Niederrheinische Künstlergilde

»Schlachtfeste« und ein »Antiallergikum gegen Kritikallergie«

Plakat Niederrheinische Künstlergilde, 1947. Aus dem Katalog Christian Krausch: Heinz von der Way – Malerei und Grafik 1913–1971. Katalog Krefelder Kunstverein, Krefeld, 1998. Fotonachweis: Nachlassverwaltung von der Way, Ursula Altenähr

Plakat Niederrheinische Künstlergilde, 1947. Aus dem Katalog Christian Krausch: Heinz von der Way – Malerei und Grafik 1913–1971. Katalog Krefelder Kunstverein, Krefeld, 1998. Foto: M. Grünwald. Fotonachweis: Nachlassverwaltung von der Way, Ursula Altenähr

Ende 1945 finden sich im Restaurant des alten Südbahnhofes der früheren Krefelder Eisenbahn an der Saumstraße sieben Künstler zusammen, darunter Karl Görgemanns, Wilhelm Röttges, Edith Strauch, Heinz von der Way sowie Erika und Richard Zimmermann, die unter dem Vorstand von Dr. Heinz Kaumanns den Verbund der »Niederrheinischen Künstlergilde« ins Leben rufen. Nach kurzer Zeit gesellen sich hinzu: Eugen Becher, Hermann Kampendonk und Benno Scheidt. Zwischenzeitlich lassen sich rund dreißig Mitglieder nachweisen, die sich unter dem Vorsitz Heinz von der Ways (ab 1950) in die Reihen der Gilde einfinden. Entstanden aus der gemeinsamen Not (Atelier-, Finanz- oder Materialmangel) aller Beteiligten, ein Umstand, der auch die sich parallel findende »Künstlergruppe 45« zur Gründung veranlasst, versteht sich die Künstlergilde als Verbund von gleichgesinnten, wenn auch nicht gleichgerichteten Personen, die sich durch die Liebe zur Heimat und zur Kunst verbunden fühlen, ohne damit ein Bekenntnis zu einer bestimmten Auffassung des künstlerischen Gestaltungswillens ausdrücken zu wollen.

Hauptzweck der Gilde ist die Veranstaltung von Ausstellungen. Zudem gibt es Besichtigungen und Tagesfahrten wie auch fachliche und unterhaltsame Vorträge. Darüber hinaus pflegen die Gildemitglieder noch in gegenseitigen Atelierbesuchen fachbezogenen Austausch, der vor allem in den regelmäßig angesetzten »Schlachtfesten« seinen Höhepunkt findet. Wie sich Heinz von der Way in seiner Festrede anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Niederrheinischen Künstlergilde 1965 erinnert, liegt der Hauptzweck dieser »Schlachtfeste«, neben der Begutachtung der einzelnen Arbeitsweisen, in der Akzeptanzschulung von Kritik, vergleichbar einem »Antiallergikum gegen Kritikallergie«, wobei die scherzhafte Bezeichnung von vornherein der Sache jede Schärfe nehmen soll.

Eröffnung der Ausstellung der Niederrheinischen Künstlergilde im Rathaus Hüls am 24. April 1955. Von links nach rechts: Richard Zimmermann, Inspektor Voets, Heinz von der Way, Erika Zimmermann, Benno Scheidt. Aus dem Katalog Christian Krausch: Heinz von der Way – Malerei und Grafik 1913–1971. Katalog Krefelder Kunstverein, Krefeld, 1998. Fotonachweis: Nachlassverwaltung von der Way, Ursula Altenähr

Eröffnung der Ausstellung der Niederrheinischen Künstlergilde im Rathaus Hüls am 24. April 1955. Von links nach rechts: Richard Zimmermann, Inspektor Voets, Heinz von der Way, Erika Zimmermann, Benno Scheidt. Aus dem Katalog Christian Krausch: Heinz von der Way – Malerei und Grafik 1913–1971. Katalog Krefelder Kunstverein, Krefeld, 1998. Fotonachweis: Nachlassverwaltung von der Way, Ursula Altenähr

Die wöchentlichen Gildeabende finden seit 1950 im Gasthof »Zum Königshof« bei Heinrich Korff statt. (Der »Königshof« ist nach dem Gründungslokal am Südbahnhof der fünfte Treffpunkt der Niederrheinischen Künstlergilde. Zwischenzeitlich trifft man sich noch in einem Lokal auf dem Albrechtplatz, im 1966 abgerissenen Schweizerhaus, Uerdinger Straße, und im Haus Dörenkamp) Korff reagiert mit der großzügigen Öffnung seiner Räume auf den Beschluss der Museumsleitung des Kaiser Wilhelm Museums, seit der Präsentation »Niederrheinische Kunst« im Jahr 1949 keine juryfreien Ausstellungen mehr zu veranstalten und damit die Möglichkeiten heimischer Künstler stark zu beschneiden. Wie Korff unterstützt auch die Buchhandlung Uhrig die Bestrebungen der Gilde nach Öffentlichkeit, so dass hier 1950, 1954 und 1959 verschiedene Mitglieder ihr Werk vorstellen können. 1953 kann sich die Gilde im Foyer des Krefelder Stadttheaters zeigen sowie auch in der Festhalle Viersen. Auch im Kaiser Wilhelm Museum findet dann 1958 unter der Leitung von Paul Wember wieder eine Ausstellung der Gilde statt, die, wie auch alle weiteren, von Heinz von der Way eröffnet wird. Erst mit seinem Tod im Jahr 1973 wird es allmählich still um die Aktionen der Niederrheinischen Künstlergilde, deren Mitglieder sich, wie Ernst Hoff im Todesjahr von der Ways schreibt, über die vielen Jahre hinweg regelmäßig in »allgemeiner Wertschätzung um ihren Altmeister geschart haben.« (Hoff, Ernst: Er war Schüler Thorn Prikkers. Heinz von der Way wird 85. In: Rheinische Post Krefeld vom 20. Januar 1973)

CHRISTIAN KRAUSCH

Literatur:
Christian Krausch: Heinz von der Way – Malerei und Grafik 1913–1971. Katalog Krefelder Kunstverein, Krefeld, 1998.
Georg Opdenberg: »in memoriam 2005«, 60 Jahre Niederrheinische Künstlergilde, Künstlergruppe 1945 Krefeld. In : »Die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band 77/2006 S. 25–32