Adolf Luther

Von drehenden Glaslinsen und anderen Hohlspiegeln

Adolf Luther – Integration, Stehlinsen 1985/1990, Plexilglas, Edelstahl Ostwall, Höhe Hausnummer 125 Maße: Höhe 240 cm. Durchmesser der Linsen 85 cm. Foto: Rolf Janowski. Courtesy Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld.

Adolf Luther – Integration, Stehlinsen 1985/1990, Plexilglas, Edelstahl Ostwall, Höhe Hausnummer 125 Maße: Höhe 240 cm. Durchmesser der Linsen 85 cm. Foto: Rolf Janowski. Courtesy Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld.

Schöner kann der Blick auf den Ostwall kaum ausfallen. In den 16 großen, auf Edelstahlpfosten beweglich montierten Acrylglaslinsen von Adolf Luther (1912 – 1990) spiegelt sich das direkte Umfeld des Ortes in seiner ganzen Pracht, wobei sich – mit ein wenig Glück – der eine oder andere urbane »Störfaktor« grade kopfstehend und dadurch verfremdet zeigt. Grund dafür ist das Prinzip der an sich transparenten, dabei aber zugleich auch reflektierenden, sprich spiegelnden gewölbten Glaskonstruktionen, die, je nach Drehung und Blickwinkel, ihre Ansicht verändern. Da lohnt es sich unbedingt, den durch den Wind in Bewegung versetzten Linsen mehrere Blicke zu schenken, da die 16fachen und variierenden Ansichten des Ortes ein abwechslungsreiches (und größtenteils schönes) Gesamtbild ergeben. Nicht zufällig ist das Werk ein Geschenk des »Verschönerungsvereins Ostwall e.V.«, gesponsert von den Edelstahlwerken Krefeld anlässlich ihres 100jährigen Bestehens im Jahr 1990. 2014 kam dann die ursprünglich schon zum Konzept gehörende Bepflanzung mit weißen Rosen dazu, die den Gesamteindruck der Installation abermals aufwertet. Dabei lebt das Werk nicht allein von seiner eigenen Dynamik, sondern überdies durch die der Betrachter, die zum »Mitspieler« von Luthers Kunst werden. Ihnen obliegt es, die optischen Eindrücke durch den eigenen Standortwechsel mitzubestimmen, wie Magdalena Broska von der bereits 1989 ins Leben gerufenen Adolf Luther-Stiftung Krefeld weiß. Ihr, der Stiftung, sowie dem Einsatz ihrer Vorsitzenden, Dr. Magdalena Broska, ist auch die permanente Pflege des künstlerischen Nachlasses von Adolf Luther, somit auch der im Volksmund Linsenallee genannten »Integration« auf dem Ostwall, zu verdanken.

Adolf Luther, Sphärische Hohlspiegelwand, 1973, 3 x 19 m, SSK-Krefeld-Hansastraße. Foto: Matthias Stutte, Krefeld. Courtesy Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld und Sparkasse Krefeld, Hansastraße

Adolf Luther, Sphärische Hohlspiegelwand, 1973, 3 x 19 m, SSK-Krefeld-Hansastraße. Foto: Matthias Stutte, Krefeld. Courtesy Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld und Sparkasse Krefeld, Hansastraße

1912 in Uerdingen geboren promovierte Adolf Luther bereits mit 31 Jahren zum Juristen, gab aber 1957 seinen Beruf als Richter zugunsten der Kunst auf, der er sich bis zu seinem Tod 1990 in Krefeld widmete. Die Linsenallee basiert auf einer Idee des Künstlers aus der Mitte der 80er Jahre, in der auch die Stadtwerke Krefeld eine 50teilige Hohlspiegelarbeit für die Außenfassade ihrer Zentrale an der St.-Töniser-Straße bei Luther in Auftrag gegeben hat. Das im Lauf der Jahre dann leider beschädigte Werk wechselte später durch eine Schenkung in den Besitz der Luther-Stiftung, wo es aufwändig restauriert und 2013 nach Frankfurt an das Städelsche Museum verkauft wurde. Dort zeigen sich die 50 Hohlspiegel nun in neuem Glanz an der Außenfassade des vom Frankfurter Architekturbüro schneider+schumacher geplanten spektakulären Erweiterungsbaus, und erinnern an diesen besonderen Künstler aus Krefeld, der heute zu den radikalsten Vertretern der Lichtkunst der 60er und 70er Jahre zählt.

Vielleicht ist es traurig, dass Krefeld eines von zweien hochwertigen Lichtobjekten im Außenraum abgegeben hat, da weitere wichtige Werke des Künstlers allein »innerhäusig«, etwa als »Sphärische Hohlspiegelwand« von 1973 in der Sparkasse Krefeld, Hansastraße, oder in der VHS zu sehen sind. Letztlich aber stellt der Transfer von Adolf Luthers 50 Hohlspiegeln zum prominenten Städel in Frankfurt eine gegenseitige Bereicherung dar, von der beide nur profitieren.

CHRISTIAN KRAUSCH

Infos zu den Luther-Linsen am Ostwall auf dem Portal NRW-Skulptur.

Adolf Luther – Integration, Stehlinsen 1985/1990, Plexilglas, Edelstahl Ostwall, Höhe Hausnummer 125 Maße: Höhe 240 cm. Durchmesser der Linsen 85 cm. Foto: Rolf Janowski. Courtesy Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld

Adolf Luther – Integration, Stehlinsen 1985/1990, Plexilglas, Edelstahl Ostwall, Höhe Hausnummer 125 Maße: Höhe 240 cm. Durchmesser der Linsen 85 cm. Foto: Rolf Janowski. Courtesy Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld