Pax Christi – Kirche und Kunst im Dialog

KIK-Pax Christi - Jetelova Werbekarte

Magdalena Jetelová – Steig, 1982/2005, Eisen, Höhe ca. 14 Meter, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, Krefeld (Außenanlage). Foto: Ralf Janowski

Wer sich in die Räume der katholischen Kirchengemeinde Pax Christi am Ostrand von Krefeld begibt, erfährt mehr, als das Innere eines Kirchenraums. Das von dem Architekten Heinz Döhmen (siehe auch H. Spierling) aus Klinker, Holz sowie Glas entworfene und im Herbst 1979 fertig gestellte Gemeindezentrum, hat die Menschen von Anfang an in einen Dialog zwischen Kirche und Kunst verwickelt, der bis heute nichts von seinem Reiz verloren hat. Angestoßen hat dieses Gespräch Pfarrer Karl-Josef Maßen, indem er nicht nur das Haus für die moderne und zeitgenössische Kunst mit Arbeiten u.a. von Ewald Mataré, Joseph Beuys, Günther Uecker, Ulrich Rückriem, Norbert Prangenberg, Felix Droese, Klaus Rinke, Chihiro Shimotani, Klaus Staeck, Niels Dietrich und Dorothee von Windheim öffnete, sondern zugleich Kunst und Künstler regelmäßig im Rahmen des »Kulturschoppens« mit seiner Gemeinde in Verbindung brachte. Folge davon ist bis heute ein reger kulturell-religiöser Austausch, der über die Kunst hinaus zu einer »Rezeptionshaltung der Besinnlichkeit, gar Besinnung und inneren Ruhe« führt. (J. Cladders: »Im Dialog«, S. 5)

Da das Platzangebot in Pax Christi begrenzt ist, hat sich der Dialog zwischen Kirche und Kunst im Laufe der Jahre vom liturgischen Innenraum in das parkähnliche Umfeld ausgeweitet. Dort finden sich, losgelöst von den Gottesdiensten jederzeit und öffentlich zugänglich, weitere Werke, die dazu »befähigen, neu zu sehen und überkommene Vorstellungen sowie Überzeugungen auf die heutige Zeit hin zu überprüfen und neu zu definieren«. (Maßen, Zeitgenössische Kunst, S. 264) Markant ist in diesem Sinne insbesondere jener rund 14 Meter in die Höhe ragender »Steig« aus Eisen (ausgeführt 2005) von Magdalena Jetelová, der im Umfeld der Kirche an eine zu Gott führende »Himmelsleiter« erinnern mag. Tatsächlich aber ist das Werk der tschechischen Bildhauerin bereits seit den 80er Jahren eine subversiv ironische Reaktion auf die seinerzeit in Prag herrschende Vorliebe für monumentale, pathetische Kunst, indem sie banale Gegenstände des Alltags ins gleichermaßen Monumentale überführte.

Andere Werke, wie der »Fisch« aus Anröchter Dolomit sowie die »Verlorene Form« (Madonna) aus gebranntem Ton von Thomas Virnich, spielen mit der Fantasie, indem sie absichtlich den christlichen Symbolen ihre Eindeutigkeit nehmen und Platz für neue Sichtweisen erlauben. Vergleichbar lassen auch Klaus Simons siebenteilige Arbeit »Überdunkelt« aus Eichenholz mit ihren runengleichen Zeichen, sowie seine steinerne, nicht weniger archaisch anmutende Arbeit »gegenüber«, deren Passform das Motiv eines Kreuzes erahnen lässt, an diesem Ort in unmittelbarer Nähe zur Kirche Gedanken an kultische und christliche Grabstätten miteinander verschmelzen.

Klaus Simon – Überdunkelt, 1988, Eichenholz (7 Elemente), verschiedene Maße 38/53 x 47/82 x 64/264 cm, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage)

Klaus Simon – Überdunkelt, 1988, Eichenholz (7 Elemente), verschiedene Maße 38/53 x 47/82 x 64/264 cm, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage). Foto. Ralf Janowski

Das Spiel der Möglichkeiten und die damit verbundene Öffnung der Wahrnehmung erlauben überdies die Materialkombinationen in den Arbeiten »o.T.« (Triptychon) sowie »o.T.« (Heiligenhäuschen) aus Metall und Stein von Enrique Asensi, deren ureigenen Gegensätzlichkeiten sich unter der Hand des Künstlers aufzulösen scheinen.

Pax Christi ist weder Museum noch Galerie, welche versuchen, zeitgenössische Tendenzen in der Kunst zu vermitteln. Abgesehen von einer kleinen Broschüre erlaubt kein Schild, keine Beschriftung eine unmittelbare Bestimmung und Zuordnung der Kunst nach Autorschaft und/oder Bekanntheitsgrad. Vielmehr ist Ziel des Gotteshauses, wie Maßen 1988 schreibt, »eine Öffnung kirchlicher Arbeit zur Kultur im weitesten Sinne, zu den Fragen des gesellschaftlichen Lebens und der Welt von heute.« Und wer ein wenig Ruhe mitbringt, findet allein schon im Park der Kirche manchen in Kunst formulierten Hinweis, wie das Leben funktionieren kann und, vielleicht auch, wo seine Grenzen sind.

Werkangabe:
Magdalena Jetelová – Steig, 1982/2005, Eisen, Höhe ca. 14 Meter, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage)
Klaus Simon – Überdunkelt, 1988, Eichenholz (7 Elemente), verschiedene Maße 38/53 x 47/82 x 64/264 cm, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage)
Thomas Virnich – Fisch, 1997, Anröchter Dolomit, ca. 84 x 274 cm, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage)

CHRISTIAN KRAUSCH

Literatur:
Karl Josef Maßen: »Zeitgenössische Kunst in Pax Christi«. In: »Katholisches Krefeld 2«, Krefeld 1988, S. 253-266
»Im Dialog – Zeitgenössische Kunst in Pax Christi Krefeld«. Hsg. Pax-Christi-Gemeinde Krefeld, Krefeld 2004
Hans Dieter Peschken: »Verkündigung und Kunst an Pax Christi«. In: »die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band 84/2013, S. 86ff

Thomas Virnich – Fisch, 1997, Anröchter Dolomit, ca. 84 x 274 cm, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage)

Thomas Virnich – Fisch, 1997, Anröchter Dolomit, ca. 84 x 274 cm, Pax-Christi-Gemeindezentrum, Glockenspitz 265, 47809 Krefeld (Außenanlage). Foto: Ralf janowski