Markus Oehlen – Das Pferd, 1994

Markus Oehlen – Das Pferd, 1994. Bronze, Kaiserplatz 50, ca. 200 x 180 x 100 cm. Foto: Ralf Janowski

Markus Oehlen – Das Pferd, 1994. Bronze, Kaiserplatz 50, ca. 200 x 180 x 100 cm. Foto: Ralf Janowski

»Geboren« wurde das Pferd aus Styropor, einer Kettensäge und Kordel. Wie Markus Oehlen (geb. 1956 in Krefeld) erzählt, hat ihm in Hamburg ein Stuckateur den Korpus noch mit der Motorsäge geschnitten, wohingegen er später dann seine Objekte selbst mit dem Brotmesser geformt hat. Mitte der 80er Jahre ist das gewesen, wenige Jahre bevor Oehlen anfing, Baumwollkordeln zu färben und in oder auf seine Bilder und Objekte zu übertragen. Das Pferd indessen war noch farbneutral, was aber seiner Prominenz keinen Abbruch geleistet hat. Denn neben der Präsentation in zahlreichen Ausstellungen (u.a. noch 2010 in der Kunsthalle Gießen) wurde der eigenwillige Körper mitsamt Ledersattel sogar in Bronze gegossen, um dann, rund 10 Jahre später, dauerhaft auf einem kleinen Grasstück am Kaiserplatz in Krefeld eine Weide zu erhalten. »Gehobbelt« werden muss das Pferd dabei nicht, wie auch auf eine Umzäunung verzichtet werden kann. Denn selbst, wenn es »Beine« besäße, so bliebe es schwierig, ohne Kopf eine Richtung zu finden. So verharrt das Pferd seit Jahren unbewegt und geduldig an seinem Platz, wobei es, nicht zuletzt aufgrund seiner niedrigen Rückenhöhe, zum spielerischen Umgang verleitet.

Überhaupt ist das Spielerische ein grundlegendes Merkmal der Kunst von Markus Oehlen, dessen, aus zahlreichen Motivüberlagerungen konstruierten Bilder als Reaktion auf die Kopflastigkeit der vorherigen Konzeptkunst entstanden sind. In der Regel erinnern dabei die meist großformatigen, aus eigenen Motiven entwickelten Arbeiten, an rätselhafte und absurde Geschichten, deren Inhalte sich kaum entschlüsseln lassen.

Wiederkehrendes Thema sind dabei grafische Elemente, wie sie auch in der Oberfläche des Pferdes zu sehen und zu fühlen sind. Hier zeigt sich die Herkunft Oehlens, der erst in Krefeld eine Ausbildung zum Musterzeichner gemacht hat, bevor er 1976 an die Kunstakademie Düsseldorf wechselt. Bis heute geht es Markus Oehlen weniger darum, mit seiner Kunst klare Antworten zu geben. Vielmehr verbreiten seine Arbeiten eine intuitive Stimmung, die nicht selten ironisch gemeint ist. Seine »hippieartigen Strickpullover-Motive« aus gefärbten Kordeln der 80er Jahre unterwandern so beispielsweise das Thema der klassischen Malerei, indem sie nichts abbilden oder nachahmen wollen. Und auch das Pferd am Kaiserplatz, wie es da so steht, kopflos, hilflos und das Hinterteil dem Betrachter zugewandt, erscheint eher als ein ironischer Kommentar. Wer oder was hier kommentiert wird, bleibt letztlich offen. Assoziationen zur (lokalen) Politik oder generell zur Gesellschaft sind rein spekulativer Natur.

Werkangabe:
Markus Oehlen – Das Pferd, 1994. Bronze, Kaiserplatz 50, ca. 200 x 180 x

CHRISTIAN KRAUSCH

Markus Oehlen, Das Pferd, 1994, Bronze, Kaiserplatz 50. Detail-Foto: Krausch

Markus Oehlen, Das Pferd, 1994, Bronze, Kaiserplatz 50. Detail-Foto: Krausch