Der Grüngürtel

Parkanlagen durchziehen die gesamte Stadt

Im Schönwasserpark. Foto: Ralf Janowski

Im Schönwasserpark 2014. Foto: Ralf Janowski

Oberbürgermeister Dr. Johannes Johansen (1870 bis 1945) entwickelte einen Plan, die bereits bestehenden Grünanlagen so auszubauen, dass man Krefeld durchqueren könne, ohne diese zu verlassen. Dies basiert auf der Idee, den Altrhein-Seitenarm, der sich durch Krefeld schlängelt, mit den anderen Grünanlagen zu verbinden und so ein innerstädtisches Netz von Naherholungsgebieten zu schaffen. Dieser Grüngürtel ist in verschiedene Segmente aufgeteilt und wurde zu großen Teilen in den 1920er Jahre als Notstandsmaßnahme zur Beschäftigung von Erwerbslosen geschaffen.

Nach Arbeiten im Südpark am Edelstahlwerk und am Grotenburgpark wurde 1926 bis 1928 entlang eines ungepflegten Bachlaufes die Anlage von Haus Schönwasser entlang der nach dem OB Johansen benannten »Johansenaue« geschaffen, durch die man bis nach Linn und zum Freibad Römersee gelangen konnte. Dabei wurde der Bach zu einer Kette von Seen ausgebaut. Ein heute überbautes Verbindungsstück entlang der Straße »Zum Heimgarten« bildete einen Anschluss an die bereits bestehenden Anlagen entlang der Altrheinrinne. Eine zweite Verbindung bildeten Blumenbeete, die vom Schönwasserpark zum Grotenburgpark, dem heutigen Zoo führten.

Im Schönhausenpark, 2014. Foto: Ralf Janowski

Im Schönhausenpark, 2014. Foto: Ralf Janowski

Die Altrheinrinne ist ein Glücksfall für Krefeld,denn in ihr liegen einige der schönsten Parkanlagen Krefelds, die von dem renommierten Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe (1775 bis 1846) geschaffen wurden. Die Gärten bei den Herrenhäusern Haus Schönwasser und Haus Solbrüggen, in dem sich heute die Musikschule der Stadt Krefeld befindet, wurden neben anderen von diesem bedeutenden Gartenarchitekten im Stile der englischen Gartenarchitektur geschaffen. Ein charakteristisches Merkmal für Weyhes Anlagen ist ein Lindenhügel, von dem aus sich eine besondere Blickachse auf die Anlage bietet. Nach Westen führen zwei Wege zum Stadtwald. Ein kurzer über den Kaiserpark der mit Alleen in diese Planung eingebunden ist und ein etwas längerer, der die Altrheinrinne entlang führt und nach einer Umrundung des Stadtwaldes weiter zu den Niepkuhlen mit den angrenzenden Gebieten Hülser Berg und Henoumontwald reicht, ehe er das Stadtgebiet Krefelds verlässt. Der Henoumontwald auf der nördlichen Seite der Niepkuhlen trägt seinen Namen nach einem Vorbesitzer, der unter anderem 1812 diese Waldparzelle zusammen mit dem Kauf von Haus Traar erwarb.

Nach Osten zieht sich die Altrhein-Rinne über Haus Neuenhausen in Bockum, dessen Park heute durch die Autobahn zweigeteilt ist. Hier wurde durch die Anlage von Kleingartenanlagen der Anschluß nach Uerdingen und letztlich auch zum Rhein geschaffen. Die unschöne Unterbrechung des Grünzuges durch die Autobahn, wurde 2002 durch die EUROGA 2002 plus durch Anpflanzung von Säuleneichen und bessere Beleuchtung des Durchgang unter der Brücke verbessert. Im Rahmen dieser großräumig angelegten Gartenschau wurden auch die historischen Parkanlagen in den ursprünglichen Zustand versetzt, was mit umfangreichen Baumfällungen verbunden war, die eine Bürgerinitiative auf den Plan rief. Denkmalpflegerisch waren diese Arbeiten aber notwendig, um durch Wildwuchs verschwundene Blickbeziehungen wieder herzustellen.

ELISABETH KREMERS


Quelle:
Elisabeth Kremers: Vom Boulevard zu Biotop Geschichte der Grünanlagen in Krefeld, Krefeld 2002. Dort findet man auch weiterführende Quellenangaben.

weitere Infos: Straße der GartenkunstParks und Grünanlagen in Krefeld

Haus Sollbrüggen mit Weyhe-Hügel im Vordergrund. Foto: Ralf Janowski

Haus Sollbrüggen mit Weyhe-Hügel im Vordergrund 2014. Foto: Ralf Janowski