Paramentenweberei

»Krefeld – Stadt wie Samt und Seide«, dieser Slogan wird heute noch werbewirksam eingesetzt. Dass Krefeld einst ein weltweit bekanntes Zentrum für Paramentenweberei war, ist weit weniger bekannt und wird heute nur noch durch das Industriedenkmal »Haus der Seidenkultur« repräsentiert.

Casel aus rotem Seidengewebe, 1. Hälfte 20.Jhr, als Hersteller kommen die Firma F.X. Dutzenberg oder die Paramentenweberei Hubert Gotzes in Frage, Pfarre Hl.Schutzengel, Oppum. Foto: Karin Thönnissen

Casel aus rotem Seidengewebe, 1. Hälfte 20.Jhr, als Hersteller kommen die Firma F.X. Dutzenberg oder die Paramentenweberei Hubert Gotzes in Frage, Pfarre Hl.Schutzengel, Oppum. Foto: Karin Thönnissen

Einst waren es etwa zwanzig Firmen, Zulieferer- und Fertigungsbetriebe, die in Krefeld auf Paramente spezialisiert waren. Unter dem Bezeichnung »Paramente« (vom lat.: »parare«, bedeutet »bereiten«) werden alle im Gottesdienst verwandten Textilien zusammengefasst. Dazu gehören die Altarwäsche wie z.B. die Altartücher, die Burse, das Corporale und das Kelchvelum und die Kleidungsstücke des Priesters. Etwa 20 – 30 Meter werden dafür benötigt, ideal für einen Handwebstuhl.

Die Umstellung von Hand- auf den mechanischen Webstuhl hatte Mitte des 19. Jahrhunderts viele Weber arbeitslos gemacht, dazu war der Bedarf an Kirchentextilien im 19. Jahrhundert sehr groß, da durch den Kirchenkampf zahlreiche Kirchen und Klöster säkularisiert wurden. Und in Lyon, der ewigen Konkurrentin, webte man bereits seit dem 18. Jahrhundert kirchliche Textilien – man zählte über 200 Webereien, die sich auf diesen Bereich spezialisiert hatten. Den letzten Anstoß bildete die Berufung Franz Bocks nach Krefeld als Kaplan an die St. Dionysius Pfarre. Bock (1823-1899), ein »rheinisches Gewächs«, geboren in Aachen und in Bonn zum Priester ausgebildet, war leidenschaftlicher Sammler und verfügte über eine umfangreiche Textilsammlung. Hier sah er den Mustervorrat, der zu einer Wiederbelebung und Erneuerung der christlichen Kunst und somit zu einer angemessenen, stilgerechten Ausstattung der neuen Kirchenbauten führen würde.

Die ersten Fabrikanten, die er gewinnen konnte, waren F. J. Casaretto und Kleinenbroich. Sie stellen auf der von Bock 1852 veranstalteten Mittelalter-Ausstellung ihre Gewebe aus, die in den zeitgenössischen Kritiken viel Lob erfuhren. Neben den, aus den historischen Vorlagen »komponierten« Mustern, gewann man Maler und Architekten als Musterzeichner. Weitere Firmengründungen schlossen sich in den 1870er Jahren an: F. X. Dautzenberg (oder Dutzenberg geschrieben) 1876 Wolters & Ferlings, 1882 Conrad Bister und Wolters & Co 1888. Theodor Gotzes gründete sein Unternehmen 1889 und sein Vetter Hubert Gotzes ließ sich 1905 als Paramenten-, Paramentenstoff- und Fahnenfabrikant nieder.

Casel aus weißem Wollgewebe mit zweifarbigen Holzdruck in Lichtgrün und Orientblau 1998, Entwurf Klaus Simon, Ausführung Klaus Simon und Atelier Stephan Gotzes, Pfarre Pax Christi. Foto: Karin Thönnissen

Casel aus weißem Wollgewebe mit zweifarbigen Holzdruck in Lichtgrün und Orientblau 1998, Entwurf Klaus Simon, Ausführung Klaus Simon und Atelier Stephan Gotzes, Pfarre Pax Christi. Foto: Karin Thönnissen

In den fast vierzig Krefelder Kirchen haben sich trotz grundlegenden Änderungen nach dem II. Vatikanischem Konzil (1963-65) noch erstaunlich viele alte Gewänder und die dazu gehörigen Accessoires erhalten. Heute kann man industriell gefertigte Stoffe verwenden, dennoch findet sich auch Handgefertigtes, wie eine handbedruckte Kasel (1998) von dem Künstler Klaus Simon in der Kirche Pax Christi.

KARIN THÖNNISSEN

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

weitere Infos:
»Der gutbeTUCHte Klerus«, Wochenkalender 2001, erschienen zur gleichnamigen Ausstellung im Deutschen Textilmuseum Krefeld 2001, Paramente und liturgisches Gerät aus Krefelder Kirchenschätzen, Kuartorin der Ausstellung : Karin Thönnissen