Spiegelverkehrt

»Die jetzige Lage entspricht mehr den Anforderungen für ein Atelier«, schrieb Joseph M. Olbrich am 26. Mai 1908 an den Krefelder Museumsdirektor Deneken. Und er verdeutlichte seine schriftlichen Ausführungen am Rand des Briefbogens mit einer kleinen Handskizze.

Erstaunt stellen wir fest, dass das Gebäude an der Hüttenallee 150 nicht mit diesem von ihm unterzeichneten Plan für ein »Künstlerheim« übereinstimmt: Spiegelverkehrt ist es nämlich gebaut worden, und büßte dadurch alle, von Olbrich herausgestellten Vorteile ein. Dieser Brief, der sich mit anderen Schriftstücken und besagter Blaupause (RP vom 6. September 2008) im Archiv des Kaiser Wilhelm Museum fand, belegt zweifelsfrei, dass Olbrich die Zuwegung zum Haus an dessen Westseite anlegen wollte, dort, wo es heute zum Golfplatz geht. Der Hauseingang sollte an der waldigen Nordseite liegen, dort wo 1908 noch freies Feld war.

Somit plante Olbrich die Wohnräume im Erd- und im Dachgeschoß nach Süden, mit Blick auf den Garten hin, wo er Blumen, Stauden und Obstbäume gepflanzt sehen wollte. Wer beim Hausbau gegen den Plan des Architekten handelte, ist aus den Unterlagen nicht erkennbar. Sicherlich aber hat diese seitenverkehrte Realisierung des Olbrich-Konzepts die Qualität des Hauses, im Wohn- wie Atelierbereich, erheblich gemindert.

IRMGARD BERNRIEDER