Zeitgenössischer Tanz in Krefeld (2)

Nachhaltigkeit der flüchtigen Bewegung

Titelmotiv eines Programmheftes

Titelmotiv eines Programmheftes »Move« von 1994

Das umgenutzte Industriedenkmal Fabrik Heeder öffnete seine Pforten als städtisches Kulturzentrum im April 1989. Jürgen Sauerland-Freer hatte die Aufgabe, ein Programm für den neuen Treffpunkt zu entwickeln. Er erinnert sich in einem Artikel (Die Heimat, Band 78/ 2007) daran, dass der zeitgenössische Tanz damals in der freien professionellen Szene Krefelds noch kein Thema war.

Einen ersten Appetithappen offerierte dann die Wuppertaler Compagnie mind the gap mit der Produktion »Die Klavierspielerin« nach Elfriede Jelinek am 11. Oktober des Jahres, nachdem im April bereits das Pariser Tanztheater Gomina zu Gast gewesen war. Die Publikumsreaktionen ermunterten den Leiter des Kulturbüros, die nächsten »Tanz«-Schritte zu wagen. Zunächst aber entgrenzte das Tanztheater Hamburg den Guckkastenraum der Studiobühne in der Fabrik Heeder, als es sein Stück »Augenblicke zwischen den Wirklichkeiten« zwischen den Säulen tanzte. Der internationale Erfolg von Pina Bauschs Wuppertaler Tanztheater hatte sich auch in ihrer Heimat herumgesprochen, und in der Landespolitik keimte die Idee, NRW zu einem Tanzland zu machen.

Unter Leitung von Jochen Schmidt fand 1990 das vierte Internationale Tanzfestival NRW statt, auf das – sozusagen in voller Fahrt – Krefeld aufsprang mit Teatro del Cuerpo (»La Folia«), Ivan Angelus (»The last Solo«) und den Tänzerinnen Rotraud de Neve und Heidrun Vielhauer (»Cornelia«). Die Fabrik Heeder war ein neuer Hot Spot im jungen Tanzland, der sich weiter »erhitzte«, als er Mitte 1991 zu einem Spielort des Festivals »Meeting Neuer Tanz« des Kultursekretariats Wuppertal wurde.

Jürgen Sauerland-Freer konzipierte spartenübergreifende thematische Reihen und vertiefte nach und nach auch die Auseinandersetzung mit der internationalen Geschichte des Tanzes. Ihm zur Seite entwickelte sich Dorothee Monderkamp zu einer Spezialistin in dieser Sparte. Das Duo erdachte gemeinsam überzeugende Konzepte, und seit 1993 sorgte Monderkamp für die Realisierung und einen reibungslosen Ablauf der Reihen und Festivals. Es waren tänzerische Dialoge mit Positionen des expressionistischen Tanzes zu erleben ebenso wie Butoh-Tanz. Dieser rasante Erfolgskurs brachte die ehrenamtlichen Bühnenhelfer wie auch die Bühnentechniker an ihre Grenzen.

Der enge finanzielle Rahmen der Kommune gestattete weder eine erhöhte Eigenbeteiligung noch Mindestabgaben und verhinderte letztlich nach 1994 die Beteiligung am »Internationalen Tanzfestival«.
Doch aus dem geschaffenen Humus erwuchsen neue Möglichkeiten: Mark Sieczkarek präsentierte fünf Jahre nach dem großen Heeder-Start seine Choreographie »Hurricane«, die eindrucksvoll erkennen ließ, wie begeistert der zeitgenössische Tanz an diesem Ort mittlerweile von einem wachsenden Publikum angenommen wurde. Das Festival »Move! Krefelder Tage für modernen Tanz«, das Sauerland-Freer aus dem Hut zauberte, war die folgerichtige Reaktion auf diesen neuen Tanz-Enthusiasmus. Workshop-Angebote für Kinder leistete Nachwuchsarbeit, Foto-Ausstellungen und Filmvorführungen flankierten die Tanzaufführungen und setzten den Tanz in einen nachhaltigen Dialog zu anderen Kunstgattungen. Von 1993 bis zu dessen Ende 2001 war die Fabrik Heeder Austragungsort des Festivals »Meeting Neuer Tanz«, und unterm Jahr hielten Gastspiele das Interesse an der Welt des Tanzes wach.

Als erste Auftragsarbeit des städtischen Tanz-Engagements – mit Unterstützung des Landes NRW sowie der Städte Duisburg und Viersen – firmiert »Coal and Dust« von Robert Poole, uraufgeführt am 29. August 1998 in der Fabrik Heeder.

IRMGARD BERNRIEDER

weitere Infos: das Tanzportal des Kulturbüros Krefeld in Kooperation mit dem NRW KULTURsekretariat