Tipp 1. bis 31.5.2015

Kulturtipp Mai 2015-Johannes Floehr Johannes Floehr, Krefelder mit Jahrgang 1991, schreibt Kurzgeschichten und liest diese vor. Inzwischen ist er in über einhundert Städten mit seinen Texten aufgetreten, 2014 gewann er den Jugendliteraturpreis »Compete« des Heinrich-Heine-Instituts.
In Krefeld organisiert und moderiert er den monatlichen Poetry Slam »Papp a la Papp« im Jules Papp, wo auch die regelmäßige offene Schreibwerkstatt mit dem Namen »SchreibTisch« stattfindet.
Kurzzeitig war er versehentlich nach Paderborn ausgewandert, um dann festzustellen, dass Krefeld zwar auch nicht New York, aber wenigstens Heimat ist.

Hier seine Empfehlungen für den Mai:

Freitag 8.5.2015 – Premiere »Sprachspiel – Spielsprache«   19.00 Uhr   im KRESCHtheater   Fabrik Heeder, Virchowstraße 130
Ich zitiere zu Beginn einmal den Ankündigungstext:
»Was wolltest Du schon immer mal sagen? Und wem? Was bleibt lieber unausgesprochen? Was möchtest Du nicht hören? Was wird Dir viel zu selten gesagt? Und was ist eigentlich Dein Lieblingswort? Was passiert, wenn wir im Spiel mit Worten unsere konventionelle Weltsicht einmal spielerisch außer Kraft setzen? Und was heißt das für unser Handeln, wenn unsere Ausdrucksweise unsere Weltsicht prägt? Lerne neue Sprech- und Handlungsweisen kennen sowie die Möglichkeit, anders zu denken.»
Unter der Leitung von Anna Brass spielen insgesamt – ich habe nachgezählt – zweiundzwanzig Jugendliche in diesem komplett neuen Stück mit. So recht mag der Text ja nicht erklären, worum es jetzt ganz genau geht, aber – und da lehne ich mich hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster – es hat wohl mit Sprachspielereien zu tun und da bin ich natürlich gleich ganz Ohr. Wird es Schüttelreime geben? Konkrete Poesie? Dadaismus? Ich habe keine Ahnung, weswegen ich mich umso mehr auf die Premiere freue.

Sonntag 17.5.2015 – Pilot der Lesebühne »Seltsamstraße«   19.00 Uhr   im Jules Papp   Königstraße 153, 47798 Krefeld
Obacht, Eigenwerbung! Am 17.05. startet Krefelds einzige und beste Lesebühne! Sie trägt den Namen »Seltsamstraße« und besteht aus Michael Heide (Köln), Sandra Da Vina (Essen) und meiner Person. Gemeinsam werden wir Texte vortragen, Spökes betreiben und ich kann versprechen, dass es sehr gut gewesen sein wird. Wir kennen uns von vielen gemeinsamen Poetry Slams und – ich hoffe, die beiden lesen hier nicht heimlich mit – ich bin sowieso schon immer Fan ihrer Texte gewesen. Michael Heide etwa hat das Schreiben beneidenswert »runder« Kurzgeschichten mit teils düsterem, morbiden Charakter nahezu perfektioniert. Dabei schafft er es dann auch noch, humoristische Klänge in seine Texte einzuweben, sodass man sich manchmal gruselt und gleichzeitig amüsiert. Keine Ahnung, wie er das hinbekommt. Er ist ein Guter, der Michael. Die Essenerin Sandra Da Vina hingegen liest zumeist lustige Texte vor. Was zunächst despektierlich klingt, aber nur als Lob zu verstehen ist. Sie hat vielen anderen Entscheidendes voraus: Sie ist tatsächlich lustig! Überzeichnungen, im positiven Sinne bescheuerte Gedankengänge, obskure Begebenheiten irgendwo zwischen Alltag und Fantasiewelt – finde nicht nur ich überaus knorke, sondern das Publikum auch: 2014 gewann sie die nordrhein-westfälischen Poetry Slam-Meisterschaften in Mönchengladbach. Zum Beispiel knapp gegen mich. Achso, ja, ich bin auch dabei. Ich bin auch in Ordnung. Und für die »Seltsamstraße« erwarte ich Chaos. Ich erwarte schlechte Wortspiele. Ich erwarte Literatur, von der man durchaus sagen kann: Jau, finde ich ganz gut. Kurz: Ich erwarte alles. Also auch Sie. Kommen Sie! Oder, um es mit den Muppets zu sagen: »Schmeißt euch in Frack und Fummel / Vorhang auf und: Hallo! / Freut euch auf Spaß und Rummel / bei unserer Leseshow.« Tickets gibt es direkt im Papp, erhältlich für erschwingliche sechs Euro im Vorverkauf. Applaus, Applaus, Applaus!

Samstag 23.5.2015 – KFC Uerdingen 05 – Fortuna Düsseldorf   U23   14.00 Uhr   im Grotenburg-Stadion
Man muss sich nicht verbiegen oder verheben, um auch dem Fußball etwas Kulturelles abzugewinnen. Fußball ist unfair, irrational, kann Freude bereiten, muss aber nicht. Er kann schönere Geschichten schreiben als die allermeisten Schriftsteller. Was vielleicht zuletzt leider weniger für die Fußlümmelei in Krefeld galt. Aber! Dieses Spiel gegen die zweite Mannschaft aus dieser seltsamen Stadt, in die man mit der Rheinbahn fahren könnte, wenn man denn wollte, ist der letzte Spieltag der Regionalliga West in dieser Saison. Während ich diese Zeilen tippe, steckt der KFC noch mitten im Abstiegskampf. Ein Abstieg wäre unfair und würde mir keine Freude bereiten. Und er wäre fatal für die hiesige Fußballkultur. Streichen sie im vorherigen Satz den »Fußball« und Sie werden sehen, wieso diese Veranstaltung hier bei den Kulturtipps seine Daseinsberechtigung hat. Pardon, ich finde Fußball richtig, richtig gut, falls dies noch nicht verständlich gemacht wurde. Um diese Sportart endgültig zu überhöhen noch folgende Aussage: Ein Fußballverein trägt immens zur Identitätsbildung einer Stadt bei. Wovon wir in Krefeld zweifelsfrei noch einiges gebrauchen können, denn wie schon die »ZEIT« neulich leider korrekt feststellte, gehört die Eröffnung eines Billigklamottengeschäftes bei uns zu den Höhepunkten eines Jahres. Warum nicht stattdessen ein Erfolg beim Fußball? Je mehr Zuschauer zu den Heimspielen pilgern, desto besser. Zum Abschluss noch ein wenig Fankurven-Poesie: »1905 wurd ein Verein gebor’n / auf den wir ewig uns’re Treue schwor’n / in den Farben Blau und Rot / steh’n wir ewig bis zum Tod / heißt es samstags Bühne frei / sind wir alle mit dabei / erst die vierte Liga rocken / dann ganz Deutschland wieder schocken / 1905 olé, 1905 olé!« Womit alles gesagt wäre.

Samstag 23.5.2015 – Carolyn Wonderland   20.00 Uhr   Kulturrampe   Oppumer Straße 175, Großmarkt
Und nach der Fußlümmelei bitte ab in die Kulturampe am Großmarkt! Ich bin ehrlich: Von Carolyn Wonderland habe ich noch nie irgendetwas gehört. Das Internet behauptet, sie käme aus Texas, spiele Blues-Gitarre und würde dazu singen. Klingt vielversprechend. Dazu hat sie den Segen zweier Menschen, die zu meiner musikalischen Erziehung einen wesentlichen Teil beigetragen haben: Den von Bob Dylan, der als einer ihrer Förderer und Fans gilt. Sowie den von Rampenchef »Pille« Peerlings, der bekanntlich nur Musik in seinen Laden lässt, von der er selber sagen kann, dass sie gut ist. Letzteres kann ich nach vielen, aber immer noch zu wenigen Rampenkonzerten nur ausdrücklich bestätigen: Es lohnt sich häufiger als oft, »auf gut Glück« zu Konzerten in der Rampe zu gehen. Wo sonst kann man sich in Krefeld noch tatsächlich handgemachte Live-Musik international anerkannter Musiker ansehen? Zu selten mal hier und dort. Kleine Konzerte, abseits der mit Musik nur noch peripher zu verwechselnden Lichtshow/Kostüm/Feuerwerk-Events, die in den großen Hallen (und theoretisch auch im KönigPalast) stattfinden, sterben offenbar immer mehr aus. Das prangere ich an. Oder, um es mit der Band Kapelle Petra zu sagen: Geht mehr auf Konzerte! Zu Carolyn Wonderland zum Beispiel! Oder generell zu allem, wofür »Pille« die Kulturrampe aufschließt. Damit wir uns nicht irgendwann vorwerfen müssen, zu selten dorthin gegangen zu sein.

Darüber hinaus empfehle ich:
Sonntag 3.5.2015 – Lesung von Mambo Kurt – Kulturrampe
Dienstag 12.5.2015 – Eröffnung der Vernissage »Beuys zu Ehren« – Südbahnhof
Sonntag 31.5.2015 – »Papp-a-la-Papp« Poetry Slam – Jules Papp