»Eine Zierde dieser Stadt«

Das Kaiser Wilhelm Museum in der Stadtgeschichte

». . . zur Pflege von Werken des Friedens, der Kunst, Bildung und Gesittung.«

Mit Muscheln und Schnecken fing alles an. Genau genommen mit der Sammlung des Samtfabrikanten F.W. Hoeninghaus, der seine Conchylien, Fossilien und Mineralien mit der dazu gehörenden Fachbibliothek 1856 der Stadt Krefeld vermachte, »zur Begründung eines Instituts, das in weiterer Ausbildung dermaleinst eine Zierde unserer Stadt werden dürfte.« Die Stadtverordneten ließen sich’s gefallen und brachten die Stiftung in einem Schulzimmer der Provinzial-Gewerbeschule unter. Aber der Gedanke eines Museums für Krefeld war in der Welt und fand im Crefelder Handwerker- und Bildungs-Verein starke Befürworter. Sein Vorstandsmitglied, der Architekt Hugo Koch, forderte 1880 die Krefelder öffentlich zum Bau eines Gewerbemuseums auf. »Andere Städte und Völker« hätten schon den Nutzen einer solchen Einrichtung etwa im besseren Absatz ihrer Industrieerzeugnisse, erfahren

Kaiser Wilhelm Museum um 1904, erbaut 1894/97 nach den Plänen von Hugo Koch. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest. Obj.-Nr. 15245-13733

Kaiser Wilhelm Museum um 1904, erbaut 1894/97 nach den Plänen von Hugo Koch. Foto: Stadtarchiv Krefeld, Fotobest. Obj.-Nr. 15245-13733

Drei Jahre später, am 7. März 1883, wurde ein selbstständiger Museumsverein ins Leben gerufen. Um »kunstgewerbliche Vorbilder und Gegenstände« anzuschaffen, schenkte der Mutterverein seinem Ableger 1000 Mark. Eine Ausstellung von Kunstwerken aus Krefelder Privatbesitz, nur vier Monate später in der Stadthalle, brachte dem Museumsverein unerhörte Popularität und ließ die Mitgliederzahl in die Höhe schnellen. Bei einem Mindestmitgliedsbeitrag von drei Mark verzeichnete der Verein 1884 bereits  3000 Mark Jahreseinnahmen. Eine kunstfreudige und spendenwillige Bürgerschaft glühte für ihr Museum. »Vorbilder alter und neuer Kunst« zu erwerben, galt dem Vorstand als Hauptanliegen. Es gab wenig, was nicht gesammelt und katalogisiert wurde: Altertümer (aus den Grabungen Gellep und Asberg) und Bücher (für eine städtische Bücherei).

Um den rasch wachsenden Bestand Besuchern zeigen zu können, stellte die Stadt die Schule am Westwall zur Verfügung, wo am 13. September 1885 das erste Museum eröffnet wurde.

Als am 9. März 1888 der außerordentlich populäre Kaiser Wilhelm I starb, wollten Krefelder Bürger ihm ein Denkmal errichten und spendeten dafür große Summen. Dr. H. Keussen formulierte schließlich die Idee, an Stelle des üblichen Gedächtnismales ein monumentales Gebäude zu errichten: Ein Kaiser Wilhelm Museum »zur Pflege von Werken des Friedens, der Kunst, Bildung und Gesittung.«  Bis Ende des Jahres spendeten Krefelder Bürger 365 000 Mark. Hugo Kochs Entwurf, der das Kaiserstandbild im Innern des Gebäudes vorsah, setzte sich durch. 1894 begann der Bau auf dem Karlsplatz, am 6. November 1897 wurde das Kaiser-Wilhelm-Museum eröffnet.

Schon 1896 hatte der Museumsverein seine umfangreichen Sammlungen der Stadt übergeben und um die Berufung eines Fachmannes zum Museumsdirektor gebeten. Dr. Friedrich Deneken trat sein Amt am 1. Juli 1897 an. Der Museumsverein zählte damals 1293 Mitglieder und wuchs, obwohl der Mitgliedsbeitrag auf fünf Mark erhöht wurde, bis Ende 1900 auf 1431.

IRMGARD BERNRIEDER