Gemeinschaft Krefelder Künstler e.V., GKK

»Dreh dich nicht um – Die Kunst geht um« und anderes mehr …

Die Gemeinschaft Krefelder Künstler, GKK, ist für Krefeld seit 1975 ein feststehender Begriff. Auf die Idee und Initiative von Paul Kamper formieren sich in diesem Jahr verschiedene Künstler zu einer Arbeitsgruppe, die als wichtigstes Kriterium die Herauslösung aus bisher praktizierter Kunst-Isolation anstrebt. Ziel ist ein gegenseitiger künstlerischer Austausch sowie die Pflege von Außenkontakten zur Krefelder Öffentlichkeit und darüber hinaus.

1981 kommt es durch Meinungsverschiedenheiten zum Rücktritt von Paul Kamper und damit verbunden beinah zur Auflösung der Gruppe. Gleichzeitig aber bietet sich hier die Gelegenheit zu einem Neuanfang mit einem neu gewählten Vorstand, der sich engagiert den Problemen stellt und darüber hinaus verstärkt Kontakte über die Stadtgrenzen hinaus forciert. Folge davon ist eine größere Akzeptanz der Künstlergemeinschaft, was 1983 zur Gruppenausstellung »Farbe bekennen« im Kaiser-Wilhelm-Museum führt. Im selben Jahr verwirklicht sich auch durch den Bezug des »Kunst-Spektrums« auf der St.-Anton-Straße 90 der lang gehegte Wunsch nach einer eigenen Ausstellungsplattform. Mit großem Einsatz und Engagement werden zwei Räume im Erdgeschoss von den Mitgliedern der GKK für Ausstellungszwecke hergerichtet und am 17. September im Rahmen der Eröffnungsausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt.

Kunst-Spektrum

Mit den Räumen auf der St.-Anton-Straße ist die GKK in der glücklichen Lage, ihr Repertoire an Aktivitäten zu erweitern. Anerkennung spiegelt sich nicht allein in der finanziellen Unterstützung durch die Sparkasse Krefeld, die 1983 eine Grundausstattung an Rahmen und Vitrinen ermöglicht, sondern auch im großen Besucherzustrom, den die GKK bis heute verzeichnen kann. Über 200 Einzel- und Gruppenausstellungen der Mitglieder lassen sich bis heute belegen, darunter einige an ein Thema wie »Masken« (1984), »Quadrat« (1987), Nebenwege (1991) oder »Viertel-Kreis« (2000) gebundene. Neben den Ausstellungen aus den eigenen Reihen finden zudem im Laufe der Jahre etliche Künstler und Künstlergruppen aus dem In- und Ausland in den Räumen der GKK ein neues Ausstellungsforum Kunst in Krefeld.

Galeriensonntag

Seit 1984 beteiligt sich die GKK mit Aktionen oder Ausstellungen am Krefelder Galeriensonntag (heute Kunst in Krefeld genannt). In der Regel werden Gäste aus anderen Städten oder Ländern nach Krefeld geladen, die an den weit über die Grenzen von Krefeld hinaus bekannten »Volkswandertag in Sachen Kunst« partizipieren. Nur wenige Male nutzen die Initiatoren der GKK dabei das Wochenende des Galeriensonntages für eigene Zwecke. So veranstalten sie mit anderen Galeristen am 10. November 1984, flankierend zur Ausstellung »Ein Jahr Kunstspektrum« unter dem Motto »Dreh dich nicht um, die Kunst geht um« eine Plakatwand-Malaktion, bei der durch 12 große Plakatwände an der Loh-/ Ecke Peterstraße für 14 Tage nicht Konsum-, sondern Kunstbedürfnisse geweckt werden sollen. Zumindest die Mitglieder der GKK initiieren mehrere Kunstmaßnahmen auf öffentlichen Plätzen der Stadt Krefeld, die, wie beispielsweise die der »Fallstudie Bahnhofsvorplatz« mit niederländischen Gästen im November 1985, Happening-Charakter erreicht.

Entwurf von K. A. Janßen zum Thema Bahnhofsvorplatz, 1986. Bildnachweis: K. A. Janßen

Entwurf von K. A. Janßen zum Thema Bahnhofsvorplatz, 1986. Bildnachweis: K. A. Janßen

Die in »die Heimat« Jg. 58/1987 nachträglich ausführlich dokumentierte Veranstaltung widmet sich auf Großfotos mal ironisch, mal kritisch dem seinerzeit entstandenen »Inselarchipel« vor dem Krefelder Hauptbahnhof auf bildnerische Weise. »Standpunkte« beziehen die Künstler kurze Zeit davor schon auf dem Theaterplatz, wo abermals mit holländischen Kollegen als »work in progress« künstlerische Positionen vor den Augen der Betrachter entstehen. Ein Jahr später treten die Mitglieder der GKK anlässlich des Galerien-Sonntages am 13. September 1986 auf dem Schwanenmarkt mit der Aktion »DENKMAL« an die Öffentlichkeit, bei der die Künstler abermals den unmittelbaren Dialog mit der Bevölkerung suchen. 1987 wiederum entstehen um die ehemaligen Rudimente der de-Greiff-Säule auf dem Platz vor der Dionysiuskirche zahlreiche »Stadtansichten«, die die Besucher dieses Galeriensonntages in ihrem Parcours zwischen den Galerien immer wieder innehalten lassen. Danach wird am 3. September 1988 »Der Ostwall als Kunst-Wall« zum Thema der GKK, die die Ideen und Vorschläge zur künstlerischen Gestaltung erst vor Ort präsentiert und anschließend vom 4. bis 18. September im Kunst-Spektrum zeigt.

Artothek

Durch die Einrichtung einer Artothek gelingt es der GKK seit 1991 die Summe der direkten Kunstkontakte zu vervielfachen. Die Idee, gegen eine geringe Gebühr ein Original zu leihen, findet spontan großen Zuspruch, wie die Frequenz der Ausleihen belegt. Unter dem Slogan »Nimm ein Original mit« wird hier der Kunst der Weg zu einer breiten Öffentlichkeit ermöglicht, wobei die Kabinettausstellungen innerhalb der Räume den Mitgliedern unter dem Titel »3 × 3« eine kleine zusätzliche Ausstellungsplattform gewähren.

CHRISTIAN KRAUSCH

Siehe auch: »Orte der Kunst« von Christian Krausch