Museum Burg Linn I

In einem fränkischen Goldhelm Heimat gefunden

Richtig alt ist die Stadt Krefeld in ihrem Stadtteil Linn. Der Hauch der Geschichte in den winkeligen Gässchen rund um die rekonstruierte Burg weht geradewegs aus der römisch-fränkischen Zeit herüber. Wir reden also von gut 1900 Jahren, die ein goldener Helm überdauerte, und uns Menschen des beginnenden dritten Jahrtausends von unseren Vorfahren, ihrer Kunstfertigkeit und ihrer Vergänglichkeit kündet. Albert Steeger, seines Zeichens Heimatforscher, Lehrer und promovierter Geologe, hatte 1934 in Gellep angefangen, systematisch zu graben, und dort zwei Jahre später die ersten fränkisch-römischen Gräber entdeckt. Er gab seinen Schuldienst auf und widmete sich ganz der Einrichtung eines Heimatmuseums, aus dem das heutige Niederrheinische Landschaftsmuseum im Museumszentrum Burg Linn hervorging. Gleichzeitig setzte der Wissenschaftler seine Erkundungen nach Kriegsende fort und hatte bis zu seinem Ableben 1958 etwa 1200 Gräber aufgedeckt.

Museum Burg Linn, Fränkischer Spangenhelm aus dem sogenannten Fürstengrab, um 525. Foto: Ralf Janowski

Museum Burg Linn, Fränkischer Spangenhelm aus dem sogenannten Fürstengrab, um 525. Mit Hilfe einer Goldmünze, eines Solidus des oströmischen Kaisers Anastasius I., konnte das Grab auf die Zeit um 525 datiert werden. Foto: Ralf Janowski

Der große Fund war ihm indes nicht vergönnt. Der blieb Renate Pirling vorbehalten, die in Gellep 1959 mit einem Zuschuss von 10 000 Mark des Landesmuseums Bonn und tatkräftig unterstützt von Studenten und Hilfskräften ihre erste Grabung begann. Es dauerte nur wenige Tage, da wurde eine Aufsehen erregende gläserne Bacchus-Schale gefunden, erinnert sich die Kunsthistorikerin und Geschichtswissenschaftlerin für Vor- und Frühgeschichte im Gespräch mit einer Lokalzeitung anlässlich ihres 85. Geburtstages im August 2014. Dann folgte 1962 eine lange Durststrecke, und erst als die Grabungskampagne fast abgeschlossen war, wurde die letzte Ruhestätte eines Fürsten mit 40 Grabbeigaben geborgen: ein goldener byzantinischer Spangenhelm und Schwerter, Goldmünzen und Edelsteine. Renate Pirling hatte nun gleichsam das Symbol in Händen, unter dem das Museum Linn segeln konnte, zu dessen neuer Leiterin sie 1961 – gegen 36 männliche Mitbewerber – gewählt worden war.
Dieser Schatz aus dem größten erforschten Gräberfeld nördlich der Alpen in Krefeld-Gelepp wird 2015 im Louvre/ Paris zu sehen sein.

 

IRMGARD BERNRIEDER

 

 

 

 

Literatur:
Renate Pirling: »Neue Ausgrabungen auf den Gräberfeldern von Krefeld-Gellep«. In: Dörfer und Städte. Ausgrabungen im Rheinland 1985/86, Rheinland-Verlag Köln, Bonn 1987, S. 57–60.
Renate Pirling: »Krefeld-Gellep. Die Gräberfelder«. In: Heinz-Günter Horn (Hrsg.): Die Römer in Nordrhein-Westfalen. Lizenzausgabe der Auflage von 1987. Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-59-7, S. 534−536.

Renate Pirling: »Krefeld -Gellep: 6000 Gräber von Römern und Franken«, Juli 2015, Droste Verlag, ISBN 978-3-7700-6003-0

 

weiter Info:
Katharina Glose : »Das Fürstengrab«