Siedlungen in Krefeld

Das Wort Siedlung kommt von siedeln, sich ansässig machen, bezeichnet also einen menschlichen Wohnplatz. Man unterscheidet ländliche und städtische Siedlungen mit offener und geschlossener Bauweise.

Bockum, ursprünglich ein Haufendorf, eine ländliche Siedlung mit offener Bauweise, sieht man seine Entstehung heute noch an. Die gedrängte, massive rechtwinklige Blockbebauung in Krefeld, innerhalb und außerhalb der vier Wälle, ist das genaue Gegenteil und zeigt, wie man bis Ende des 19. Jahrhunderts versuchte, Wohnen und Arbeiten in einer (Industrie-)Stadt auf engstem Raum unterzubringen.

Die durch überbelegte enge und lichtarme Wohnverhältnisse hervorgerufenen großen Beeinträchtigungen der Stadtbevölkerung ließ um 1900 eine Bewegung entstehen, die unter dem Namen Gartenstadt nicht nur in Deutschland und später hier dann unter Bezeichnungen wie »Heimstätten« den Menschen Möglichkeiten geben wollte, in Siedlungen zu leben, in denen das Einzel- oder Doppelhaus mit großem Garten vorherrschen sollte. Für weniger bemittelte Kreise sollten sie bei sparsamer Bauweise, häufig auch mit Eigenleistung preiswert hergestellt werden und wohnlich und hygienisch einwandfrei sein. Es liegt auf der Hand, dass für solche Siedlungen freies, aber auch bezahlbares Gelände gesucht werden musste. Die Nutzgärten, oft 1000 oder mehr Quadratmeter groß, sollten dazu dienen einen beträchtlichen Teil der Nahrung selber zu erzeugen und darüber hinaus den Bewohnern, falls sie auch anderweitig berufstätig sind, Gelegenheit geben, sich durch Bewegung in freier Luft zu erholen, nach 1933 sollte der »deutsche Arbeiter« hier wieder eine Verbindung »mit der heimatlichen Scholle« bekommen.

Schon direkt nach dem Ersten Weltkrieg wurden, um die große Wohnungsnot zu lindern, aber auch um den vielen Arbeitslosen und Kriegsversehrten neue Möglichkeiten zu geben, zahlreiche private »Siedlungsgesellschaften« gegründet. Es gab sie auf religiöser oder auch parteipolitischer Basis. In Form einer AG oder Genossenschaft waren sie gemeinnützig oder auf Gewinn, zum Beispiel durch Vermietung ausgerichtet, aber auch Industriebetriebe und öffentliche Körperschaften errichteten »Heimstätten« für ihre Mitarbeiter, die zum Teil gegen unkündbare Bodenrenten ausgegeben wurden.

Nicht jede Siedlung war ein Projekt in diesem Sinn. Die »Hindenburgsiedlung«, später Siedlung Kempener Feld, war ein ehemaliges Barackenlager mit Notkirche und Kindergarten in dem nach 1923 gut 300 Familien lebten. In dieser Zeit und auch in den Jahren danach entstanden auch in Krefeld eine ganze Fülle Ansiedlungen, die noch heute bestehen. Viele sind, trotz oder gerade wegen sparsamster Verwendung vorbildlich und stehen deshalb heute mit Recht unter Denkmalschutz. Einige sind ganz klein und bestehen nur aus einer Straße wie beispielsweise die Siedlung Egelsberg (1932) andere bilden schon fast ein ganzes Dorf mit Gemeinschaftsgebäuden und Einkaufsmöglichkeiten wie Lindental (ab 1920 bis 1939). Manche entstanden noch innerhalb des Stadtgebietes, wie beispielsweise die Gabelsbergerstraße (1922) eingeklemmt zwischen Eisenbahndamm und Gutenbergstraße und andere wuchsen am äußersten Stadtrand. Im Volksmund wurden sie dann Hippe- oder Jietebocksiedlung genannt, nach der Hausziege, die dort mit der Kleintierhaltung gefordert war. Aber das ist lange her.

Quelle: Brockhaus in vier Bänden, Leipzig 1923

GEORG OPDENBERG