Will Brüll – Brunneplastik und weiterer wirbelnder Edelstahl

Will Brüll – Ohne Titel (Brunnen). 1972 bis 1975, Edelstahl, Theaterplatz, Maße 800 × ca. 300 cm Ø. Foto: Ralf Janowski

Will Brüll – Ohne Titel (Brunnen). 1972 bis 1975, Edelstahl, Theaterplatz, Maße 800 × ca. 300 cm Ø. Foto: Ralf Janowski

So richtig kommt die Brunnenplastik von Will Brüll auf dem Theaterplatz heute nicht mehr zur Geltung. Zwar steht sie noch weithin sichtbar an dem auserwählten Platz, umgeben von den Bauten des Seidenweberhauses, Theaters sowie der 2008 eröffneten Mediothek, doch leider fehlt ein wesentliches Element, das einen Brunnen zum Brunnen werden lässt: das Wasser.Ursprünglich wurde Wasser durch das Bündel der zentralen Edelstahlrohre in die Höhe geleitet, um von dort lebendig wieder in das unmittelbar umfangende Bodenbecken zu fallen. Der in Augenhöhe befindliche plastische »Knoten« aus konkaven und konvexen Edelstahlflächen sorgte dabei für eine regelrechte Verwirbelung des flüssigen Elementes, das dann, im Becken angekommen, sich nach und nach beruhigend, vom ersten durch zwei weitere gestaffelte Bassins seinen Lauf nehmen konnte.

Inzwischen ist der Wasserfluss versiegt und die einstigen Wasserflächen, in denen sich die Umgebung dynamisch spiegelte, sind mit Blumen bepflanzt. Schade, denn das Lebendige der Arbeit, die zudem ursprünglich bei Nacht durch das Licht von Unterwasserscheinwerfern aus sich heraus strahlte, ist verloren. Dennoch überträgt sich auch in dem veränderten Zustand bis heute die Grundidee des hochaufragenden Werkes, das als schlanker Vertikal-Kontrast auf die breitgelagerten Architekturen des Platzes antwortet.

Die hexagonale Grundform, aus der sich das Seidenweberhaus letztlich ableitet, findet sich in den drei sechseckigen Wasserbecken wieder, wohingegen der plastische »Knoten« der Arbeit formal die an kristalline Strukturen erinnernde Fensterfront des Theaters aufgreift. Nicht zuletzt vermittelt das Lichtspiel der Sonne auf den verschieden geschliffenen Metalloberflächen der Edelstahlplastik auch im gegenwärtigen Zustand etwas von der Dynamik und Leichtigkeit, die das Werk von Will Brüll bis heute auszeichnen.

Will Brüll, Aufwirbelnde, 1967. Verschollen. Abbildung aus Katalog. Will Brüll, Stahl und Form, S. 7

Will Brüll, Aufwirbelnde, 1967. Verschollen. Abbildung aus Katalog. Will Brüll, Stahl und Form, S. 7

Seit 1960 arbeitet der 1922 in Viersen geborene Künstler mit Edelstahl, dessen gestalterischen und auch rein praktischen Möglichkeiten er in dieser Zeit für sich entdeckte. Viele seine Arbeiten sind dabei von den immer wiederkehrenden Gedanken der Leichtigkeit und Dynamik geprägt, Themen, die Will Brüll als Reaktion auf seine vierjährige Zeit als Flieger ab 1940 für sich gefunden hat. So sind, neben der von der Unternehmerschaft Niederrhein sowie der Industrie- und Handelskammer Krefeld 1973 gestifteten Brunnenplastik für den Theaterplatz, noch vier weitere Werke für Krefeld entstanden, die allein schon durch ihre Titel wie »Dreischeibenkugel, drehbar« (1973), »Wandrhythmisierung/Reliefwand« (1973) oder »Aufwirbelnde« (1967) auf ihre Bewegung verweisen. Das an sich erdverbundene und der technischen Welt entstammende Material Stahl erscheint in diesen Arbeiten von geradezu poetischer Schwerelosigkeit, die die Dynamik der Werke noch einmal unterstreicht. Die Bewegung im Raum von Brülls plastischem Werk geht dabei so weit, das anscheinend manche seiner Arbeiten, wie beispielsweise besagte »Aufwirbelnde« von 1967, ihren zugewiesenen Platz verlassen haben und davongewirbelt bislang unauffindbar ein neues Dasein führen.

Werkangabe:
Will Brüll – Ohne Titel (Brunnen). 1972 bis 1975, Edelstahl, Theaterplatz, Maße 800 × ca. 300 cm Ø.
Will Brüll, Aufwirbelnde, 1967. Verschollen. Abbildung aus Katalog. Will Brüll, Stahl und Form, S. 7

CHRISTIAN KRAUSCH

 

Literatur:
Stahl und Form – Flächen- und Raumskulpturen von Will Brüll. Einführung: H. Odenhausen. Düsseldorf 1971
Will Brüll – Leben im Gesamtkunstwerk. Text: Eri Krippner. Düsseldorf 2014

Weitere Info zu Brüll auf dem Portal NRW-Skulptur.de