Ingo Ronkholz – Ohne Titel, 1987

Ingo Ronkholz – Ohne Titel, 1987, Stahlplatten, geschweißt, vier Hohlkörper, unterschiedliche Formate. Foto: Ralf Janowski

Ingo Ronkholz – Ohne Titel, 1987, Stahlplatten, geschweißt, vier Hohlkörper, unterschiedliche Formate. Foto: Ralf Janowski

Irgendwie fühlt man sich vom Rand aus angezogen von diesen vier unterschiedlich großen Gebilden aus geschweißten Stahlplatten inmitten der großen Wiese des Konrad-Adenauer-Platzes. Die 1987 im Rahmen des Symposions »steel sculpture« geplante räumliche Plastik »Ohne Titel« wurde von der Krefelder Firma Kleinewefers gefertigt und dann 1990, nach verschiedenen Präsentationen an anderen Stellen, der Stadt als Geschenk für ihren heutigen Standort übergeben. Was aber mag das sein, was da in einem großen Karree vor dem Stadthaus ausgebreitet ist und durch seine Öffnungen so neugierig macht? Kein Hinweisschild, nichts gibt Auskunft über das Ensemble, das wie zufällig dort liegt. Ein Objekt, das kleinste, scheint dabei vollständig geschlossen zu sein, was sich aber nur vermuten lässt. Denn die jeweiligen Rückansichten entziehen sich den Blicken, sofern man an seinem Standpunkt verharrt. Also hin, auf die Wiese, was nicht nur erlaubt sondern geradezu notwendig ist, und näher dran an die Skulpturengruppe. Beim Umschreiten zeigt sich, dass tatsächlich drei der vier Metallkörper auf ihrer dem Platzrand hingewandten Seite geöffnet sind. Deutlich gibt sich auch aus der Nähe eine Art Staffelung der in sich getreppten Objekte zu erkennen. Vom geschlossenen ausgehend, ist jedes folgende Element um eine Stufung angereichert, woraus die sich steigernden Größenverhältnisse von 90 cm Höhe bis max. 140 cm resultieren.

Aufbau der Plastik am 11. September 1990. V.l.n.r.: Kulturamtsleiter Helmut Kauert, Kulturdezernent Roland Schneider, Ingo Ronkholz. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest., Obj.-Nr. 37026

Aufbau der Plastik am 11. September 1990. V.l.n.r.: Kulturamtsleiter Helmut Kauert, Kulturdezernent Roland Schneider, Ingo Ronkholz. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest., Obj.-Nr. 37026

Inmitten der Objekte stehend, wandern die Blicke unweigerlich immer wieder von der Hülle in den Kern und damit zum Wesentlichen in der Kunst von Ingo Ronkholz (geb. 1953 in Krefeld). Es ist nicht die äußere Erscheinung eines Werkes, die den Künstler interessiert. Seine Arbeiten spielen vielmehr als »Denkstücke für den Kopf« (Sepp Hiekisch-Picard, stellvertretender Direktor Museum Bochum) mit dem Wechselspiel zum Betrachter, der unweigerlich in einen Dialog treten muss. Absichtlich fehlt daher auch jede Form der Beschilderung, die die Wahrnehmung beeinflussen würde. Schnell wollen sich Vergleiche zu scheinbar Vertrautem einstellen, die sich aber letztlich nie bestätigen lassen. (Gleiches gilt auch für die Arbeit von Ronkholz »Two Spheres, Two« von 1994 vor der Sparkasse in Hüls) Die Arbeit »Ohne Titel« vor dem Stadthaus lässt diese Denk und Arbeitsweise von Ingo Ronkholz bis heute gut erleben. Voraussetzung allerdings ist, dem eigenen Impuls beim Anblick der Werke aus der Ferne zu folgen, um sich auf den Weg zu machen. Ein Standortwechsel in diesem Sinne hat noch niemandem geschadet.

Werkangabe:
Ingo Ronkholz – Ohne Titel, 1987, Stahlplatten, geschweißt, vier Hohlkörper, unterschiedliche Formate. Konrad-Adenauer-Platz, Krefeld

CHRISTIAN KRAUSCH

 

Literatur:

Ingo Ronkholz. Der tatsächliche Raum – Zeichnung und Skulptur. Publikation zur gleichnamigen Ausstellung in der Städtischen Galerie im Park, Viersen (2013), Städtische Galerie Iserlohn (2014). Modo Verlag GmbH, Freiburg i. Br., 2014