Tipp 1. bis 31.5.2016

Photo © Brigitta HeidtmannBrigitta Heidtmann, Jahrgang 1960, hat nach einer Ausbildung zur Keramikerin an der Fachhochschule Niederrhein Design studiert und 1991 ihr Atelier in der Ateliergemeinschaft Luisenstraße in Krefeld bezogen. Neben ihrer eigenen künstlerischen Tätigkeit, die sich im Bereich Zeichnung/Objekt/Raum ansiedelt, entwickelt sie Ausstellungsprojekte – so u. a. die mit Claudia Reich gemeinsam organisierte Reihe »Pförtnerloge – raumbezogene Kunst« in der Fabrik Heeder.
Von 2007 bis 2012 war sie Vorsitzende des BBK Niederrhein. Sie ist Gründungsmitglied von KULTUR IN KREFELD und initiierte dort zusammen mit Doris Kaiser den KULTUR INDEX KREFELD, der einen kulturgeschichtlichen Überblick über Krefelds Kulturlandschaft bietet.

Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in der Galerie Christian Fochem, Kunsthandlung Steinbach, Galerie Wallstraße Mönchengladbach, Museum Kalkar, Gerhard-Marcks-Haus Bremen, Nümbrechter Kunstverein und der Großen Kunstausstellung NRW/Museum Kunstpalast Düsseldorf.

Hier Ihre Tipps nicht nur für den Monat Mai:

»Krefelder Stadtkultur«
Manchmal erweist es sich als Glück, zum Aufräumen gezwungen zu werden: Als kürzlich unser Vermieter Renovierungsarbeiten im Atelier ankündigte – und dann ausgerechnet im Lagerraum – begaben wir uns daran, all die gestapelten und vergrabenen Dinge in die Hand zu nehmen und uns die schon etwas abgegriffene Frage zu stellen: Ist das Kunst oder kann das weg? Neben Erinnerungen an eigene Tätigkeiten entdeckte mein Kollege Karl-Heinz Bongartz, seines Zeichens Jäger und Sammler, beim Durchforsten seiner zugegebenermaßen zahlreichen Kartons einen ganzen Satz der Krefelder Kulturzeitschrift »Stadtkultur«. Freundlicherweise hat er diese Cover alle eingescannt und dem KULTUR INDEX zur Verfügung gestellt.
Die »Krefelder Stadtkultur« existierte als Kultur-Zeitung mit kulturpolitischem Anspruch in Krefeld von 1987-93. Ich finde, die Zeitung ist in vielerlei Hinsicht bis heute unübertroffen, und es lohnt sich ein Blick auf die Titelbilder mit den damaligen Themen (die zum Teil immer noch ihre Relevanz haben) sowie den lesenswerten Artikel von Klaus M. Schmidt-Hertzler zur Geschichte des Magazins der freien Szene.
Überhaupt waren die 80er Jahre eine Aufbruchszeit, in der einige Krefelder Kulturinstitutionen neu entstanden sind, so auch die Artothek, in der ich seit Anfang dieses Jahres arbeite. Bei der Gemeinschaft Krefelder Künstler – GKK angesiedelt und unterstützt vom Kulturbüro der Stadt, existiert sie tatsächlich nun 25 Jahre (!), und es scheint so zu sein, dass viele Krefelderinnen und Krefelder nichts von dieser Einrichtung wissen oder sie vergessen haben. Für geringe Gebühren lassen sich dort Originalkunstwerke bis zu einem halben Jahr ausleihen und man kommt so in den Genuss von Kunst in den eigenen vier Wänden. Ca. 600 Arbeiten von Krefelder Künstlerinnen und Künstler und aus anderen Städten sind vorhanden. In diesem Jahr werden im Hintergrund viele Neuerungen realisiert, auch soll der gesamte Bildbestand aktualisiert werden, sodass es wieder viel Neues zu entdecken geben wird.
Öffnungszeiten sind jeweils montags und donnerstags von 16.00 – 20.00 Uhr (außer in den Oster- und Sommerferien).

Fast täglich radele ich auf meinem Weg in die Stadt an der Skulptur »Building from the inside« des britischen Künstlers Richard Deacon vorbei. Deacon hat die Skulptur seinerzeit bewusst für den Voltaplatz entwickelt und installiert, eigentlich keine Gegend zum Verweilen und ein unprätentiöser Ort für eine künstlerische Arbeit im Außenraum. Umso sympathischer erscheint mir die Wahl des Künstlers: umbrandet von einem Drei- oder sogar Viereck an Bahn- und Autoverkehr und fast tangiert von der U 76 nach Düsseldorf, öffnet und schließt sich die 6 m hohe Arbeit je nach Blickwinkel der Vorbeifahrenden. Nicht von ungefähr bezeichnen die Krefelder die organische Stahl-Skulptur als Doppelohr, das zur Stadt hin horcht. Ich empfehle einmal Fahrrad oder Auto stehen zu lassen und sich zu Fuß auf den Voltaplatz zu begeben, um in den Innenraum der Skulptur zu treten: tatsächlich tut sich dabei ein völlig anderer Blick ins Skulptur-Innere, aber auch in die Umgebung auf, und der Lärm der Stadt reduziert sich so, dass man eine Weile innehalten mag. Es lohnt sich, vor allem, nachdem die Skulptur im vergangenen Jahr gereinigt wurde.

Seit einiger Zeit existiert die kleine private Kunst- und Kulturinitiative 35blumen. Von Ulrike Oppel initiiert, hat sich der für Ausstellungen und Aktionen genutzte Raum in der Blumenstraße zu einem quirligen Treffpunkt für ungewöhnliche Kunstereignisse, Kurzfilmwochenenden, Lesungen und sogenannte Wochenendlabore entwickelt. Unter der Reihe Positionen finden bei 35blumen regelmäßig Vorträge, Diskussionen und Filmvorführungen zu politischen Themen statt. Neben Einzelausstellungen ist das Mitmachen von allen die Interesse haben, ein wichtiger Konzeptteil bei 35blumen. Im Mai nun werden zu 100 Jahre DADA Lesungen im freien Fall, Workshops und Performances zu sehen sein: so am 6. Mai ein Kostümball mit DJ Reverend Love oder am 20. Mai Nadan und Dada mit Keenich JARI und Kanzler RoN. Über den Kultur-Ticker wird man sicherlich mehr erfahren, was die »Anpassung an Nichts« und »Didi und Dodo und der Dada« betrifft. Dada ist eines natürlichen Todes gestorben, aber Impulse von Dada leben weiter. Daran wollen wir mit unserer Veranstaltungsreihe erinnern, sagen die Macher von 35blumen.

Das Krefelder Theater am Marienplatz – TAM mit seinem Freitag-Nacht-Programm ist um 22.00 Uhr nicht unbedingt meine Zeit, aber es lohnt sich jedes Mal, wenn ich mich dann doch vom Sofa hochgerappelt habe. Das TAM hat sich seit seiner Gründung im Jahr 1976 in kontinuierlicher Arbeit auf wenig bekannte sowie zeitgenössische Werke spezialisiert. Gespielt werden in erster Linie Literaten und Komponisten des 20. und 21. Jahrhunderts. Unter den in sich sehr verschiedenen Inszenierungen sind viele Ur- und Erstaufführungen, so steht es auf der TAM-Webseite. Der sensationelle Eintrittspreis von 5,- € sei hier noch erwähnt.
Die Spielzeit 2015/16 steht unter dem Thema Alphabet, dem »ABCdarium«. Die »Alphanbet-Werkstatt« im Februar von und mit Gereon Bründt näherte sich dem Thema handfest, denn die einzelnen Buchstaben wurden unter Staub und Lärm aus passenden Materialien am Werktisch hergestellt: A für Aluminium, B für Bauschaum, T wie Trittschalldämmung oder V wie Vinylboden. Im Mai wird Rühmliches von Gerhard Rühm zu sehen sein, hier geht es los mit: »AB-Leiter« für Klavier und Sprechstimme (1978) über »Beethoven geht vorüber« (1970), »Kitzel zwischen Käse und Kuchen – eine Völlerei« (1984), »Querdarmsenkung« bis zu »Zweifel« (1958). Genaue Daten sind auf der TAM-Webseite zu finden.

Zum Schluss noch ein Blick über den Tellerrand, schließlich wird ja als Vorteil des Krefelder Wohnsitzes gerne hervorgehoben: wie schnell man die umliegenden Städte und Metropolen erreichen könne … also auf nach Duisburg, wo seit 1980 das Künstler- und Atelierhaus Goldstraße 15 existiert.
In Nachbarschaft des zentral gelegenen Dellplatzes mit kommunalem Kino, Brauhaus, thailändischer Schnellküche und Kabarett werden hier von den im Haus ansässigen Künstlerinnen und Künstlern regelmäßig Ausstellungen mit KollegenInnen von außerhalb organisiert. Vom 29.4. bis zum 13.5.2016 zeigt die Duisburger Künstlerin Kerstin Müller-Schiel »chemical beauties«. Am 6. Mai 2016 um 19.00 Uhr findet ein Künstlergespräch statt, später legt DJ Pete von der Silberfuchs Connection auf. Die Finissage ist am 13. Mai um 19.00 Uhr. Am Samstag, 21. und Sonntag, 22. Mai 2016 beginnt dann auch der schon fast traditionelle GOLDVERKAUF  Samstag 16.00 – 20.00 Uhr | Sonntag 12.00 – 18.00 Uhr. Über weitere Daten können Sie sich auf der Webseite des Künstler- und Atelierhaus Goldstraße 15 informieren.

Schließen möchte ich wieder mit einem Kulturmagazin – quasi als Pendant zum Krefelder »Streuner« wird in diesem Jahr die dritte Ausgabe des Duisburger »Streif« fertiggestellt – allerdings nur als Printausgabe.