Literarisches Leben in Krefeld (2)

Das literarische Leben heute

Regelmäßige Literaturveranstaltungen bieten heute noch »Der andere Buchladen«, die Mediothek und zuweilen auch die Volkshochschule an. Im Niederrheinischen Literaturhaus stechen vor allem die Reihen »1 Gedicht…und mehr«, in der Henning Heske zeitgenössische LyrikerInnen vorstellt, und »Was macht eigentlich…«, zu der frühere Träger des Niederrheinischen Literaturpreises eingeladen werden, hervor.

Besonders bewegt zeigt sich die Szene seit einigen Jahren vor allem in den Sparten Poetry Slam und Kriminalliteratur:

Poetry Slams finden vor allem seit 2008 im Lokal »Jules Papp« statt. Moderator ist dort der Krefelder Slammer Johannes Floehr, der zudem auch den monatlichen Schreibwerkstatt-Stammtisch »SchreibTisch« (siehe facebook-Profil) organisiert, der sich an junge AutorInnen richtet. Jüngste Erfolge der Szene: Der Krefelder Sulaiman Masomi (siehe facebook-Profil) gewann 2013 die NRW-Landesmeisterschaften im Poetry Slam. Johannes Floehr erreichte bei der Landesmeisterschaft 2014 den 4. Platz.

Plakat zur Criminale 2011© Kulturbüro Mönchengladbach

Plakat zur Criminale 2011© Kulturbüro Mönchengladbach

Einen starken Aufschwung erfuhr analog zum bundesweiten Trend auch die Krefelder Krimiszene. Seit 2001 organisiert die Autorin Ina Coelen jährlich im Herbst die »Krefelder Krimi-Tage«. Zusammen mit Werner Coelen betrieb sie zudem seit 2002 den Leporello-Verlag, der im wesentlichen Regionalkrimis herausgab und nach dem Tod Werner Coelens 2013 seine Geschäfte einstellte. Zu den Krefelder Autorinnen, die hier ihre ersten Kriminalromane publizierten, zählten Ingrid Schmitz, die in Berlin lebende Susanne Kliem sowie Ulrike Renk, die sich bald auch überregional einen Namen als Autorin u. a. historischer Romane machte. Die reichhaltige Krimiszene mit Krefelder Wurzeln wird des Weiteren ergänzt von der in Merching lebenden Autorin und Herausgeberin Angela Esser, dem in Köln lebenden Autor Edgar Franzmann, dem bei München lebenden Lyriker und Krimiautoren Frank Schmitter sowie von Thomas Hoeps, der seit 2007 zusammen mit dem Arnheimer Jac. Toes als erstes deutsch-niederländische Autorenteam in beiden Ländern publiziert. Ein veranstalterischer Höhepunkt in diesem Genre war die Beteiligung Krefelds in Kooperation mit Mönchengladbach und Viersen als hauptveranstaltende Städte der 25. Ausgabe des größten Festivals deutschsprachiger Kriminalliteratur »Die Criminale«, die 2011 am Mittleren Niederrhein ausgerichtet wurde.

Bekanntester Vertreter des Fantasy-Genre in Krefeld schließlich ist der erfolgreiche Autor Bernhard Hennen.

Auffallend ist, dass mit Ausnahme der AutorInnen der Slam-Szene alle genannten AutorInnen in den 1950er und 1960er Jahren geboren wurden. Offen sind die Fragen, ob es tatsächlich keine jüngere AutorInnen jenseits der Slam-Formate gibt, ob es sie zwar gibt, sie aber nicht durch Lesungen und Publikationen nach außen treten, oder ob sie es tun, nur hier nicht öffentlich wahrgenommen werden. Klar ist nur, die junge Szene wird in Krefeld dringender denn je benötigt. Dazu braucht es eine stärkere Beachtung der Slam-Szene, weitere neue Veranstaltungsformate und ganz wesentlich die Einrichtung und Förderung von Workshopprojekten und Publikationsforen.

Zu guter Letzt: Obenstehender Text ist als ein erster Aufschlag zum Thema geschrieben, mit allen Vor- und Nachteilen verfasst aus der Sicht eines Beteiligten und verbunden mit dem Aufruf, weitere Perspektiven, Erfahrungen und Wahrnehmungen hinzuzufügen.

THOMAS HOEPS