Herbert Zangs (* 27. März 1924 in Krefeld; † 26. März 2003)

Endloses Experiment

Portrait Herbert Zangs,Foto: Heinrich Merkel © Dr. Cremer-Bermbach Bonn

Portrait Herbert Zangs,Foto: Heinrich Merkel © Dr. Cremer-Bermbach Bonn

Herbert Zangs’ künstlerisches Erbe rumort weiter und lässt Menschen ob seiner Besonderheit auch heute noch aufmerken. Elf Jahre nach seinem Tod richtet ihm die Krefelder Galerie Heidefeld eine Ausstellung von Arbeiten aus seinem Nachlass aus, und die Villa Wessel in Iserlohn zeigt eine Werkauswahl.

Herbert Zangs bewegte sich offen und neugierig in der Welt. Er schien, oberflächlich betrachtet, »mitzuschwimmen« in Kunstströmungen, spann jedoch, genauer besehen, aus dem Großen und Ganzen immer seinen eigenen unverwechselbaren (roten) Faden. Jahrgang 1924, zog er von 1941 bis 1945 in den Krieg und geriet wie Joseph Beuys in Kriegsgefangenschaft. Der war sein Kommilitone an der Kunstakademie Düsseldorf und studierte bei Ewald Mataré, bei dem auch Zangs Kurse besuchte. Otto Pankok aber war sein Lehrer zwischen 1945 und 1949. Sein anderer berühmt gewordener Studienkollege Günter Grass schuf in seinem Roman »Die Blechtrommel« die Figur des Herbert Lankes als Alter Ego Herbert Zangs’ und setzte ihm so ein literarisches Denkmal.
In den Anfängen entstanden überwiegend Auftragsarbeiten, die er 1950 in seiner ersten Einzelausstellung im Kaiser Wilhelm Museum vorstellte.

Nach dem Examen, in der Aufbruchstimmung der frühen 50er Jahre, reiste Zangs monatelang durch die Welt und lernte auch Paris kennen, wo er Wols einmal traf, dessen Kunst ihm auf den ersten Blick unzugänglich erschien, und erst im Überblick betrachtet, ähnlich starke Impulse auf Zangs’ künstlerisches Schaffen gehabt haben mag wie das Lothar Quintes.
Schon seit seinem Einzug ins Atelierhaus Sittarder Weg in Düsseldorf experimentierte Zangs mit der Abstraktion und sieht sich in seinen Überlegungen betätigt, als er 1953 die Düsseldorfer Ausstellung »Zwölf amerikanische Maler und Bildhauer« des Museum of Modern Art besucht. Jackson Pollocks von der Staffel befreite Leinwand und sein körperlich-geistiges Ritual des »Malens« beeindrucken ihn nachhaltig und prägen in den folgenden Jahren seine eigenen rhythmischen und dynamischen Grenzüberschreitungen.
1952 ehrt seine Heimatstadt Krefeld den verheißungsvollen jungen Künstler mit ihrem Kunstpreis. Immerhin drei Jahre hält es ihn in Südfrankreich (1962-65), und damals lebt der Ruhelose auch in New York eine Weile, und kehrt in den 80er Jahre wieder an den Niederrhein zurück.

Herbert Zangs, ohne Titel (Plus-Minus), 1953, weisse Farbe, Karton, 38 x 28 cm, sign.u. dat. Courtesy: Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld

Herbert Zangs, ohne Titel (Plus-Minus), 1953, weisse Farbe, Karton, 38 x 28 cm, sign.u. dat.
Courtesy: Adolf-Luther-Stiftung, Krefeld,
© VG Bild Kunst

Für die Besonderheit des künstlerischen Werks von Herbert Zangs zeugt sein Umgang mit dem Werkmaterial. Stets betont er dessen jeweils spezifische Struktur und Beschaffenheit, transformiert und variiert sie, und überschreitet immer Grenzen: die des ästhetischen Kanons und auch die des Kunstverständnisses. Mit Ausnahme der expressiv-naturalistischen figürlichen Arbeiten seiner jungen Jahre ist Zangs’  Werk dem Informel zuzuordnen. Seine Stilgruppen »Ver-Weißungen«, »Rechenzeichen-Collagen«, »Scheibenwischer-Bilder«, »Pinselabwicklungen« und »Peitschenbilder«, reagieren in einer gleichwohl unverwechselbaren Handschrift auf internationale Kunstströmungen wie Arte Povera und Minimal Art. Seine Objekt- und Material-Verweißungen – weiß angemalte Objekte – gehen auf die Tradition der Dadaisten und Surrealisten zurück.
1977 nimmt er mit seinen »Antibüchern« an der documenta 6 teil, die als kritische Gegenbehauptung zu Grass’ schriftstellerischem Schaffen und dessen Ablehnung abstrakter Kunst bewertet werden können.
Preise und Auszeichnungen (u.a. 1958 Preis des Franklin-Institutes of America, 1962 Europapreis für Malerei der Biennale Ostende) bestätigen Zangs’ Stellenwert in der internationalen Kunstszene.
Des Künstlers Werke befinden sich heute in zahlreichen europäischen Museen und Sammlungen. Wie auch umliegende Kunstmuseen hat die Sammlung des Kaiser Wilhelm Museums eine Reihe von Zangswerken aufzuweisen, und die renommierte Krefelder Sammlung der Adolf-Luther-Stiftung verfügt über zahlreiche Arbeiten des Künstlers.
Nach der Ausstellung »Das offene Bild«’, 1993 im Westfälischen Landesmuseum in Münster, setzte eine neue Rezeption des Zangs-Œu­v­re ein. Den Zangs-Nachlass betreut gegenwärtig der Münchener Galerist Hans Maulberger.

IRMGARD BERNRIEDER

 

weitere Infos:
Katalog: »Herbert Zangs Einblicke«, Herausgeber: Galerie Christian Fochem und Galerie Heidefeld & Partner, Krefeld 2004/5, ISBN 3-928668-32-3
Susannah Cremer-Bermbach : Herbert Zangs (1924 – 2003). In: »Die Heimat«, Krefelder Jahrbuch, Band 75/2004, S. 104 ff