Elisabeth Kadow

1906 bis 1979

Geboren am 19. März 1906 wuchs sie in der Familie des kunstsinnigen Architekten Jäger im norddeutschen Bremerhaven auf, und schon als 18-jährige konnte sie sich in Weimar mit der Bauhauslehre anfreunden. Die mehr technische Seite textiler Gestaltung studierte sie in Berlin und so erfolgreich in Dortmund, dass sie dort 1927 gleich als Fachlehrerin antreten konnte. Ihre wohl wichtigsten Entscheidungen traf sie, als sie 1939 Meisterschülerin bei Georg Muche an der Krefelder Textilingenieurschule wurde und 1940 den ausgebildeten Weber und Maler Gerhard Kadow heiratete: das Bauhaus hatte sie eingeholt. Seither blieb sie lehrend diesem Institut verbunden, übernahm von Muche 1958 die Leitung der »Meisterklasse für Textilkunst«, mehrte bis zum Schluss deren internationales Ansehen. Nach 1971 trieb sie ihre eigene Entwurfsarbeit energisch weiter voran; am 11. Juni 1979 starb sie in Krefeld.

"Komposition VII, Wandbehang, Entwurf E. Kadow, Ausführung H. von Portatius, 1969, Deutsches Textilmuseum Krefeld, Inv. Nr. 16273. Foto: Deutsches Textilmuseum Krefeld

“Komposition VII, Wandbehang, Entwurf E. Kadow, Ausführung H. von Portatius, 1969, Deutsches Textilmuseum Krefeld, Inv. Nr. 16273. Foto: Deutsches Textilmuseum Krefeld

Elisabeth Kadow wirkte höflich reserviert, vielleicht sogar herb, denn Überschwänglichkeit war ihr im persönlichen Umgang genauso fremd wie im künstlerischen Schaffen. Dieses setzt mit delikaten Stickereien ein und entfaltet sich in drei ansehnlichen Werkbereichen: In Tapisserien (in Verbindung mit der Nürnberger Gobelin-Manufaktur), in Seidenbehängen (in Zusammenarbeit mit der Weberein Hildegard von Portatius) und in den zehn letzten Wandteppichen (in Zusammenarbeit mit dem Weber Johann Peter Heek). Kadow beherrschte die Herstellungstechniken, kannte deren optimale Kombinationen und wusste daher die gestalterischen Spielräume zwischen System/Regel und Abweichung/Störung zu nutzen, zumal Übertragungen figürlicher Motive in textile Wandgestaltungen seit dem Aufkommen der abstrakten und konkreten Malerei entbehrlich wurden. Hier und da flossen auch äußere Anregungen in den künstlerischen Entwurf ein, etwa über Aquarelle, doch seine Bedeutung und visuellen Rang bestimmen Schraffurvarianten, Raster- und Schichtenbildungen, wohldosierte Valeurs und intelligente Farbmischungen, klare proportionale Verhältnisse. Große persönliche Erfolge konnte Elisabeth Kadow auch auf internationalen Ausstellungen und Messen erringen.

HANS JOACHIM ALBRECHT

 

weitere Infos:
Im Portal von Kunst und Krefeld e.V.
Katalog: Textilkultur in Krefeld, s. 144 ff, Herausgeber:  Kunst und Krefeld e.V. ISBN 978-3-9811973-0-3