Kunst geht nach Brot
Orte der Kunst

Prinzip der Kunst ist immer, sich nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten zu entfalten. Zugleich bedarf es dabei der Öffentlichkeit, sofern das Ergebnis nicht auf den Ort der Entwicklung im Atelier begrenzt bleiben will. Möglichkeiten der Verbreitung gibt es zahlreiche, von denen die Präsentation in einem Museum nur eine ist. In Krefeld engagieren sich seit vielen Jahren verschiedene Vereine, Galerien und Institutionen um die Vermittlung dessen, was sich an »Wertschöpfung, Bereicherung, Bewusstwerdung und Vertiefung des Lebens« seinen Weg in die Öffentlichkeit sucht.

Krefelder Kunstverein

Eröffnung einer Ausstellung im Krefelder Kunstverein im Buschhüterhaus. Westwall 124, Krefeld. Foto: privat

Eröffnung einer Ausstellung im Krefelder Kunstverein im Buschhüterhaus. Westwall 124, Krefeld. Foto: privat

Älteste Einrichtung in diesem Sinne ist der 1860 als »Handwerker- und Bildungsverein« gegründete, heutige Krefelder Kunstverein. Aus ihm geht 1883 der »Krefelder Museumsverein« hervor, der maßgeblich für den Bau und die Eröffnung des Kaiser Wilhelm Museums im Jahr 1897 verantwortlich ist. Über 70 Jahre begleitet der Verein die Geschicke des Museums finanziell und ideell, bis es 1970 zu einer Loslösung und Umbenennung in »Krefelder Kunstverein vorm. Krefelder Museumsverein« kommt. Verbunden damit ist ein Wechsel der Räumlichkeiten, die sich seit 1976 im Buschhüterhaus auf dem Westwall befinden. In ihnen führt der Verein bis heute sein Ausstellungsprogramm junger und zeitgenössischer Kunst fort, gekoppelt an eine Reihe kunst- und kulturhistorischer Vorträge sowie Studienreisen. In den zusätzlichen Räumen auf der Evertsstraße findet die Vermittlungs- und Bildungsarbeit überdies in der 1971 gegründeten Malschule für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt. Seit seinen Anfängen versteht sich der Krefelder Kunstverein als Plattform für nationale und internationale Kunst. Der Blick auf die lokale und regionale Kunstszene wird dabei von 1992 bis 2005 verstärkt durch die Ausstellungsfolge »in memoriam«, u.a. in Gedenken an die Künstlergruppe 45, sowie durch gelegentliche Werkpräsentation noch aktiver Krefelder Künstler gepflegt.

Galeriensonntag – Kunst in Krefeld

Auch am 1983 ins Leben gerufenen »Galeriensonntag« beteiligt sich der Krefelder Kunstverein regelmäßig. Der Zusammenschluss verschiedener Galerien mit weiteren Kunstinstitutionen gleicht einer Art Bestandsaufnahme künstlerischer Aktivitäten in Krefeld, verbunden mit zahlreichen parallel eröffneten Ausstellungen. Profit- und non-profit-Unternehmen, darunter auch das »Kunstspektrum« der Gemeinschaft Krefelder Künstler sowie die Pax Christi Gemeinde, engagieren sich lange Jahre gleichermaßen an diesem Projekt, das zwischenzeitlich aufgrund der mitunter großen Besucherströme auch als »Volkswandertag in Sachen Kunst« (P. Kathstede in RP vom 2.9.97) bezeichnet wird. Flankierende Kunstaktionen im Außenraum, etwa die Projekte »Denkmal« (1985) und »Stadtansichten« (1987) der GKK ergänzen das Programm des Galeriensonntags, wie auch 2002 erstmalig eine gemeinsame Finissage aller Veranstalter im Kaiser-Wilhelm-Museum mit einer Kunstverlosung. Seit 2002 öffnet sich das Museum aktiv für das über die Grenzen Krefelds wahrgenommen Kunst-Event, dem sich überdies auch die VHS Krefeld in diesem Jahr zum ersten Mal (mit Arbeiten des in Krefeld lebenden Künstlers Jan Kalff) anschließt. Als dritte städtische Institution vertritt das Stadtarchiv 2002 mit den »Krefelder Kammerstücken« von Bart Koning eine weitere lokale Position. Ein Jahr später gründet die bislang lose Interessengemeinschaft der Veranstalter des Galeriensonntags den »Verein zur Förderung der Kunst in Krefeld«, dessen Website einen kleinen Rückblick auf die Aktivitäten der letzten Jahre erlaubt. Wenngleich auch der einstmals groß angelegte Galeriensonntag 2012 zu einem Galerienabend variiert, bleibt »Kunst in Krefeld«, wie Gregor Micus, Kulturdezernent von Krefeld, im Vorwort der Broschüre zum Jubiläumsjahr 2014 schreibt, »eine unspektakulär geschriebene Erfolgsgeschichte« der Stadt Krefeld.

Kultur.Punkt Friedenskirche

Blick in die Friedenskirche. Foto: Klaus Hoefges

Blick in die Friedenskirche. Foto: Klaus Hoefges

2004 beteiligt sich auch die Friedenskirche mit Arbeiten von Christel Schulte-Hanhardt erstmalig am Galeriensonntag. Bis 2014 folgen neun weitere attraktive Präsentationen mit meist regionalen Kunstschaffenden. Dabei stehen den Akteuren sowohl der eigentliche, 1955-57 wiedererbaute Kirchenraum, als auch das im Jahr 2000 fertig gestellte, neue Gemeindehaus, mit der entsprechenden technischen Ausstattung zur Verfügung. Schon in der Planung 1869 – 1872 als Festkirche angelegt, folgt das Gotteshaus bis heute der Idee eines Gemeindezentrums, in dem die Menschen über das Gebet hinaus einander begegnen. Dabei ermöglicht ein vielfältiges, verschiedene Kulturen übergreifendes Programm an Musik, Theater, Lesung, Tanz und Ausstellungen, unter dem Label »Kultur.Punkt« eine »Öffnung nach außen«. Organisiert wird das komplexe Programm durch einen engagierten Kreis ehrenamtlicher Helfer, selbst Künstler oder Kuratoren, die dabei eng mit den Vertretern der Kirche zusammenarbeiten.

Kunst und Krefeld e.V.

Ohne engagiertes Ehrenamt und die Ausdauer seiner Akteure wäre auch der 2004 gegründete gemeinnützige Verein »Kunst und Krefeld« nicht bis heute von Bestand. Neben seinem wesentlichen Ziel, als Rechtsträger gemeinnützige Stiftungen von Künstlern aufzunehmen, übernimmt der Verein den Ausbau des »Künstlerverzeichnisses für den Kunstraum Krefeld« (Infoflyer 2009), verbunden mit der Einrichtung einer Kunst-Bibliothek zur lokalen Kunstszene. Bis 2012  befinden sich die Geschäftsräume des Vereins in der ehemaligen Schlichterei und späteren Kantine einer von Ludwig Mies van der Rohe einst für die VERSEIDAG konzipierten Industrieanlage im Norden der Stadt. Kunsthistorische Besonderheit der klaren Räume ist ein großes Panoramagemälde des Krefelder Künstlers Fritz Huhnen von 1957, das Szenen des Lebens und der Arbeit in Krefeld schildert.

Fritz Huhnen, Leben und Arbeit in Krefeld, 1957, Wandgemälde in der ehemaligen Schlichterei der VERSEIDAG, Girmesgath 5, 47803 Krefeld. Foto: Ralf Janowski

Fritz Huhnen, Leben und Arbeit in Krefeld, 1957, Wandgemälde in der ehemaligen Schlichterei der VERSEIDAG, Girmesgath 5, 47803 Krefeld. Foto: Ralf Janowski

In zahlreichen durch den Verein organisierten Ausstellungen treten die Arbeiten von Krefelder Künstlern mit diesem eher unbekannten, zugleich prominenten Wandbild in einen künstlerischen Dialog. Veränderungen des Mietverhältnisses zwingen den Verein 2012 zur Aufgabe der attraktiven Räumlichkeiten, verbunden mit einer unfreiwilligen Pause der  Ausstellungstätigkeiten. 2013 zeichnet sich dann die Möglichkeit ab, die ehemalige Schalterhalle in der Alten Post Ecke Dreikönigenstraße/Steinstraße als neue Ausstellungshalle zu nutzen. Tatsächlich kann der Raum bereits im November 2013 im Rahmen der Ausstellung »Hans Joachim Albrecht, unverkennbar – unverzichtbar. Skulpturen aus der Hans Joachim Albrecht-Stiftung – ausgewählte Grafiken« in seiner Funktionalität erprobt werden. Seit Anfang 2014, passend zum 10jährigen Jubiläum des Vereins »Kunst und Krefeld«, entwickelt sich dann durch großen Einsatz des Vereins aus der »Alten Post« im Buschhütter-Haus eine neue Plattform für Krefelder Künstler, die im März 2015 unter dem Titel “Eigene Räume – Eigene Sammlung” der Öffentlichkeit vorgestellt wird und damit zugleich als attraktiver Ort für die Teilnahme an zukünftigen Galeriensonntagen zur Verfügung steht.

Galerien

Ein Grund für die zunehmende und bis heute gültige Einbeziehung nicht kommerzieller Einrichtungen in den jährlichen Galeriensonntag mag in einer Veränderung der Krefelder Galerienszene liegen. Tatsächlich hat sich die Zahl aktiver Galerien von den 70er Jahren bis heute rein quantitativ drastisch verringert. Wo einstmals rund 30 Galerien ein Spektrum junger Kunst vorstellten, findet sich heute noch vielleicht an sechs Adressen in Krefeld engagierte Galerie-oder Kunsthandelsarbeit. Grund genug aber, sich hier, losgelöst von den Galeriensonntagen, auf Entdeckungsreise in Sachen Kunst zu begeben. Denn nach wie vor bringt nicht allein die Galerienszene »Dynamik nach Krefeld« wie Roland Schneider schon 2002 in der Westdeutschen Zeitung erkennt, sondern überdies das Spektrum unermüdlicher und engagierter Kultur-und Kunstvermittler der Stadt. Wünschenswert bleibt, dass dieses Engagement der Kulturschaffenden für die Stadt von den Besuchern und Bürgern dieser Stadt verstärkt gespiegelt wird.

CHRISTIAN KRAUSCH

 

Literatur:
»Die Kunst geht nach Brot?«, Pressetext zur gleichnamigen Ausstellung der Centrum Galerie Dresden, 2013
Erich Himmelein: »Vierzehn Jahre Ausstellungstätigkeit im Krefelder Kunstverein«. In: »Die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band 77/2006 S. 21ff
Westdeutsche Zeitung vom 10.09.2002 »Galerien zogen positive Bilanz«.