Peter Bertlings – Webermotive, 1953/54

Peter Bertlings, Webermotive, 1953/54, Sgraffito (Kratzputzornament), Lewerentzstraße 95/Ecke Tannenstraße 99. Foto: Ralf Janowski

Beinahe wäre das große Kratzputzornament von Peter Bertlings (1885 bis 1982) zwecks Verbesserung der Energiebilanz des Haues Lewerentz-/Ecke Tannenstraße der Sanierung  zum Opfer gefallen. Die drei übereinander gestaffelten Webermotive von 1953/54 »Zwei Weber mit Kettbaum«, »Spulradjunge« und »Handweber« liefen Gefahr, für immer unter einer dicken Dämmschicht zu verschwinden. Doch dank des Denkmalwertes der Arbeit und dem Verständnis der Wohnstätte Krefeld AG als Eigentümerin des Hauses, konnte das große, seinerzeit direkt in den feuchten Putz »gekratzte« Ornament erhalten werden. Zumindest beinah. Denn tatsächlich handelt es sich bei der jetzt sichtbaren Arbeit um eine originalgetreue Übertragung des Motivs in gleicher Größe, Farbgebung und Technik auf die neue Dämmschicht. Schade eigentlich, aber andererseits auch nachvollziehbar, da die ursprüngliche Version durch Risse angegriffen war und daher kaum oder extrem kostenintensiv hätte vom Putz abgeschält werden müssen. Kleiner Trost ist, dass sie nun unter der neuen Schicht auf lange Zeit gesichert ist und somit auch erhalten bleibt. Schön ist auch, dass die 2011 entstandene Kopie am gleichen Platz wie schon das Original mit frischer Kraft nun wieder an die textile Vergangenheit Krefelds erinnert.

Peter Bertlings, Webermotive, 1953/54, Sgraffito (Kratzputzornament), Lewerentzstraße 95/Ecke Tannenstraße 99. Foto: Ralf Janowski

Nicht zufällig hat das Werk damals in der Südstadt seinen Platz gefunden, ist doch auch hier in unmittelbarer Nachbarschaft der Standort der alten Samtweberei Scheibler & Peltzer. Dabei lag es für die Bauherren nahe, Peter Bertlings, der auch für andere Bauten der Krefelder Wohnstätte Fassadenarbeiten entworfen hat, mit dem Entwurf für den südlichen Giebel des Eckhauses Lewerentz-/ Ecke Tannenstraße zu beauftragen, da der Künstler eng mit der Stadt Krefeld verwurzelt war. Seine künstlerische Qualifikation hat Bertlings nicht allein durch seine Studien an der Akademie der Künste München (1904 bis 1907) erworben, sondern insbesondere durch seine langjährige Tätigkeit als Dozent (1908 bis 1954) und seit 1922 als Professor an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Krefeld. Als »waschechter Krefelder« (NRZ vom 14. Mai 1965) fühlte sich Bertlings mit der Geschichte seiner Stadt und deren Bezug zu Textil und Stahlverarbeitung eng verbunden, sodass er diese Themen immer wieder in verschiedene (Außen) arbeiten, beispielsweise am Gebäudekomplex Wehrhahnweg/Bonifatiusstraße übertragen hat. Dabei wechselte Bertlings mitunter die Technik, indem er das Kratzputzornament durch Eisenbandreliefs ersetzte, etwa an der Gladbacher Straße 404 und 408. Überdies nutzte Bertlings die Technik des Tonbrandes für sich, die er in Form der Fassadenkeramik »Lebensschifflein« Ecke Viktoria-/Bogenstraße in gewaltige Größe übertrug.

Werkangabe:
Peter Bertlings, Webermotive, 1953/54, Sgraffito (Kratzputzornament), Lewerentzstraße 95/Ecke Tannenstraße 99

CHRISTIAN KRAUSCH