Die Ter Meer Siedlung

Betrieblicher Wohnungsbau in Uerdingen

Namensgeber der Ter-Meer-Siedlung ist der promovierte Chemiker und Kommerzienrat Edmund ter Meer (31.07.1852-5.11.1931). Er gründete 1877 die Teerfarbenfabrik »Dr. E. Ter Meer & Cie«.

Synthetische Farbstoffe auf Anilinbasis waren zu dieser Zeit von der Textilindustrie sehr gefragt, da mit ihnen ganz andere Farbvarianten als mit Naturfarben möglich waren. Ter Meer entwickelte einen neuen gelben Farbstoff, der ihm einen ungeahnten Erfolg brachte und immer weitere Vergrößerungen des Werkes notwendig machte. 1896 verband er seinen Betrieb mit dem seines Studienkollegen Dr. Julius Weiler, der daraufhin seine Produktionsstätten von Köln nach Uerdingen verlegte. Aus diesem Betrieb entstand letztendlich das Bayer-Werk, der heutige »ChemPark«, der mit seinen Fabrik- und Kaianlagen die Uerdinger Rheinfront dominiert.

Die Industriellen dieser Zeit erscheinen aus heutiger Sicht sehr sozial geprägt. Sie kümmerten sich um die Verbesserung der Bildungs- und Gesundheitssysteme und engagierten sich oft im Wohnungsbau für ihre Mitarbeiter. Dieses Engagement beruhte aber darauf, dass Betriebe mit damaliger Hochtechnologie gut ausgebildete Facharbeiter benötigten, die nach ihrer Ausbildung auch möglichst lange im Betrieb produktiv beschäftigt werden sollten. Aus dieser Intention heraus entstand 1885 eine Betriebskrankenkasse, 1898 eine Pensionskasse sowie 1903 eine Unterstützungskasse zur weiteren Verbesserung der betrieblichen Altersvorsorge.

Ter Meer Siedlung 2015. Foto: Ralf Janowski

Ter Meer Siedlung 2015. Foto: Ralf Janowski

Der betriebliche Wohnungsbau fand im Vergleich dazu erst relativ spät statt, nämlich in den Notjahren nach dem Ersten Weltkrieg, als Wohnraum rar und kaum zu bezahlen war. Ter Meer beauftragte den renommierten Krefelder Architekten Heinrich Oediger (1865-1938) mit der Planung einer Arbeitersiedlung, die nicht nur genügend Wohnraum für die Familien der Betriebsangehörigen bieten sollte, sondern auch Flächen zur Selbstversorgung umfasste. Daher kann man hier von einer Siedlung im Sinne der Gartenstadt-Bewegung sprechen. Die Planung wurde ursprünglich auf 116 Häuser ausgelegt. 1921 wurde der Grundstein der Siedlung gelegt.

Der Uerdinger Heimatbund hat in dem Heft »Os Oeding« anlässlich des 40jährigen Bestehens der Siedlung diese anschaulich beschrieben. Sie »umfasste die Ecke Ahornstraße, dann Schützen-, Ter-Meer-, Weilerstraße und Ter-Meer-Platz mit festen Fahrbahnen, Bürgersteigen, Gas- und Wasserleitung, elektrischem Licht und Kanalanschluss; der Durchgang Weilerstraße war beiderseits mit Torbögen überbaut, Ein- und Ausgang der Ter-Meer-Straße mit Kandelabern versehen, auf dem Ter-Meer-Platz eine Grünfläche von Ahornbäumen flankiert, an der westlichen Seite der Flora-Brunnen. Diese Siedlung wurde 1922 fertiggestellt nebst schönen Gartenanlagen, Obst-, und Beerensträuchern und Ziergärten«.

Die Ter Meer Siedlung, 2015. Foto: Ralf Janowski

Die Ter Meer Siedlung, 2015. Foto: Ralf Janowski

Wegen der sich immer weiter verschlechternden wirtschaftlichen Lage der Nachkriegsjahre wurde sie aber nur in reduzierter Form gebaut. Es entstanden daher nur 62 Häuser mit insgesamt 94 Werkswohnungen. Die Backsteinbauten wurden in dem damals zeittypischen Stilmix des Historismus erbaut und weisen voneinander abweichende Details auf. Damit wird das Gesamtbild der Siedlung etwas aufgelockert. Gleichzeitig erhielten die Gebäude damit auch eine Individualität in der Gestaltung, die eher als Heimat empfunden wurden als gleichartige uniforme Gebäude. Der zentrale Platz, um den sich die Häuser gruppieren, diente als Spielwiese und Gemeinschaftsplatz. In dem westlichen Torhaus entstand zudem eine Bibliothek für die Bewohner. Die Siedlung steht seit 1994 unter Denkmalschutz. Inzwischen ist sie mit dem TÜV-Gütesiegel »Geprüfte Lebensqualität in Siedlungen« ausgezeichnet. Das damals entstandene Wohnkonzept hat sich somit bis in die heutige Zeit bewährt.

ELISABETH KREMERS

Weitere Infos: Edmund ter Meer