Hans Joachim Albrecht – Hauptmotiv Bewegung

Hans Joachim Albrecht, Bewegliche figürliche Doppelform, 1969/70 Edelstahl Höhe 325 cm, Breite variabel Vor dem Parkhotel „Krefelder Hof“ Uerdinger Straße 245. Foto. Ralf Janowski

Hans Joachim Albrecht – Bewegliche figürliche Doppelform, 1969/70, Edelstahl, Höhe 325 cm, Breite variabel. Vor dem Parkhotel »Krefelder Hof«, Uerdinger Straße 245, Krefeld. Foto: Ralf Janowski

Mobilität spielt im Werk von Hans Joachim Albrecht eine große Rolle. In der Regel geht diese vom Betrachter aus, der die komplexen Körperformen der Stehenden, Gehenden oder Hockenden aus Metall, Holz und Stein umschreiten muss, will er das Spiel aus Andeutungen in seiner Gesamtheit erfassen.

Bereits Ende der 60er Jahre aber erweitert Albrecht das Spektrum seiner Arbeiten um das Element der Dopplung sowie zusätzlich um den Aspekt der Kinetik. Die »Bewegliche figürliche Doppelform« aus dem Jahr 1969/70 vor dem Krefelder Hof ist die erste Arbeit dieser Art, gleich gefolgt von der (nicht beweglichen) »Figürlichen Doppelform« im Sollbrüggenpark. Beide Werke aus jeweils zwei aufeinander verweisenden Stelen, erinnern durch »figürliche Zitate« (Gottlieb Leinz) an den aufrecht stehenden Menschen, ohne ihn dabei tatsächlich zu zeigen. Dabei ergeben sich insbesondere durch die langsame und gegenläufige Drehung der kinetischen Arbeit immer neue Zusammenhänge zwischen den einzelnen Elementen, die verschiedene bildhauerische Themen wie Fläche, Raum oder Licht und Schatten erkennen lassen. Die Konstellationen variieren dabei vom »geschlossenen Eindruck bei deutlich geformtem Innen- oder Zwischenraum«, über die »starke Parallelität bei ausgeprägter horizontaler Gliederung« und der »schroffen graden Zwischenform bei kurviger Öffnung nach Außen zum Luftraum« bis zum »Gegenspiel von vordrängender und einziehender Seite«. (Albrecht, in: Leinz, Gottlieb S. 20) Darüber hinaus korrespondiert die über drei Meter hohe Arbeit am Krefelder Hof auch mit der durch die Architektur und den Baumbestand gegliederten Umgebung. Horizontale und vertikale Linien des Umfeldes werden durch das schlanke Werk aufgegriffen und zugleich gebrochen, ohne vom eigentlichen Thema, dem Menschen in Bewegung, abzulenken.

Denn grade die Dynamik der »Beweglichen figürlichen Doppelform« verhilft dem »Hauptmotiv Bewegung« in Albrechts Kunst zu großer Intensität, zumal dann, wenn sich in den drehenden polierten Flächen das Licht und die Umgebung spiegeln. Voraussetzung ist allerdings, dass Oberflächen und Technik in einwandfreiem Zustand sind, was immer wieder zu überprüfen ist.

Werkangabe:
Hans Joachim Albrecht – Bewegliche figürliche Doppelform, 1969/70, Edelstahl, Höhe 325 cm, Breite variabel. Vor dem Parkhotel »Krefelder Hof«, Uerdinger Straße 245

CHRISTIAN KRAUSCH

 

Literatur:
Leinz, Gottlieb: Hans Joachim Albrecht. Recklinghausen 1988
Hans Joachim Albrecht – Skulpturen, Collagen, Druckgraphik und Zeichnungen 1965 bis 1993. Katalog Museum Ostdeutsche Galerie, Regensburg 1994
Hans Joachim Albrecht – Skulptur und Zeichnung 1986 bis 2000, Krefeld 2001
Hans Joachim Albrecht – Entwürfe für öffentliche Räume, Kunst bei Cargill – 16. Ausstellung. Katalog Cargill Deutschland GmbH Krefeld, Krefeld 2008