2.000 Gärten rings um die Stadt

Der fremde Blick auf die Stadt: Baron de Ladoucette

Der französische Präfekt Baron de Ladoucette preist Krefeld als »eine der schönsten Städte an den Ufern des Rheins«. Der hohe Beamte analysiert, Krefeld habe schon Ende des 17. Jahrhunderts Moers, die Hauptstadt des Fürstentums, in den Schatten gestellt, weil es die »Industrie« nutzte, die verbannte Religionsanhänger aus Frankreich, den Niederlanden, dem Herzogtum Berg und aus Köln mitbrachten. 13.002 Bürger zählen Stadt und Herrlichkeit Krefeld im Jahr 1815. Die meisten von ihnen sind Katholiken. Der Besucher vermerkt, dass es ein hebräisches Konsistorium und eine Synagoge sowie calvinistische und lutherische Gebetshäuser und ein Andachtshaus für die Mennoniten gibt. Aus deren Gemeinde hebt er die Familien von der Leyen und Floh hervor, die zu den »meistgeachteten Manufakturisten« zählen. Als Handeltreibende beschreibt der Baron die Protestanten, die »ein Haus der Arbeit« haben; gemeint ist eine Vorläufereinrichtung der heutigen Industrie- und Handelskammer, der unter dem Vorsitz Bürgermeister Friedrich Heinrich von der Leyens 1804 gegründet wurde.

Krefeld von Norden, aus Höhe Sternstraße. Kolorierter Stich von 1823. Aus: »Altes Crefeld«, Verlag Weidlich Frankfurt/M. 1975

Krefeld von Norden, aus Höhe Sternstraße. Kolorierter Stich von 1823. Aus: »Altes Crefeld«, Verlag Weidlich Frankfurt/M. 1975

Der Gast beschreibt die Stadt als ein längliches Viereck mit vier Toren, das regelmäßig bebaut ist. Damit entspricht der Grundriss dem Idealbild dieser Epoche, der geometrischen Planfigur. Er hebt den mit Linden bepflanzten Marktplatz hervor, gesäumt von prächtigen Häusern. Ebenso die 2.000 Gärten rings um die Stadt. Ladoucette nimmt an, dass viele der Gebäude auf diesen grünen Parzellen »zum Vergnügen« da sind. Die Straße von Wesel nach Aachen über Uerdingen erleichtere die städtischen Verbindungen zum Rhein und die Versorgung mit Steinkohle, so seine Feststellung. Den lokalen Färbereien, Seidenfabriken und Baumwollspinnerein gilt sein besonderes Augenmerk. So schreibt er den hiesigen stehenden Gewässern die Fähigkeit zu, der Seide jene besondere Schwärze zu verleihen, für die sie berühmt ist. »Die wichtigsten Fabriken sind die für Samt im Stück und in Bändern«, notiert der aufmerksame Besucher. »Wie sie an einem beengten Ort, fern von Rohmaterialien und ohne Rückhalt einer großen Bevölkerung die Konkurrenz mit den Erzeugnissen aus Lyon aufrecht erhalten haben,« fand seine Bewunderung. »In Schönheit und Geschmack ihrer Waren« überträfen sie alle Stoffe in Europa. Der freie Handel im Norden und Süden habe ein Übriges zum Aufschwung getan.

IRMGARD BERNRIEDER

Info: Der Reisebericht des Baron de Ladoucette wurde von Ina Saffran und Birgit Gerlach aus dem französischen übersetzt und vom Antiquariat am St. Vith in Mönchengladbach herausgegeben. ISBN: 978-3-00-028810-4

Die alte Samtweberei Scheibler & Pelzer