KRESCHTheater

Spielerisch leben lernen

Ulrike Brockerhoff, Helmut Wenderoth, Karl Heinz Girnau, Heiko Pinowski in »Das besondere Leben der Hilletje Jans«, KRERSCHtheater 1991. Inszenierung: Inge

Ulrike Brockerhoff, Helmut Wenderoth, Karl Heinz Girnau, Heiko Pinowski in »Das besondere Leben der Hilletje Jans«, KRERSCHtheater 1991. Inszenierung: Inge Brand.

Als das Stadttheater seine Zelte vor dem verlassenen Fabrikgebäude an der Virchowstraße errichtete, schlug auf einmal der Backsteinbau, in dem einst Tapeten gefertigt wurden, die Augen auf, und erstaunt fiel der Blick der Krefelder Kulturinteressierten auf ein wunderschönes vergessenes Industriedenkmal. Das war der Beginn einer erfolgreichen Umnutzungsgeschichte. Dort, wo früher Arbeiter an Maschinen malochten, wird heute künstlerischer Mehrwert produziert. Das städtische Kulturzentrum unter Leitung des Kulturbüros bietet seit 1989 ein facettenreiches Programm. Seit 2006 gibt es den Erweiterungsbau Heeder Zwei. Und es entstanden zwei Spielorte, in denen Inszenierungen der Städtischen Bühnen aufgeführt werden im Wechsel mit Aufführungen des Kresch-Theaters mit Kindern- und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche.

Am Ursprung dieses besonderen kleinen Theater stand, wie so oft bei außergewöhnlichen Vorhaben, ein einzelner Mensch, der mit Leib und Seele bei der Sache war: Inge Brand. Ihre »Sache« ist das Theater. Sie hat immer schon das nötige Gespür im Umgang mit jungen Menschen gehabt, und so darf man wohl vom Glück der Tüchtigen sprechen, wenn man betrachtet, was ihre Passion im Laufe der Jahre bis zu ihrem Abschied 2005 zustande brachte. Brand kennt die beiden Berufe der Schauspielerin und der Lehrerin von innen und weiß wie dramatische Stoffe in Szene zu setzen sind, um Heranwachsende anzusprechen.

Timan Neubert und Joischi Vogel in »Ikarus«, KRESCHtheater 1991, Inszenierung: Helmut Wenderoth

Timan Neubert und Joischi Vogel in »Ikarus«, KRESCHtheater 1991, Inszenierung: Helmut Wenderoth

Aus der Schul-Kultur – einer Initiative von Schülern, Schulen mit ihren Lehrern und interessierten Bürgern – entstand schrittweise das Modellprojekt »Krefelder Schul- und Jugendtheaterzentrum e. V.« des Landes NRW und daraus das Kresch in seiner maßgeschneiderten Form: Heute tragen es das Land NRW, die Krefelder Stadtpolitik und die städtische Kulturverwaltung. Der Spielort Fabrik Heeder gehört zum »Glücksfall Kresch«. Nicht zu vergessen das engagierte technische und künstlerische Personal, allen voran der Bühnenbildner Frank Andermahr.

Der künstlerische Leiter des Kresch, Helmut Wenderoth, zitiert in einem Betrag für die »Heimat« Thomas Weinmann – heute im Technik-Team der Fabrik Heeder tätig – der in der »Gründerzeit« in einem Leserbrief der Westdeutschen Zeitung Krefeld feststellte: »Kinder und Jugendtheater ist mehr als einmal im Jahr ein Weihnachtsmärchen zu produzieren.«

Die Arbeit mit den Jugendlichen lässt deren Schwellenangst sinken und ermöglicht es den Verantwortlichen, einen Spielplan anzubieten, der sich so genau wie möglich an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppe orientiert.
So fand Ende Oktober 2014 bereits zum neunten Mal das Kresch-Kreativlabor statt. Professionelle Nachwuchsregisseure und Dramaturgen, Bühnen- und Kostümbildner sowie das junge, 20 Akteure umfassende Kresch-Ensemble erproben in diesem Rahmen Stoffe, Gattungen und Spielformen. Theaterpädagogische Aktionen begleiten in speziell entwickelten Projekten und Gruppen die Aufführungen des Spielplans.

2014 leitet Michael Jezierny das Kresch-Theater, Franz Mestre und Helmut Wenderoth teilen sich die künstlerische Verantwortung.

IRMGARD BERNRIEDER

weiter Infos:
»25 Jahre KRESCHtheater in der Fabrik Heeder – oder ›Man muß da sein, sonst ist das Theater gar nichts‹« von Helmut Wenderoth in: »Die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Jahrgang 85, November 2014, S. 84-92