Von der Motte zum Museum

Das Hochschloss zu Linn 1880, Federzeichnung aus Clemen, Kunstdenkmäler. Aus: »Altes Crefeld«, Verlag Weidlich Frankfurt/M. 1975

Das Hochschloss zu Linn 1880, Federzeichnung aus Clemen, Kunstdenkmäler. Aus: »Altes Crefeld«, Verlag Weidlich Frankfurt/M. 1975

In dieser Landschaft, so platt wie ein Pfannkuchen, sind die kleinsten Erhebungen rar. Wer unter unseren Vorfahren vor 800 Jahren die Wahl hatte, ließ sich auf solchen Flecken nieder. weil sie eine gewisse Sicherheit boten. Auch die Edelherren Otto und Gerlachus von Lynn bauten sich aus Tuffstein eine Burg, wo schon zweihundert Jahre zuvor der Hügel für eine Motte aufgeschüttet worden war, die ein Wassergraben und Holzpalisaden umzogen.

Die Anlage wurde im spanischen Erbfolgekrieg (1701-14) zerstört und geriet in Vergessenheit. Als Anhängsel des einstigen Back- und Brauhauses im Bereich der Vorburg – von Kurfürst Clemens August 1740 zum Jagdschlösschen ausgebaut – wurde auch die Burgruine von den napoleonischen Truppen requiriert und die gesamte Liegenschaft 1802 an Isaac de Greiff veräußert. Sie blieb im Besitz der Seidenfabrikantenfamilie, bis die Stadt Krefeld sie im Jahr 1924 erwarb, wiederaufbaute und zwei Jahre später als Landesmuseum eröffnete. Zeittypisch ausgestattete Räume des 18. und 19. Jahrhunderts, die nach prominenten Krefelder Familien benannt sind, sowie eine Sammlung historischer mechanischer Musikinstrumente bilden Schwerpunkte der ständigen Ausstellung. 1930 wurde das einstige Jagdschlösschen dem Museum zugeschlagen.

Im Laufe des zweiten Weltkriegs wuchsen in Krefeld 30 Hochbunker aus dem Boden. Einer an der Rheinbabenstraße, auf dessen Planung Museumsleiter Albert Steeger vorausschauend Einfluss nahm. Um sein lang gehegtes Vorhaben eines Heimatmuseums zu realisieren, wurden dann nach Kriegsende unter Federführung des Architekten Carl Dahmen Fenster und Treppenaufgänge in den Bunker eingebaut, und ab 1952 lud er als »Heimathaus des Niederrhein« zum Besuch. Erst in den 1980er Jahren erhielt die Burg ein Dach. 1986 bis 1998 wurde das Foyer umgebaut, und für Sonderausstellung gibt es seitdem eine moderne Halle. Im Zentrum der Präsentation steht die Schlacht bei Gelduba, (69 n. Chr.). Im archäologischen Museum sind archäologische, landeskundliche und volkskundliche Sammlungen zu sehen. Aus den über 6000 Gräbern der Gellepper Grabungen wurde eine herausragende Glassammlung zusammengetragen.

Fränkischer Rheinkahn aus dem 9. Jahrhundert. Foto: Ralf Janowski

Museum Burg Linn: Sogenannter Karolingischer Lastkahn, spätes 8. Jahrhundert, 1973 gefunden bei Baggerarbeiten am Rand des ehemaligen römischen Hafens in Gelle, Museum Burg Linn. Foto: Ralf Janowski

Aus karolingischer Zeit (9. Jahrhundert) ist ein Rheinkahn zu uns herübergeglitten. Der sensationelle Fund stellte sich 1972 bei Baggerarbeiten im Rheinhafen ein. Nachdem er vorsorglich über drei Jahrzehnte in Polyethylenglykol gebadet wurde, bildet er heute einen besonderen Blickfang in der eigens für ihn errichteten Halle.

Im Untergeschoss des Kapellenturms liegt eine gotische Burgkapelle aus dem 14. Jahrhundert.

Maximilian Friedrich von der Weyhe erhielt Mitte des 19. Jahrhunderts von Cornelius und Philip de Greiff den Auftrag, die weitläufigen Anlagen aus kurkölnischer Zeit umzugestalten und entwarf einen englischen Landschaftsgarten. Obwohl nie vollendet, wurde der Park 2004/ 2005 in die Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas aufgenommen.

IRMGARD BERNRIEDER


weitere Infos:

Krefelder Burgen beschreibt der Museumsleiter von Burg Linn, Dr. Christoph Reichmann, in »Burgen AufRuhr ­– Unterwegs zu 100 Burgen, Schlössern und Herrensitzen in der Ruhrregion«, 488 Seiten, 2011.