Sakrale Kunst

am Beispiel von Karl Heinz Trittien (1925 – 1985)

Karl-Heinz Trittien, Kruzifix, St. Martin. Foto: Ralf Janowski

Karl-Heinz Trittien, St. Martin, Kreuz, 1970, 130 x 120cm, Stahl verzinnt, Korpus 66 x 80cm, Bronze. Foto: Ralf Janowski

Trittien hat sich von 1955 bis zu seinem Tod freischaffend der sakralen Kunst gewidmet. Seine Arbeiten finden sich in vielen Kirchen, auch in Krefeld und über das Rheinland hinaus.

Noch vor einer Ausbildung musste er seit 1943 Soldat werden und kam in Kriegsgefangenschaft. 1949 nahm er das Studium an der Krefelder Werkkunstschule auf, beim Bildhauer und Goldschmied Hein Wimmer, der seit diesem Jahr Leiter der Abteilung für Metallverarbeitung, Gold- und Silberschmiede war und dem zuvor schon an der Kunstgewerbeschule lehrenden Paul Bausch. Beide Lehrer hatten sich intensiv der sakralen Kunst zugewandt; so ist es nicht erstaunlich, dass auch Trittien in diesem Bereich seinen Arbeitsschwerpunkt fand. Seit den 1950er Jahren gab es ja ein großes Kirchenbauprogramm, das auch entsprechenden Bedarf an sakralem Gerät schuf.

Kirchen in Krefeld Bei der Ausstattung der Zeltkirche St. Hubertus am Hohen Dyk 1959 arbeitete Trittien mit dem Viersener Architekten Heinz Döhmen zusammen, der in Aachen eine Professur innehatte, wie auch später oft, z.B. an St. Martin. Er schuf die Skulptur der Schutzmantelmadonna aus Basaltbeton, mit von Blattgold und –silber überzogenen Partien, außerdem liturgisches Gerät, darunter eine Monstranz mit Edelsteinen und einen Kelch mit Bergkristallfuß. Von Anfang an stehen bei ihm kostbare Materialien neben rauen und spröden; besonders der Bergkristall als Symbol der Reinheit erscheint im gesamten Werk immer wieder, an Monstranzen, Kruzifixen, Altären.

1968 erfolgte, nach der Liturgiereform, eine vollständige Umorientierung im Inneren der nach 1930 in moderner Architekturauffassung errichteten Kirche St. Martin, eine Drehung um 180°. Mit dem Umbau verbunden war die auf den Gottesdienst bezogene Neuausstattung. Um den Altar, einen einfachen Steintisch, gruppiert sich die von Trittien geschaffene Ausstattung, ein ganzes Ensemble: Hängekruzifix, Ambo (das Lesepult), Gabentisch und fünf große Standleuchter – dazu kam später noch ein dreiarmiger – im Seitenschiff, freistehend – Tabernakel und ewiges Licht.

Karl-Heinz Trittien, Monstranz 1972, Edelstahl verschweisst, mit Bergkristallbüchse, 35 x 45 cm. Foto: Rolf Giesen

Karl-Heinz Trittien, Monstranz 1972, Edelstahl verschweißt, mit Bergkristallbüchse, 35 x 45 cm. Foto: Rolf Giesen

Auch die neue Monstranz hat Trittien geschaffen. Die Materialien sind ungewöhnlich: die fünf Leuchter sind aus verzinntem Eisen, schlank aber mit grober Oberfläche, das Tabernakel ist verzinnt. Die Lagen seiner metallenen Flächen sollen an eine Rüstung erinnern. Die Monstranz ist aus Edelstahl, die Messpollen sind aus Silber.

Die Kirche St. Pius in Gartenstadt besitzt in der Sakramentskapelle ein Tabernakel von Trittien, aus Bronze und Email.

Im übrigen findet sich kirchliches Gerät von seiner Hand etwa in Paderborn, Schwerte, Düsseldorf, Salzkotten, in Kirchen und Klöstern. Neben den sakralen Arbeiten, die eigentlich sein Werk ausmachen, entstanden Schmuck, eher selten, und Gedenktafeln wie die für die Krefelder Synagoge.

CHRISTINE KNUPP-UHLENHAUT