Tipp 1. bis 30.4.2019

Kulturtipp April 2019-Juergen Sauerland-Freer © Jürgen Sauerland-Freer – der Kulturbüro- und Fachbereich Kultur der Stadt Krefeld-Leiter, wurde im Februar 2019 offiziell von Oberbürgermeister Frank Meyer aus seinem Amt verabschiedet und scheidet Ende April aus seinem Amt aus, nachdem er mehrfach seine Pensionierung verschoben hatte. Für die freie Kulturszene immer ein verlässlicher und hochgeschätzter Ansprechpartner, liegt ihm persönlich besonders der Zeitgenössische Tanz am Herzen: So hat seine Arbeit dazu beigetragen, Krefeld mit zu einem der wichtigsten Tanz-Standorte in Nordrhein-Westfalen zu machen.
Der berufliche Werdegang führte ihn zuerst ins Sauerland – später dann 1988 kam er nach Krefeld. Dort begann er im Kulturamt und wurde dann Leiter des Kulturbüros, welches er nun seit über 20 Jahren leitet. Seine Ruhe und Erfahrung, sein kluger Pragmatismus und seine Freundlichkeit haben ihm noch einen Spezialauftrag eingebracht: Seit April 2018 leitet er zudem den neu gegründeten Fachbereich Kultur. Er ist somit das wichtigste Bindeglied zwischen dem Kulturdezernenten und allen Instituten, also den Museen, der Mediothek, der Musikschule und dem Stadtarchiv.

Wir freuen uns, ihn für einen abschließenden Kulturtipp gewonnen zu haben!
(d. Redaktion)

Hier seine Tipps für April:

Die Fülle des Angebots macht es so außerordentlich schwer, sich zu entscheiden – folglich eine nur sehr private Empfehlung, dies sei betont:
Selten war sein interessanter fotografischer Blick bislang in der Öffentlichkeit zu sehen, jetzt bietet sich am Sonntag, den 7. April die Möglichkeit, den Graphiker Horst Klein als Alumnus des Fachbereichs Design im Rahmen des A-Gangs mit seinen skurril-dokumentarischen Beobachtungen Rotkäppchen Romanesc in der Pförtnerloge der Fabrik Heeder zu erleben, von 11.00 bis 18.00 Uhr.

Als ein Stück über das Ende der jugendlichen Sorglosigkeit beschreibt sich WASTED von der britischen Rapperin, Lyrikerin und Autorin Kate Tempest, das von Judith Holofernes übersetzt und von René Linke für das KRESCHtheater fulminant inszeniert wurde. Eine in typische KRESCH-Manier gefärbte Theaterproduktion im Spannungsfeld von Selbstzweifeln und Hoffnung – ab 14+ am Sonntag, den 7. April um 19.00 Uhr in der Fabrik Heeder – ein zeitgemäßes, wichtiges Stück!

Jeden Freitag um 22.00 Uhr. Diese Anfangszeit gibt es nur exklusiv im Fischelner Theater am Marienplatz. Auf dem sich der klassischen Avantgarde und der zeitgenössischen Musik verpflichteten Programm steht BESTIARIUM (1976) AUCH WIR SPIELEN MÄRCHENHAFT Sechs Deutsche Märchenbilder.
Aber dann im Mai: ‚80 Sächelchen‘ mit 80 Sachen. Der Vorgriff sei erlaubt: Pit Therre, herzlichen Glückwunsch zum 80. Geburtstag. Nie aufhören!

Ach ja, das Theater Blaues Haus in Hüls, alle seine April-Spieltermine sind schon so gut wie ausverkauft, also bemühe man sich demnächst ganz früh um Karten, ein Besuch lohnt immer sehr in diesem wundervollen, generationenübergreifenden Figurentheater.

Mein erster musikalischer Tipp des Monats: Wohl wenig dürfte mithalten können, wenn das Provinztheater in der Kulturrampe auftritt. Eine unvergleichliche Symbiose! Mehr muss wirklich nicht gesagt sein zu diesem einzigartigen Konzert! Also: Freitag, 12. April ab 21.00 Uhr!

Mein zweiter musikalischer Tipp des Monats: Die globalpolitische Bedeutung des Jazz am UNESCO INTERNATIONAL JAZZ DAY, seit 2011 von Herbie Hancock ausgerufen, wird jedes Jahr am 30. April auch vom Krefelder Jazzklub ab 20.00 Uhr im Rittersaal der Burg Linn betont, dieses Mal mit Konzerten von Aki Takase – JAPANIC und Kaufmann/Gratkowski/de Joode – Jazz als universelle Sprache für Freiheit, Individualität und Vielfalt.

Es ist Frühling. Da mag sich der Blick auch einigen kulturhistorischen Schätzen widmen und erfreuen, die sich durch Kunst, Architektur und gestaltete Natur unter freiem Himmel offenbaren.
Pax Christi präsentiert im Kirchenraum und im zugehörigen Park eine beeindruckende Sammlung moderner Kunstwerke. Informationen und Erläuterungen findet man gleich hier ein paar Seiten weiter unter Pax Christi/Kunst.

Gleich mit acht historischen Parks und Gärten ist Krefeld in der Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas vertreten. Es sind der Burgpark Linn, der Greiffenhorstpark, die Gärten Haus Esters/Haus Lange, der Park Heilmannshof, der Schönhausenpark, der Schönwasserpark, der Sollbrüggenpark, der Stadtwald – Natur und Kultur, eng miteinander verschmolzen.

Zwar nicht so bedeutend wie die zu Recht im Bauhaus-Jahr in den Fokus gehobenen Krefelder Mies van der Rohe Bauten präsentiert sich in Uerdingen die der Gartenstadt-Bewegung zuzurechnende und fortlaufend bewohnte Ter-Meer-Siedlung. Die 1922 fertig gestellten 62 Häuser – mit gestalterischem Anklang an den Historismus – bildeten für die Werksangehörigen ein interessantes bauliches wie soziales Ensemble mit gleichermaßen Raum für Individualität wie Gemeinschaft. Ein architekturhistorisches Juwel.

Wer jetzt trotzdem – selbst in der artothek für seine Wände nichts findet, tanze einfach am Ende des Monats in den Mai! Ich verabschiede mich dann zeitgleich aus meinem Berufsleben und lege allen diese wunderbare und vielfältig erlebbare Kunst- und Kulturlandschaft Krefelds auch weiterhin dringend ans Herz. Ahoi! Jürgen Sauerland-Freer