Epilog und Erinnerung

In den zwölf Jahren des Tausendjährigen Reichs galt Otto Brües (1. Mai 1897 in Krefeld; † 1. April 1967 ebenda) als der bekannteste Krefelder Autor. Er verfasste über 100 Romane und Dramen, Novellen, Essays und Gedichte. Außerdem arbeitete er für das Feuilleton der katholischen Kölner Zeitung, das er ab 1934 leitete, die Düsseldorfer Zeitung und die Rheinischen Blätter der NSDAP. 1933 schwor der katholische Schriftsteller mit 88 anderen seiner Zunft Hitler Treue, 1937 trat er in die NSDAP ein, und genoss die Gunst der braunen Machthaber, die es an lobenden Rezensionen seiner Veröffentlichungen nicht fehlen ließen, obwohl, wie es heißt, er kein eingefleischter Nationalsozialist gewesen sei. Hans Johst, der Präsident der Reichtsschrifttumskammer war ihm gewogen, und 1942 überreichte Landeshauptmann Haake dem Krefelder den Rheinischen Literaturpreis. Wie viele seiner Zunft zur Zeit der NS-Diktatur protestierte Brües weder gegen die öffentlichen Bücherverbrennungen, noch zeigte er mit dem Finger auf die NS-Proklamation »Entartete Kunst«und blieb dafür wohl unbehelligt. Da nationalsozialistische Kulturpolitik, etwa in ihren verschiedenen Tätigkeitsbereichen vom Reichspropagandaministerium bis in die lokalen NS-Kulturgemeinden, keine eindeutig formulierte Position in Sachen Kunst vertrat, und Verantwortliche in NSDAP und Behörden auch voneinander abweichende Linien vertraten, bildete sich für (arische) Kulturschaffende eine Grauzone des weitgehend ungetrübten Broterwerbs. »Ästhetischer Eskapismus« in historische, unpolitische Themenkreise stand auf dem Schild dieses Hintertürchens.

Johannes Cladders, der gebürtige Krefelder Kunstexperte und langjährige Leiter des Museums Abteiberg Mönchengladbach verfasste seine Dissertation über den Schriftsteller unter dem Titel »Otto Brües. Eine Untersuchung zur Dichtungs- und Geistesgeschichte der Rheinlande«, Univ. Diss., Bonn 1955.

IRMGARD BERNRIEDER

Weitere Infos:
Theodor Pelster über Otto Brües im Portal »Rheinische Geschichte« des LVR.
Otto Brües im Krefelder Stadtportal.