Werkkunstschule Krefeld II

Leitbild Bauhaus

Gut eineinhalb Jahre nach Kriegsende wurde der Lehrbetrieb wieder aufgenommen. Nach wenigen Monaten der Leitung durch Prof. Stephan Hirzel übernahm der Architekt Fritz. G. Winter 1949 den Stab und strukturierte die »Meisterschule« zur ersten Werkkunstschule (WKS) Deutschlands um.

Werkkunstschule später Fachhochschule, Petersstraße 128, 1971, Architekten: Prof.F.G.Winter, Hein Stappmann. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest.,Obj.-Nr.9209/10

Werkkunstschule später Fachhochschule, Petersstraße 128, 1971, Architekten: Prof.F.G.Winter, Hein Stappmann. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest.,Obj.-Nr.9209/10

In den ersten Mangeljahren ging die »gute Form« nicht unter, sondern fand – gerade auch in der vormaligen Samt- und Seidenstadt Krefeld – gewogene Unternehmer, die den Schulterschluss mit Kunsthandwerkern und Künstlern suchten. 1951 baute Winter das WKS-Gebäude wieder auf und aus. Leitbild der WKS ist das Bauhaus, vor allem mit seinen Vorkursen. Fritz G. Winter zieht in dieses Fundament für alle Studien-Fächer die Musik und Rhythmik ein. Er muss seine Reformen mühsam erkämpfen. Dieser Schul-Typ blieb umstritten. Dazu gab er die »Krefelder Werkhefte« heraus, in denen die Probleme dieses Schultyps diskutiert wurden. Und er gründet die Arbeitsgemeinschaft der Werkkunstschulen. Sie treffen sich jedes Jahr an einem anderen Ort – und feiern Feste. Eine Ausstellung im Kaiser Wilhelm Museum würdigte 1954 das 50jährige Bestehen der Schule. 1960 wurden der gesamte Flügel des Schulgebäudes an der Petersstraße und seine Westfassade neu errichtet.

Ein gutes Jahrzehnt ging dann noch ins Land, ehe die Hochschulpolitik in NRW 1971 zur Auflösung der überkommenen Schulform führte. In die neu gegründete Fachhochschule Niederrhein ging die WKS – ohne die Fächer Architektur und Innenarchitektur, die der Fachhochschule Düsseldorf angegliedert wurden – als »Fachbereich Design« ein.
Der Studienschwerpunkt Industrie-Design wanderte 1979 nach Essen ab, und so zogen 1976 die Schwerpunkte Textil-Design und 1978/79 Keramik und Porzellan-Design in die Räume der alten Textil-Ingenieurschule am Frankenring.

Denkmalgeschützte Nordfassade der ehemaligen Werkkunstschule, später Fachhochschule Niederrhein. 2013 wurde das Gebäude an der Petersstraße bis auf die Nordfassde abgerissen. Foto: Ralf Janowski

Denkmalgeschützte Nordfassade der ehemaligen Werkkunstschule, später Fachhochschule Niederrhein. 2013 wurde das Gebäude an der Petersstraße bis auf die Nordfassde abgerissen.
Foto: Ralf Janowski

An der seit 2001 als Hochschule Niederrhein firmierenden Fachhochschule wird heute der Studiengang Design mit den Studienschwerpunkten Kommunikationsdesign, Produktdesign und Raum-und Umgebungsdesign gelehrt. Die 111 Jahre alte Nordfassade des altehrwürdigen Schulgebäudes an der Petersstraße wird in das geplante Büro- und Geschäftshaus integriert und schlägt so eine Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

IRMGARD BERNRIEDER

Kunst und Krefeld e.V. widmete bislang folgenden Künstlern, die als Lehrer/Schüler an der Werkkunstschule und ihren Vorläufern arbeiteten, Ausstellungen: Hans-Joachim Albrecht, Wolf von Beckerath, Will Cassel, Günter Dohr, Gustav Fünders, Laurens Goossens, Peter Heeser, Johannes Itten, Elisabeth Kadow, Gerhard Kadow, Günther C. Kirchberger, Joachim Klos, Georg Muche, Klaus Peter Noever, August Pigulla, Lothar Quinte, Robert Steiger, Hubert Spierling, Helmut Seegers, Michael Schwarze, Max Peiffer Watenphul

Kurzbiographien: Kurzbiographien bei Kunst und Krefeld e.V.