engagement Textquellen und materielle Hinterlassenschaften in den Sammlungen der Verbundpartner zeugen. Ziel des Verbundvorhabens ist die Genese eines Deutungsschemas, das gesellschaftliche Prozesse auch anderer Epochen anhand eines spezifischen Gebrauchs von Objekten zeigen kann.

Im Rahmen dieses Forschungsvorhabens, welches aus fünf Teil-Projekten besteht, wertet am Deutschen Textilmuseum die 30-jährige Kunsthistorikerin Marion Rudel, unter der Projektleitung von Isa Fleischmann-Heck, die sogenannten Duisburger Intelligenz-Zettel aus. Das sieben bis acht Seiten umfassende Wochenblatt erschien erstmals im Mai 1727 bis durchgehend 1744 und dann wieder von 1750 bis 1805. Die Verbreitung dieser in Duisburg gedruckten Zeitung erfolgte im westlichen Preußen, im Rheinland, am Niederrhein sowie im Grenzgebiet und beinhaltete Verkündigungen des Königs, verschiedenartige Anzeigen, Suchfragen und behördliche Bekanntmachungen sowie Verbrechensmeldungen. Auf diese Verbrechensmeldungen richtet Rudel ihr Augenmerk, fahndet nach Dieben und Räubern, jedoch nicht um der historischen Straftaten, sondern um der geraubten Kleider und Textilien Willen, aus denen sie Rückschlüsse über die Lebensverhältnisse der Menschen in der Region ziehen kann. Andere Quellen aus dieser Zeit mit einem Textilien-Hintergrund sind selten, weshalb sich die Auswertung der Intelligenz-Zettel lohne, so Marion Rudel, die derzeit an der Universität Düsseldorf promoviert.

Weitergehende Informationen sind unter   Parvenue Projekt   zu finden

Die Forschungen münden 2023 in mehreren Ausstellungen in Krefeld und Düsseldorf. Die Ausstellung des Deutschen Textilmuseums ist zugleich Beitrag zum Stadtjubiläum.

Das Forschungsprojekt Parvenue des Forschungsverbunds der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, der Hochschule Fresenius Berlin, des Deutschen Textilmuseums Krefeld, des Museums Burg Linn und des Hetjens–Deutsches Keramikmuseum Düsseldorf wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).