Krefelder Ausstellungen

Krefelder Kunst

Ausstellungen von Werken lokaler Künstler haben in Krefeld eine lange Tradition. Mit dem ersten Direktor des Kaiser Wilhelm Museums, Friedrich Deneken, finden bereits 1921 »Alte Krefelder Künstler« und »Neue Krefelder Künstler« im Museum eine attraktive Plattform für ihr Werk. Auch unter dem folgenden Leiter, Max Creutz, können dort ab 1925 regelmäßig Vertreter der Krefelder Künstlerschaft ihre Arbeiten in den Ausstellungen »Kunst und Kultur des Niederrheins« vorstellen. Ganze Künstlervereinigungen, wie die Künstlergruppe 45 oder die Niederrheinische Künstlergilde mit überwiegend lokalen Künstlern, sind anschließend temporär im Kaiser Wilhelm Museum vertreten und bringen, wie Paul Wember, von 1945 – 75 Direktor des Hauses, schreibt, »noch einmal Konvention in die alten Räume«. Erst in späteren Jahren wird es schwieriger für die Krefelder Künstler, sich in gewohnter Form regelmäßig an der »Ersten Adresse der Stadt« zu positionieren, da sich das Programm des Hauses, einem Museum für zeitgenössische Kunst entsprechend, zunehmend international ausrichtet.

Große Dujardin - Blick in die Ausstellung mit der Installation Pneuma (Pneumon und Ganglion) aus dem Jahr 2009 von Gerhard Hahn. Foto: Ralf Janowsk

Große Dujardin – Blick in die Ausstellung mit der Installation Pneuma (Pneumon und Ganglion) aus dem Jahr 2009 von Gerhard Hahn. Foto: Ralf Janowsk

Erst 1983 besteht wieder die Möglichkeit einer Gruppenausstellung für die Gemeinschaft Krefelder Künstler, die unter dem Titel »Farbe bekennen« einen Überblick über ihre künstlerische Produktion vorstellt. 2004 folgt unter dem Label »Staffellauf« eine Überblicksausstellung zum Thema »Design von Krefeld aus«, die 100 Jahre Lehre an der einstigen Crefelder Handwerker- und Kunstgewerbeschule, dem heutigen Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein, mit zahlreichen Werken auch Krefelder Künstler aufzeigt.
Abermals fünf Jahre später öffnet das Kaiser Wilhelm Museum erneut seine Pforten für eine ausschließlich der lokalen Künstlerschaft vorbehaltenen Ausstellung, die sich unter dem Titel »Quer Geschnitten! – Kunst aus Krefeld heute« eine jurierte »Überprüfung des Labels Kunst aus Krefeld« (Thomas Janzen) zur Aufgabe setzt. Insgesamt 17 Künstler finden den Weg ins Museum, nachdem es durch Unstimmigkeiten im Vorfeld zu einem regelrechten Bewerbungsboykott kommt.

Grund der Diskussionen ist die Unzufriedenheit zahlreicher Künstler über den Mangel einer nachhaltigen Förderung der lokalen Kunstszene, dem die punktuelle Präsentation nicht gerecht wird. Folge der Gespräche ist zum einen die angekündigte Bereitschaft des Museums, der heimischen Kunstszene zukünftig durch jährliche Studioausstellungen ein Forum zu ermöglichen. Zum anderen fördert die Unzufriedenheit und zugleich Kreativität des Jahres 2009 die Realisierung einer bereits früher geplanten Ausstellung Krefelder Künstler, die dann als »Große Dujardin« zeitgleich in den leerstehenden Hallen der einstigen Weinbrandbrennerei in Krefeld-Uerdingen mit knapp 40 Krefelder Positionen nicht weniger spektakulär die Aufmerksamkeit der Besucher weckt. Die »Große Dujardin« ist nur ein Projekt von vielen, in denen sich die Krefelder Künstlerschaft losgelöst von der musealen Anbindung regelmäßig präsentiert. Anlässlich ihres 10jährigen Jubiläums 2014 tritt so beispielsweise die Ateliergemeinschaft Dujardin erneut in den Hallen der ehemaligen Brennerei mit einer umfangreichen Ausstellung an die Öffentlichkeit, wiewohl auch 2011 die Künstlergemeinschaft Pausenhof in ihren eigenen Räumen einen Einblick in ihr Schaffen erlauben. Die 2006 gegründete Gemeinschaft von sieben Künstlern nutzt dazu die Anlage der ehemaligen Volksschule an der Marktstraße 161, die sich nicht zuletzt durch ihren sehr idyllischen Schulhof auszeichnet.

Atelierhaus Hüttenallee

Das Atelier-Haus an der Hüttenallee wurde 1908 nach Plänen J.M. Olbrich errichtet. Foto: Ralf Janowski

Das Atelier-Haus an der Hüttenallee wurde 1908 nach Plänen J.M. Olbrich errichtet. Foto: Ralf Janowski

Neben verschiedenen Ateliergemeinschaften bieten einzelne alte, gezielt als Künstlerhäuser errichtete Architekturen in Krefeld ebenfalls Platz für die Präsentation von Kunst. Markant ist das 1908 von Joseph Maria Olbrich erbaute Künstlerhaus an der Hüttenallee 150, das den Grundstock zu einer geplanten, aber nie verwirklichten Künstlerkolonie am Rande des Stadtwaldes bildet. Erster Mieter ist Johan Thorn Prikker, seit 1904 Dozent für Malerei an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Krefeld. Nach Franz Brahmstaedt folgt dann ab 1919 Peter Bertlings als Bewohner, wie Thorn-Prikker Dozent an der Kunstgewerbeschule, von dem sich bis heute zahlreiche Wandarbeiten im Öffentlichen Raum von Krefeld erhalten haben. Seit 2008 bewohnt der in Krefeld geborene Künstler Frank Jacob Esser mit seiner Familie das zeitweise leerstehende Haus, dem er durch regelmäßige Veranstaltungen, Kurse und Workshops neues Leben einhaucht.

Atelierhäuser Windmühlenstraße

Ein anderer Krefelder Künstler, Heinz von der Way, engagiert sich bereits 1926 für die Errichtung weiterer Atelierhäuser in Form zweier Doppelhäuser, die 1928 durch den Architekten Eugen Bertrand für die Windmühlenstraße in Bockum geplant werden. Heinz von der Way selbst bezieht mit seiner Familie Haus Nr. 35, in dem er bis 1957 lebt. Die anderen Häuser übernehmen Peter Wolbrandt (Nr. 37), Will Nachtsheim (Nr. 39) und Reinold Gruszka (Nr. 41). Die Atelierhäuser Windmühlenstraße erfüllen auch heute noch ihre Aufgabe. Über die Jahrzehnte hinweg dienen sie verschiedenen Künstlern als Wohn- und Arbeitsstätte, so beispielsweise dem in Uelzen geborenen und 1981 verstorbenen Gerhard Kadow, Lehrer an der Werkkunstschule in Krefeld, der mit seiner Frau Elisabeth von 1947 bis zu seinem Tode dort lebt. Ebenso finden Hans Joachim Albrecht und Peter M. Heeser, langjähriger Vorsitzender der GKK, in der Windmühlenstraße zeitweise ihr Domizil.

Stadtarchiv Krefeld

Brigitta Heidtmann - Geordnete Welten, 2008, Titelbild zum gleichnamigen Katalog, Mischtechnik auf Karton, 30 x 21 cm. Foto: Künstlerin

Brigitta Heidtmann – Geordnete Welten, 2008, Titelbild zum gleichnamigen Katalog, Mischtechnik auf Karton, 30 x 21 cm. Foto: Künstlerin

Losgelöst von der privaten Atmosphäre des Ateliers und zugleich fern der Darstellung im Museum erlaubt wiederum das Stadtarchiv seit vielen Jahren neben Stadthistorischen Ausstellungen die Präsentation von Werken Krefelder Künstlern. Mit der erstmaligen Beteiligung am Galeriensonntag, heute »KIK – Kunst in Krefeld« bezeichnet, startet 1997 eine Reihe von gezielt auf das Stadtarchiv zugeschnittenen Ausstellungen. Idee ist, Kunst jenseits üblicher Ausstellungsorte an untypischer Stelle zu präsentieren, um den Blick unabhängig von Galerien oder Museen zu schärfen. Einzige Vorgabe an die beteiligten Künstler ist dabei über die Jahre die thematische Anbindung an die Inhalte und Aufgaben des Stadtarchivs, woraus bis 2007 elf sehr unterschiedliche Ausstellungen mit insgesamt 12 Künstlern resultieren. Mit der Gruppenausstellung »Geordnete Welten«, die wie alle vorhergehenden im Krefelder Jahrbuch »die Heimat« dokumentiert ist, findet diese Reihe für Krefelder Künstler 2008 ihren vorläufigen Abschluss. Die regelmäßige Teilnahme an »KIK« indessen, verbunden mit weiteren Kunstausstellungen, besteht bis heute weiter.

Eine weitere Plattform für Krefelder Künstler bietet überdies von 1997 bis 1999, und noch einmal 2011, auch die Sparkasse Krefeld mit den Ausstellungen »Part 1« bis »Part 4«, die dazu gedacht sind, eine Gesamtdarstellung aller Mitglieder der GKK zu ermöglichen. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang auch noch die langjährigen Ausstellungen bei Cerestar (heute Cargill) sowie in den Räumen der Städtischen Werke Krefeld, letztere sogar verbunden mit der Herausgabe eines kleinen Kataloges.

 

Christof Knapp: »Mitteldichter Zwischenraum«, Ausstellung der Reihe »Pförtnerloge« im März/April 2014. Foto: BBK Niederrhein / Ralf Janowski

Christof Knapp: »Mitteldichter Zwischenraum«, Ausstellung der BBK Niederrhein-Reihe »Pförtnerloge – raumbezogene Kunst in der Fabrik Heeder« im März/April 2014. Foto: BBK Niederrhein e.V. / Ralf Janowski

Darüber hinaus erlaubt noch die Ausstellungsreihe »Pförtnerloge – raumbezogene Kunst in der Fabrik Heeder« des BBK Niederrhein e.V. Krefelder Künstlerinnen und Künstlern eine attraktive Präsentationsmöglichkeit. Wie die »Große Dujardin« entsteht auch diese Reihe unter anderem aus dem damaligen Unmut über fehlende Ausstellungsmöglichkeiten in Krefeld heraus. Bis Sommer 2015 finden insgesamt 9 unterschiedliche raumbezogene Interventionen statt, die in einem kleinen Katalog dokumentiert sind, gefördert durch die Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld, die Stiftung Kulturwerk der VG Bild-Kunst als auch durch das Kulturbüro Krefeld.
Ein Katalog ist es überdies, der noch heute an die groß angelegte Ausstellung des seit 1991 in der Fabrik Heeder beheimateten Frauenkulturbüros NRW e.V. STATT BAD KUNST im ehemaligen Stadtbad auf der Neusser Straße dokumentiert. 24 Künstlerinnen, darunter zahlreiche in Krefeld aktive, verwandeln 1996 unterr der kuratorischen Leitung von Annette Reker das seit einem Erdbeben im April 1992 beschädigte und später stillgelegte historische Stadtbad in einen ungewohnten Ausstellungsort, der sich in der Erinnerung aller damals daran Beteiligten, Akteure wie Besucher, dauerhaft erhält.

CHRISTIAN KRAUSCH

Literatur:
Paul Wember: »Das Kaiser Wilhelm Museum Krefeld«. In: »Krefelder Studien«, 1973, S. 303
Thomas Janzen: »Quer Geschnitten – Kunst aus Krefeld heute. In: »Die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band 81/2010, S. 123-128
»Quer Geschnitten! Kunst aus Krefeld heute«. Katalog zur Ausstellung im Kaiser Wilhelm Museum vom 28.8. – 30.10.09, Krefeld 2009
Hans-Peter Schwanke: »Architekturführer Krefeld«, Krefeld 1996, S. 118-121 (zu den Atelierhäusern)
Dieter Peschken: »Mäzene, Künstler und ein Haus«. In: »Die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band  81/2010, S. 120-122 (Zum Atelierhaus Hüttenallee)
STATT BAD KUNST. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im ehemaligen Stadtbad Neusser Straße 58-60 in Krefeld vom 27.10. – 8.12.1996. Hsg. Frauenkulturbüro NRW e.V., Krefeld