Hör-Überraschungen

Pax Christi – TAM – Gesprächskonzerte

Altarraum der Pax-Christi-Gemeinde Krefeld. Foto: Ralf Janowski

Altarraum der Pax-Christi-Gemeinde Krefeld. Foto: Ralf Janowski

Neue Klänge, Aufführungen von Werken zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten haben im Kulturleben der Stadt einen wesentlichen Platz. In der Kirche Pax Christi am Glockenspitz finden regelmäßig Konzerte statt, die die Idee der Verknüpfung von zeitgenössischer Musik und Kunst realisieren.

Pfarrer Karl Joseph Maßen brachte die verschiedenen Komponistinnen und Komponisten wie Interpreten in den modernen Kirchenraum, der durch seine besondere Atmosphäre und die ausgestellten bedeutenden Kunstwerke (u.a. von Joseph Beuys, Ulrich Rückriem und Günther Uecker) für neue Klänge prädestiniert ist. Seine Lage am Schönwasserpark integriert zudem Natur und Skulptur wie selbstverständlich in den künstlerischen Raum.

Der Gedanke des »Gegensatzes« war Motto der Konzertreihe »Kontrapunkte«. Die Programme stellten zeitgenössische Klänge traditional dem Ohr Bekannte gegenüber. »Klangphantasie« oder »Motivverknüpfung« bildeten die inhaltlichen Aspekte der Konzertgestaltung.

So erklangen in 1996 Poulencs Sonate für Flöte und Klavier, dann Mozarts Sonate e-moll und Martinus Sonate für Flöte und Klavier von 1945 in der Interpretation von Michael Faust (Flöte) und Brigitte Wollenweber (Klavier) und öffneten so unmittelbar zeitlich unterschiedliche Klangwelten. Ebenso wurde die Konzeption der gegensätzlichen Klangwelten durch die Stücke »Syrinx« für Flöte-solo, jener sehnsüchtigen Klage des Pan um die verschwundene Nymphe, von Claude Debussy und »Mei« von Kazuko Fukushima (* 1930) in der Erweiterung kulturell verschiedener Traditionen hörbar.

Die »Tage Neuer Musik 2013« bildeten einen weiteren Höhepunkt. Inzwischen liegt die Planung und Durchführung der musikalischen Veranstaltungen in den Händen von Kantor Christoph Scholz. Pax Christi ist immer wieder ein Ort der Auseinandersetzung mit dem Zeitgenössischen und seinen Kontrastierungen.

    TAM – Theater am Marienplatz, Krefeld. Foto: Ralf Janowski

TAM – Theater am Marienplatz, Krefeld. Foto: Ralf Janowski

Die Konfrontation des Publikums mit den Abgründen und Hoffnungen der eigenen Existenz im Hier und Jetzt und seinen Bedrohungen steht im Mittelpunkt des Experimentellen Musiktheaters des TAM, des »Theaters am Marienplatz«, das, gegründet und geleitet von Pit Therre, sich aus dem »Theater an der Kölner Straße 567« entwickelte.

Die Geburt des TAM war der 1. Oktober 1976 mit der Aufführung »Herbstmusik« von Karlheinz Stockhausen, einem der international berühmtesten Komponisten des 20. Jahrhunderts.

Von September 1992 bis Mai 1993 spielte das TAM das Musikepos »Der mündliche Verrat« von Mauricio Kagel, der die zeitgenössische Verfremdung und Ironisierung des Musiktheaters zum Thema machte und damit das »Experimentelle Musiktheater« kreierte. Komponisten im TAM waren Dieter Schnebel, Gerhard Rühm, und die Krefelderin Carola Bauckholt.

Zurzeit wechseln sich unter dem Titel »Szenisches Hörspiel« unterschiedliche Stücke u.a. von Mauricio Kagel, Peter Weiss, Urs Peter Schneider, Ernst Jandl und Franz Mon sprachklanglastige und musikbezogene Stücke einander ab. Einladungen zu Gastspielen zu vielen Orten, z.B. Amsterdam, Wien, Zürich, Paris, Venedig, wie auch Bogota in Kolumbien, wo die Künstler die »Umkehrung Amerikas« von Mauricio Kagel aufführten, zeigen die Bedeutung des TAM für experimentelles Musiktheater über die Region hinaus.

Unter dem Titel »Gesprächs-Konzerte« fanden 1999 und 2000 Begegnungen zeitgenössischer Komponistinnen und Komponisten der Region mit dem interessierten Publikum im Foyer der VHS statt. Initiatorin war die Krefelderin Prof. Dr. Ute Büchter-Römer, die die Komponistinnen und Komponisten einlud und als Moderatorin das Publikum zu Fragen an die Ausführenden animierte. Gefördert wurde die Reihe durch die Sparkassenstiftung und den Deutschen Musikrat. Zu Gast waren Maria de Alvear (Köln), Thomas Blomenkamp (Osterrath), Carola Bauckholt (Krefeld), Ulrich Wagner (Krefeld) Raimund Jülich (Düsseldorf) und zuletzt Adriana Hölszky, die zurzeit eine Professur für Komposition in Salzburg innehat. Die Gesprächs-Konzerte fanden über die Region hinaus Beachtung.

UTE BÜCHTER-RÖMER