Unter der Überschrift »Beuys & Bike« führt eine Fahrradtour durch Krefeld zu wichtigen Stationen des Künstlers. Mit einer Strecke von insgesamt rund 300 Kilometern führt die Route von Kleve bis Leverkusen. Aber auch eine individuelle Tour alleine durch Krefeld ist möglich | – Joseph Beuys wurde 1921 in Krefeld geboren. Anlässlich seines 100. Geburtstages rückt Nordrhein-Westfalen den Menschen und Künstler sowie seine Ideen und Werke in den Mittelpunkt von zahlreichen Ausstellungen, Vorträgen und anderen Veranstaltungen. Beuys wirkte vor allem am Niederrhein: Kleve, Krefeld, Mönchengladbach und Düsseldorf sind nur einige Orte, an denen er seine künstlerischen Spuren hinterlassen hat. Diesen Pfaden kann man auch mit dem Fahrrad unter der Überschrift »Beuys & Bike« im Jubiläumsjahr folgen. Mit einer Strecke von insgesamt rund 300 Kilometern führt die Route von Kleve bis Leverkusen. Aber auch eine individuelle Tour alleine durch Krefeld ist möglich.  

Burg Linn – Wer mit Beuys noch nicht viel am Hut hat, sollte sich als Einführung »Beuys don’t cry« im Jagdschloss des Museums Burg Linn anschauen. Die Kabinett-Ausstellung stellt persönliche Bezüge von Beuys nach Krefeld und an den Niederrhein vor. Die Besucher erfahren kompakt und anhand von Exponaten Wissenswertes über besondere Freundschaften von Beuys, seine Geburt in Krefeld, sein künstlerisches sowie politisches Wirken in der Stadt und über zwei seiner Schüler, die in der Region selbst prominent in Museen vertreten sind.

Pax-Christi-Kirche – Von Linn geht es dann mit dem Fahrrad über die neue Rad-Promenade (Beginn an der Ecke Ossumer Straße/Hausbend) Richtung Schönwasserpark. An der Glockenspitz 265 befindet sich das erste Ziel, die Pax-Christi-Kirche. Die Gemeinde Pax Christi ist bekannt für ihre Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst. Mit mehr als 30 Werken verschiedener Künstler haben das moderne Kirchengebäude und der dazugehörige Park Galeriecharakter. Neben Arbeiten von Künstlern wie Felix Droese, Klaus Rinke, Ulrich Rückriem und Günther Uecker ist hier auch das »Samuraischwert« von Joseph Beuys, das im Vorraum der Kirche bodennah in einer Glasvitrine ausgestellt ist. Hiermit bezieht sich die Gemeinde auf die mittelalterliche Praxis, als Gast die Waffen niederzulegen. Das signalisiere Gesprächsbereitschaft und friedliche Gesinnung, wie man sie sich auch in der Gemeinde wünscht. Dass das Schwert in Filz gehüllt ist, verstärkt diesen Effekt.  

Sprödentalplatz – Über die Schönwasser- und Tiergartenstraße führt der Weg der Radler weiter zum Sprödentalplatz. Als Haltepunkte sollte die Platzmitte gewählt werden. Die Zeitreise geht dort zurück ins Jahr 1983: Am 25. Juni waren der US amerikanische Vizepräsident George Bush, Bundespräsident Karl Carstens und Bundeskanzler Helmut Kohl zu Besuch im Seidenweberhaus, um die Philadelphiade zu feiern, den 300. Jahrestag der Auswanderung von 13 niederrheinischen Quäkerfamilien nach Nordamerika. Auf dem Sprödentalplatz trafen sich während der Feierstunde geschätzte 30.000 Menschen, um friedlich gegen den NATO-Doppelbeschluss und die daraus resultierende westliche Aufrüstung zu demonstrieren – mit Musik, Tanz und Ansprachen. Auch Joseph Beuys nahm an der Demo teil und sprach zu den Versammelten. 

Dampfmühlenweg – Über die Uerdinger und Rheinstraße führt die Tour nun zum Dampfmühlenweg. Irgendwo auf dieser schmalen Straße kam Joseph Beuys vor 100 Jahren zur Welt, so lässt es die Geburtsurkunde vermuten. Eine konkrete Adresse fehlt. Die Bebauung zur Geburt von Beuys wurde fast vollständig während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Die Geschichten und Legenden rund um die Geburt des Künstlers werden in der Ausstellung »Beuys don’t cry« und in dem kostenfreien Krefelder Beuys-Magazin erläutert.

Alexanderplatz – Via Ostwall, Südwall und Oelschlägerstraße geht es zum Alexanderplatz 5. In dem grauen, stuckverzierten Bau lebte das Ehepaar Beuys zwischen Oktober 1920 und September 1921 – eine Tafel am Gebäude erinnert daran. Joseph Beuys Vater, Josef Jakob Beuys, hatte zuvor auf der Oelschlägerstraße gelebt. Er wohnte bei der Geburt seines Sohnes schon gut zehn Jahre in Krefeld. Ende September 1921 zog die Familie dann nach Kleve.

Kaiser Wilhelm Museum – Die Route wird fortgesetzt über die Garnstraße und den Westwall zum Kaiser Wilhelm Museum (KWM) am Joseph-Beuys-Platz. Als einziges Museum in Nordrhein-Westfalen besitzt das KWM ein von Joseph Beuys selbst eingerichtetes Raumensemble. Die Hauptausstellung der Kunstmuseen Krefeld im Beuys-Jahr 2021 wird erstmalig die Arbeiten von Joseph Beuys denen des französisch-amerikanischen Objektkünstlers und Wegbereiters der Konzeptkunst, Marcel Duchamp, gegenüberstellen, den Beuys als seinen »Herausforderer« bezeichnete. Die Ausstellung läuft vom 8. Oktober bis 16. Januar 2022. 

Häuser Lange und Esters – Über den Westwall, Nordwall, die Moerser Straße heißt der nächste Halt: Wilhelmshofallee 91-97. In den Häusern Lange und Esters wird parallel zur Beuys-Duchamp-Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum ab Oktober 2021 eine große Beuys bezogene Sammlungspräsentation gezeigt. Beide Häuser wurden von Beuys in der Vergangenheit wiederholt als Ausstellungsräume genutzt, zum Beispiel im Rahmen von Gruppen-Ausstellungen zwischen 1969 und 1985 sowie einer großen Retrospektive der Zeichnungen 1974 in Haus Lange. Bis zur Eröffnung dieser Ausstellung dauert es noch etwas. Bis dahin lohnt sich ein Rundgang um die Bauhaus-Villen, um sich den Skulpturenpark anzuschauen. 

Der Abschluss der Beuys-Tour in Krefeld führt ins Ungewisse: Durch den Stadtwald, entlang der Niepkuhlen, ist die letzte Station eine Brücke über den Altrheinarm zwischen Steeger Dyk und Lousbilldyk. Irgendwo dort stand einst eine Hütte, in der Beuys und der Schriftsteller Adam Reinhard Lynen aus Krefeld zumindest Ende der 1940er und in der ersten Hälfte der 1960er-Jahre zusammenlebten. Beide lernten sich Ende der 1940er-Jahre im Umfeld der Kunstakademie Düsseldorf kennen. Lynen lebte über längere Phasen als Vagabund und reiste mit einfachsten Mitteln um die Welt. Er kehrte aber immer wieder nach Krefeld und Düsseldorf zurück. Der genaue Standort des sogenannten »Kullhauses« ist heute unbekannt. Lediglich »Krefeld-Traar« wird als Ort in einigen Briefen von Lynen genannt. Die Geschichte dieser Freundschaft wird ausführlich in der Ausstellung »Beuys don’t cry« und in dem kostenfreien Krefelder Beuys-Magazin erläutert.

Weitere Informationen unter: »Beuys & Bike«