DIE GARTENSTADT

Ein Krefelder Ortsteil im Grünen

Da wo sich heute der Ortsteil Gartenstadt befindet, erstreckte sich früher der Krefelder Flughafen. An ihn erinnert heute noch ein Gedenkstein, den der Bürgerverein Gartenstadt 1991 gestiftet hat.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von der Stadt Krefeld die Wirtschaftsförderung energisch vorangetrieben. Man versuchte dabei, die Stadt von der reinen und damit krisenanfälligen Textilstadt auf ein breiteres Fundament zu stellen. Der Bau des Krefelder Hafens und der Husarenkaserne, beide 1906, fallen mit unter diese Bemühungen, die auch zum Bau eines Flughafens führten. Die Verhandlungen mit den Grundeigentümern über den Ankauf des Geländes zogen sich immer weiter in die Länge. Durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges entstand daher erst 1916 eine Militärfliegerstation mit den entsprechenden Betriebsgebäuden. Hier wurden auch die beiden Fliegerasse Emil Schäfer und Werner Voss ausgebildet. Zwei Straßen in Gartenstadt erinnern heute noch an diese beiden Weltkriegsflieger.

Krefelder Flugplatz 1927. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Luftbild Kern, Fotobest., Obj.-Nr. 2378 – 18531

Krefelder Flugplatz 1927. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Luftbild Kern, Fotobest., Obj.-Nr. 2378 – 18531

Nach dem Krieg übernahmen die Besatzungsmächte den Fliegerhorst. Erst nach deren Abzug 1926 ging das Gelände wieder an die Stadt Krefeld. Der zivilen Luftfahrt stand nun zwar nichts mehr im Weg, aber die Entwicklung führte dann letztendlich zum Ausbau des Düsseldorfer Flughafens als Verkehrsflughafen, obwohl die Deutsche Lufthansa den Krefelder Flugplatz über etliche Jahre im Linienverkehr bediente. Ab 1936 stand dann die Nutzung als Militärflugplatz im Vordergrund. In der Nachkriegszeit verlor der Platz seine Bedeutung, da seine Start- und Landebahnen zu kurz waren. Das Gelände lag daraufhin brach.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die Wohnungsnot enorm. Durch den Bombenkrieg mit seinen Zerstörungen kamen die Flüchtlinge aus den östlichen Gebieten, die untergebracht werden mussten. Anfangs rückte man enger zusammen, was auf Dauer aber nicht zumutbar war. Es musste dringend neuer Wohnraum geschaffen werden. Für den Bau eines neuen Stadtteils bot sich das Gelände des ungenutzten Flughafens geradezu an. Im September 1947 wurde bei der Militärregierung bereits der Antrag auf Freigabe zum Wohnungsbau gestellt. Aber erst 1950 folgte die Militärregierung dem Antrag und gab den nördlichen Teil zur Bebauung frei. Die Vermessungsarbeiten wurden umgehend aufgenommen und ein Bebauungsplan erstellt, so dass 1953 mit den Bauarbeiten an dem neuen Stadtteil begonnen werden konnte.

Blick auf Gartenstadt mit Lukaskirche, 1973. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest., Obj.-Nr.11009-10-15703

Blick auf Gartenstadt mit Lukaskirche, 1973. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest., Obj.-Nr.11009-10-15703

Bei der Anlage des neuen Stadtteils hat man moderne Erkenntnisse des Wohnungsbaus berücksichtigt und sehr viel Wert auf eine intensive Durchgrünung des neuen Stadtteils gelegt. Daher erhielt der Stadtteil den Namen Gartenstadt, obwohl er nicht nach den Forderungen der Gartenstadt-Bewegung gebaut wurde. Man versuchte zwar auch eine räumliche Nähe von Arbeit und Wohnen zu schaffen, als man das benachbarte Gewerbegebiet anlegte. Es musste aber viel mehr Wohnraum geschaffen werden, als im normalen Siedlungsbau möglich gewesen wäre. Daher entstand Gartenstadt als eigener Stadtteil mit einer kompletten Infrastruktur, die von der Kirche bis hin zu Einkaufsmöglichkeiten reicht. Besonders erwähnenswert ist dabei die katholische Pfarrkirche St. Pius X. Sie wurde 1967/68 nach den Plänen des Architekten und Stadtplaner Josef Lehmbrock (1918-1999) erbaut und erhielt 1969 die Auszeichnung vom Bund Deutscher Architekten als vorbildliches Bauwerk der Nachkriegszeit.

ELISABETH KREMERS

 

weitere Infos:
Kurt Hausmann und Lydia Zöller:  Gartenstadt/Elfrath – ein neuer Krefelder Stadtteil.
In: Die Heimat, Krefelder Jahrbuch, Band 61/1990, S.93 ff