Bis 13. März 2022 – Ab sofort präsentiert das Haus der Seidenkultur (HdS) die Ausstellung Mit dem Land verwoben, von Hauswebern und Seidenfabrikanten, eine Schau über das Seidenweber-Dorf Hüls, mit Einblicken in die lokale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – Schon im 18. Jahrhundert gelang innerhalb der Seidenindustrie die Gewinnoptimierung in den Fokus der Fabrikanten. Der Glanz und Luxus, den sich die Seidenbaron-Familien für ihre Generation und nachfolgende Generationen erwirtschafteten – in Krefeld noch ersichtlich, anhand der Häuser entlang der heutigen Friedrichstraße – der damaligen ersten Adresse der Stadt, basierte auf einem knallharten Textilgeschäft. Anhand des Seidenweber-Dorfs Hüls in der Ausstellung eröffnet die Kuratorin Dr. Ulrike Denter einen eher unbekannten Aspekt auf diese lokale Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.
Wie in Krefeld gründete sich die Textilwirtschaft in Hüls zunächst mit dem Weben von Leinenstoffen. In Hüls wurde dann aber auch schon früh mit der Seidenweberei begonnen, sagt die ehrenamtliche Mitarbeiterin des Hauses der Seidenkultur. Produzenten und Verleger aus dem nahen Krefeld verlagerten einfache Vorarbeiten in die kostengünstigen Hauswebereien in Hüls. Zu der Seidenstoff-Herstellung gesellte sich im 19. Jahrhundert auch die Samt-Produktion. Bis zum Beginn der Industrialisierung um 1880 standen so in den rund 1.350 Hülser Haushalten mindestens ein Webstuhl, manchmal sogar zwei Webstühle. Dass dort Kinder in der Produktion mitarbeiteten, galt als selbstverständlich.
Die Hauswebereien in Hüls verloren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgrund der Verbreitung mechanischer Webstühle und ihrer einseitig wirtschaftlichen Ausrichtung, schlagartig an Bedeutung. Das war eine große Notzeit für die Hülser Weber, weil sie sich so abhängig gemacht haben, berichtet Denter. Suppenküchen und Arbeitslosenprogramm sollten die Armut lindern. Eine zweite Blüte erlebte die Textilwirtschaft in Hüls noch bis zum Ersten Weltkrieg vor allem mit der Firma Schröder, die Standorte in New York, London und Zürich unterhielt.
Die textile Geschichte Hüls‘ endete letztlich erst in den 2000er-Jahren mit der Schließung der letzten Seidenweberei an der Bruckersche Straße.

Die Ausstellung Mit dem Land verwoben, von Hauswebern und Seidenfabrikanten mit einem umfangreichen Rahmenprogramm ist bis zum   13. März 2022   zu den   Öffnungszeiten   des HdS zu besichtigen.

Die Ausstellung ist Teil des Themenjahres Provinz – provinciaal? des Museumsnetzwerks Rhein-Maas im Kulturraum Niederrhein.
Weitere Informationen hierzu unter   Niederrhein Museen