Die Werkbühne des Werkhaus e.V.

Möglich ist, dass die Gründerinnen und Gründer des Werkhaus-Vereins (1984) den Beuys-Satz berücksichtigten, der da meint, in jedem Menschen stecke ein Künstler. Jedenfalls konzipierten sie die Möglichkeit, die in Kursen und Projekten erlernten Fähigkeiten, also das erarbeitete Werk, einem breiteren Publikum präsentieren zu können. Auch sollten Werke von Gastkünstlern auf der Bühne im Werkhaus aufgeführt werden können, um dem Zuschauer Anregungen, Perspektiven und neue Aspekte bieten zu können.

Dieser Ansatz führte beispielsweise dazu, dass Linda Lehrhaupt, eine der ersten Tai Chi Referentinnen im Land, eine abendfüllende Vorstellung darbot und nach geraumer Zeit Kursteilnehmer eine Tai Chi Werkschau zeigten. Afrikanisch trommelte in Krefeld kaum jemand. Klaus Hackspiel brachte es vielen bei, die dann z.T. als Multiplikatoren in Schulen etc. agierten.  Anregungen konnten sich Besucher der völlig ausverkauften Werkhaus-Vorstellung beim Konzert des ghanaischen Masterdrummers Adja Addy holen.  Legendär waren auch die ein bis zwei Mal jährlich stattfindenden Werkschauen im völlig überfüllten Haus auf der Blücherstraße. Kursleiterinnen und Kursteilnehmer zeigten in abendfüllenden Veranstaltungen ihr Können. Orientalischer Tanz (Bauchtanz), Flamenco, Samba, Modern Dance, Trommeln, Didgeridoo, Chor- und Obertongesang, Theater, Kabarett und Wortbeiträge wurden an solchen Abenden geboten. Ganz anders die von der Werkbühne organisierten Filmtage im Kino auf der Lewerenzstraße. Gezeigt wurden ausgewählte Werke des Krefelder Regisseur und Filmemacher Hans Noever (z.B. »Die Frau gegenüber«). Später drehte Noever u.a. auch Tatortfilme.

Krefelder Straßenkulturtage 1986, Foto: Werkhaus Archiv

Krefelder Straßenkulturtage 1986, Foto: Werkhaus Archiv

Manchmal fanden Werkschauen auch auf der Straße statt. Bunt und lustig auf der gesperrten Blücherstraße als Straßenfest oder eher mit ernstem Hintergrund als Protestaktion für eine Förderung auf dem Neumarkt. Förderung gab es zu Anfang der Werkbühnenarbeit nicht. Hin und wieder wurden Projektgelder akquiriert. Dadurch konnten dann die ersten großen Events durchgeführt werden. So 1985 das Projekt »Begegnung mit den Niederlanden« oder die »Krefelder Straßentheatertage« 1986 bei denen halb Krefeld zur farbig-bunten Bühne für Gaukler, Artisten und skurrilen grossen Straßen-Theater-Gruppen wurde. Da verwandelte sich der Sprödentalplatz in eine nächtliche Arena für eine französische Fantasietruppe, die von seltsam dekorierten Fahrzeugen aus akrobatisch-mystisch anmutende imaginäre Kämpfe ausfochten. Verstecktes Theater zelebrierten andere Künstler. Die »Scharlatane« setzten schon mal eine ganze Straße unter Schaum, um auf zukünftige Umweltverschmutzung hinzuweisen oder die den Verkehr auf dem Südwall auf ihrer anarchischen Weise regelten. Die von der Werkbühne getragenen Frauentheatertage (1986 -93), bei denen u.a. die »Missfits« (Stephanie Überall, Gerburg Jahnke) auftraten, fielen in eine frauenbewegte Zeit. Die »Szene Großbritannien« (1988) zeigte englischen Humor auf der Kleinkunstbühne im Werkhaus. Earl Orkin, singer-songwriter, musician and comedian, nutzte ironisch die Gelegenheit sich in einem Song über das alte Klavier auf der Werkbühne zu beklagen. »I want a Steinway«, meinte er auf der Melodie von »This is my way«.

Meist fand die Bühnenarbeit in Reihen statt. Eine der ersten Reihen befaste sich mit Satire. Z.B. trat hier das Krefelder Duo »TNT« (Hans Busch und Manfred Dienefeld) auf. Viele Kabarettgruppen, die die Werkbühne nutzten, beschäftigten sich ironisch mit  kirchlichen Zuständen. So auch Dieter Nuhr und sein damaliger Kompagnon. Es hagelte Anzeigen gegen das Duo. Viele weitere mittlerweile bekannte Kabarettisten traten in der Blücherstr. auf. Volker Pispers, Herbert Knebels Affentheater, Kalle Pohl, Schmickler und Becker, Jünnemann u.v.m. um nur einige zu nennen. Alle Sparten der sog. Kleinkunst wurden präsentiert: Zauberei, Jonglage (die Gruppe Niegelungen), Pantomime, Straßenmusik (Laut und lästig), experimentelles, Puppen- und Kindertheater, kleines Schauspiel/Theater und Musiktheater (Collegium Ars Vitalis, »Muzik als Theater«, Huber, Sacher, Wilmans). In der Reihe »Die Krefelder kommen!« trat auch die Gruppe »Ernst« (Winni Walgenbach, Bobbel u. Co.) mit ihrem Musiktheater auf und die »Scheinheiligen«, zunächst noch eine Schülerkabaretttruppe, bespielte laufend die kleine Bühne im Werkhaus. Nicht nur mit dem Lied: »Krefeld, unsere Mutter, unser Glück…« eroberte Volker Diefes und Christian Ehring, die von der Truppe zuletzt übrig blieben, die Herzen der Krefelder. Die »Herbstzeitmimen«, eine im Werkhaus 1989 gegründete Seniorentheatergruppe bespielt nun noch die Bühne auf der Blücherstraße.

Kontinuierlich wird hier auch die Reihe »Unplugged« fortgesetzt. Mit der Herrichtung des Südbahnhofs verlagerte sich die Werkbühnenarbeit zunehmend zur Saumstraße. Geboten wird dort weiterhin das volle Programm der Werkbühne. Kabarett (z.B. »Das schwarze Schaf«), Musik (z.B. Waldo Karpenkiel und Freunde) Tanz (z.B. Andreas Simon), Experimentelles und Projektarbeit bilden die Schwerpunkte. Oft durchgeführt in Kooperation mit anderen Kultureinrichtungen und Institutionen. Durch die erweiterten räumlichen Möglichkeiten kann die Werkbühne nun auch vermehrt themenbezogene Ausstellungen präsentieren und auch so ihrem Namen als Ort der Bühne für Werke gerecht werden.

HELMUT BOECK, Januar 2015