Bernhard Pfau: Der Neubau der Textilschule

Der Text, in dem sich der Architekt Bernhard Pfau über seinen prämierten Wettbewerbsentwurf zum Neubau der neuen Krefelder Textilingenieurschule äußert, wurde entnommen aus »Krefelder Konturen«, herausgegeben vom Oberstadtdirektor der Stadt Krefeld, 1954

Textilingenieurschule am Frankenring 1955. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest., Obj.- Nr. 14430-3027-45

Textilingenieurschule am Frankenring 1955. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest., Obj.- Nr. 14430-3027-45

»Die wesentlichen Merkmale des Entwurfs liegen darin, daß das gestellte umfangreiche Programm sich in wenigen klaren, einfachen Baukörpern konzentriert, die ihrerseits wieder das Schwergewicht im Haupteingang haben, der zugleich mit einer Ausstellungshalle und dem Aufgang zum Auditorium Maximum verbunden ist.
Im Zusammenhang, aber etwas herausgelöst, entsteht ein zehnstöckiges Gebäude, die Textilforschungsanstalt, so daß der Gesamtkomplex, insbesondere durch das Freilassen von Grünflächen mit altem Baumbestand und durch vollständiges Öffnen einzelner Gebäudeteile im Erdgeschoß, eine neuartige städtebauliche Anlage zeigt. Diese Art des Bauens steht im Gegensatz zu m. E. nicht mehr vertretbaren städtebaulichen Ansichten, die leider heute immer noch die »Korridor-Straße« gelten lassen. Die hier bei der Textilschule vorgeschlagene und endlich durchgeführte offene Bauanlage hat außer der freien lockeren Baukörperkomposition, bei welcher Freiflächen die Baukörper und Baukörper die Freiflächen gegeneinander steigern, natürlicherweise auch verkehrstechnische Vorteile. Man kann von allen Straßenseiten an- und abfahren und den zur Gesamtanlage gehörenden Parkplatz durch Unterfahren der offenen Gebäudeteile erreichen und verlassen.

Es sei auf das völlig freischwebende und nur auf vier Stützen stehende Auditorium, das ich als Überdeckung des Haupteinganges mit heranziehe, nur hingewiesen, obwohl viele Betrachter der Meinung sind, dies wäre eine Hauptsache.
Die äußere Erscheinungsform des Bauwerks ist das Resultat des Gruppierens der inneren Räume um einen großen Innengarten, der Ruhe und Konzentration gewährt, und die selbstverständliche Rücksicht auf die Sonnenlage in Beziehung zu den Räumen und Raumgruppen.

Eine Schule, in der intensiv gearbeitet wird, muß sich gegen die Straße abschirmen. Bei der Textilingenieurschule ist das wegen des starken Verkehrs auf dem Frankenring besonders wichtig. Der Schall-Schirm wird ganz einfach dadurch erzielt, daß alle Treppen, Wandelgänge und Flure, hinter Glaswänden sichtbar, zur Straße liegen, während die Arbeitsräume in den Innenhof blicken. Die äußere Front, spitzwinklig zur Straße, wird von einer Wand aus Spiegelglas gebildet, die es ermöglicht, wie bei einem übergroßen Schaufenster die Leistungen der Schule und der ganzen Seidenstadt in langwallenden Vorhängen über ganze Stockwerke als ein farbig-festliches Bild wirklich jedem Straßenpassanten zu zeigen und werben zu lassen.
Der Aufgeschlossenheit und dem Verständnis der Krefelder Industrie und der Verwaltung der Stadt wird es zu danken sein, wenn das Werk zu dem erwarteten guten Ende gebracht werden kann.«

BERNHARD PFAU