Künstlergruppe 45

»Drängend, um das Neue zu verarbeiten«

Fritz Huhnen bei der Eröffnung »10 Jahre Gruppe 45« im Kaiser-Wilhelm-Museum am 13.11.55. Pressefoto aus WZ vom 14.11.55 im Stadtarchiv Krefeld

Fritz Huhnen bei der Eröffnung »10 Jahre Gruppe 45« im Kaiser-Wilhelm-Museum am 13.11.55. Pressefoto aus WZ vom 14.11.55 im Stadtarchiv Krefeld

Das Jahr 1945 und das damit verbundene Ende des Zweiten Weltkrieges hat in Krefeld hinsichtlich der freien Kunstszene verschiedene Entwicklungen zur Folge. Nach 12 Jahren »Zensur« können die Künstler endlich wieder diejenigen Werke zeigen, die allenfalls im Verborgenen, wenn überhaupt entstanden sind. So wird gegen Ende des Jahres, neben der »Niederrheinischen Künstlergilde«, auch die Künstlergruppe 45 ins Leben gerufen, eine eher lose Gemeinschaft von Gleichgesinnten, deren künstlerische Ansätze, wie Georg Opdenberg 2006 erkennt, von Anfang »progressiver« und in die Zukunft gerichtet sind. Denn wo sich die Gilde, wie der Name vermuten lässt, mehr vereinsmäßig organisiert und dabei dem Tradierten verpflichtet fühlt, tritt die Gruppe 45 nicht nur durch ihre berauschenden Kostümfeste, beispielsweise im Haus des Mitglieds Kurt Samnée in Erscheinung, sondern vor allem durch ihre mehr innovativen künstlerischen Ansätze.

So umschreibt die lokale Presse im Herbst 1950, anlässlich der Gemeinschaftsausstellung »Krefelder Künstler stellen [in der Passage am Ostwall] aus«, (WZ vom 10.9.1950) die aktiven Mitglieder der Gruppe 45 als die »Drängenden, die das Neue zu verarbeiten trachten« und »mit kämpferischem Elan das Neue zu gestalten streben«. Den Malern der Gilde dagegen wird in diesem Zusammenhang eher eine »Geruhsamkeit des malerischen Schilderns« bescheinigt. Verbindend aber ist ein der unmittelbaren Nachkriegszeit geschuldetes Empfinden für eine Gemeinschaft, die aus der Not heraus erwachsen ist und nun weniger thematisch aber hoch motiviert arbeiten will. So helfen sich die anfangs 13 Gründungsmitglieder der Gruppe 45 um August Erkens, Ernst Hoff, Fritz Huhnen und Gustav Fünders einander mit der Beschaffung von Materialien und Atelierraum aus, organisieren Ausstellungen und pflegen freundschaftliche Beziehungen untereinander.

Bald steigt die Zahl der Mitglieder, Maler, Grafiker, Bildhauer, Kunsthandwerker und Architekten auf 25, denen das Kaiser Wilhelm Museum 1955, anlässlich des 10jährigen Jubiläums der Gruppe 45, eine Ausstellung in sechs Kabinetten ausrichtet. Zwei der Räume sind dabei den bereits verstorbenen Mitgliedern Josef Hehl, Heinrich Kamps, Herbert Böttger und Hans Kempkes vorbehalten sowie dem Gründungsmitglied und Laudator der Ausstellung, Fritz Huhnen, anlässlich seines 60ten Geburtstages im Dezember 1955.

Es scheint, dass mit dieser in der Presse durchweg gelobten und »dem Geist der Gegenwart« (RP vom 24.12.1955) nahe stehenden Ausstellung bereits ein Höhepunkt im noch jungen Dasein der Gruppe erreicht ist. Denn neben kleineren Projekten macht sie allenfalls im Jahr 1957 noch einmal mit größerem Presseecho von sich reden. Anlass dazu gibt die 100. Ausstellung in der Buchhandlung Uhrig auf der Hochstraße und das daran gekoppelte Jubiläum, zu dem der kunstsinnige Buchhändler Carl Uhrig, die, so zitiert ihn die Rheinische Post vom 2.11.57, »Spitze der Krefelder Künstlerschaft« in seine Räume eingeladen hat. Zwar nehmen nur 12 Mitglieder der Gruppe, darunter Theodor Akkermann, Johannes Cladders, Leo Bigenwald, August Erkens, Walter Icks und Edith Strauch an der Jubiläumsschau teil, doch reicht diese, dem Raumangebot geschuldete Auswahl, um das breite Spektrum künstlerischer Richtungen innerhalb der Gruppe noch einmal zu demonstrieren. Zugleich aber spiegelt auch genau dieses vielschichtige Spektrum an Arbeiten die unterschiedlichsten Charaktere der in der Künstlergruppe 45 versammelten Künstler, deren anfängliches Bedürfnis nach Gemeinschaft ab den 60er Jahren dem Wunsch nach Individualität weicht.

So kommt es 1965 nicht mehr zu einer Jubiläumsausstellung, weder im Kaiser Wilhelm Museum, noch an anderem Ort in oder außerhalb von Krefeld, womit es bald still wird um die »Gruppe 45«. Die Niederrheinische Künstlergilde dagegen ist noch bis Mitte der 70er Jahre aktiv, bis kurze Zeit nach dem Tod ihres langjährigen Vorsitzenden Heinz van der Way 1973.

Ein Jahr zuvor aber, bereits Ende 1972, bildet sich als Folge des von verschiedenen Künstlerorganisationen ins Leben gerufenen Kongresses »Mehr Solidarität zum gemeinsamen Handeln« in der Frankfurter Paulskirche der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler. Zu seinen inzwischen über 10.000 Mitgliedern zählt auch der BBK-Niederrhein.

CHRISTIAN KRAUSCH

Literatur:
Georg Opdenberg: »in memoriam 2005 – 60 Jahre Niederrheinische Künstlergilde und Künstlergruppe 1945 Krefeld«. In: »die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band 77/2006, S. 25ff.