Tipp 1. bis 31.3.2015

Prof. Dr. Ute Buechter-RoemerUte Büchter-Römer wurde in Ahrweiler/Bad Neuenahr geboren, Abitur in Krefeld, Studium der Schulmusik, Germanistik und Philosophie an der Musikhochschule und der Universität in Köln. 1989 promovierte sie an der Universität GHS Duisburg bei Frau Prof. Dr. Ilse Storb mit dem Thema: »New Vocal Jazz – die Stimme in der Zeitgenössischen Improvisierten Musik«. Sie erhielt das Lise-Meitner-Habilitationsstipendium des Landes NRW und habilitierte sich 1995 mit dem Thema: »Aspekte des Neuen Musiktheaters und Strategien seiner Vermittlung«. Weitere Veröffentlichungen: »Fanny Mendelssohn-Hensel«, Reinbek 2001, »Reflexe des Unbehausten«, München 2009, »Spitzenkarrieren von Frauen in der Musik« 2011 und »Spitzenkarrieren von Männern in der Musik« 2012 jeweils im Ricordi Verlag München. Rundfunksendungen beim SWR, WDR, DLF; internationale Vortragsreisen unter anderem in San Diego, Paris, Bern, Graz und Fiuggi bei Rom. 2004 wurde sie zur Professorin der Universität Köln ernannt. Hier sind ihre persönlichen Tipps für den Monat März:

THEATER AM MARIENPLATZ (TAM) – »KLAVIERKOMPOSITIONEN« UND »KLAVIERWERKE« – Das Theater am Marienplatz ist immer für eine Überraschung gut. Hier inszenierte und inszeniert Pit Therre »innovatives Musiktheater«, das meint, das TAM ist ein Ort für Experimente, für Fantasien in Klang und Raum, manchmal zunächst unverständlich oder auch nach ersten Irritationen individuell erfahrbar. Im TAM kam John Cage zur Aufführung, konnten Stücke von Mauricio Kagel erfahren werden, waren die komponierten Klangsuche-Theaterstücke von Carola Bauckholt zu hören. Es ist und bleibt spannend.

Am 7. März gibt es dort um 20:00 Uhr »Klavierkompositionen« zu hören. Als Autoren sind angegeben: Carl Philipp Emanuel BachWolfgang Amadeus Mozart, Urs Peter Schneider und Peter StreiffAm Klavier Urs Peter Schneider: Der Pianist und Komponist setzt gegeneinander, spielt mit Klavierklängen im Gegensatz. So lässt es das Programm erwarten. Von Peter Streiff erklingt ein Stück mit dem Titel »Modell zur Gewichtsverlagerung« aus dem Jahr 2007, es folgt die »Sonate in c-Moll« von Mozart, die er im Jahr 1784 komponierte. Dann erklingen die »Depressionen« von Peter Streiff (1993), von Urs Peter Schneider die »Mutmassung über Agis« (1995) um dann von der »Sonate in h-Moll« (1779) von Carl Philipp Emanuel Bach abgelöst zu werden. Die Frage ist: Gibt es einen inhaltlichen Erlebnisstrom, der hier die Komponisten in ihren Kompositionen miteinander verbindet? Das bleibt zu hören. Und zwar live!

Die »Klavierwerke« erklingen am 6./13./20. und 27. März, jeweils freitags um 22:00 Uhr und sind Stücke von Peter Streiff. Am Klavier: Alfred Pollmann und Pit Therre

LITERATUR UND MUSIK – JÜDISCHE KULTURTAGE 2015
12. März im Niederrheinischen Literaturhaus um 19:30 Uhr –
 Mündliche Überlieferung hat vielen jiddischen Liedern Dauer verliehen. Was erzählen diese Lieder? Welche Wünsche und Sehnsüchte drücken ihre Erfinder und Erfinderinnen aus? War und ist es die Hoffnung auf ein lebendiges erträgliches Leben in der Gesellschaft? Unter dem Titel »Traumrose«, die der gleichnamigen Erzählung von Zwi Aisnman folgt, erzählen und musizieren Roswitha Dasch und Katharina Müther – Duo Walju moderne jiddische Literatur in deutscher Sprache und jiddische Lieder.

16. März im VHS-Haus Krefeld um 19:30 Uhr – Ebenfalls im Rahmen der  Jüdischen Kulturtage reflektiert das Duo Rorwitha Dasch und Ulrich Raue in einer Text-Musik-Collage die Situation der jüdischen Bevölkerung im Wilnaer Ghetto  in den Jahren 1941-43. Überlebensberichte verdeutlichen die Ereignisse der Zeit, Ängste, Hoffnungen und Trauer werden durch diese Erzählungen und durch die jiddischen Lieder in besonderer Weise reflektiert und ausgedrückt.

20. März im Niederrheinischen Literaturhaus um 16:00 Uhr – Die Lesung »Stella Menzel und der goldene Faden« von Holly-Jane Rahlens richtet sich an die ganze Familie, besonders aber an Kinder ab 9 Jahre. Die Geschichte hat einen »goldenen Faden«, es ist die Decke aus »blauem Seidensatin«, die das Mädchen Stella von ihrer Großmutter geerbt hat. Sterne und Schneeflocken üben eine besondere, ja magische Wirkung aus, die Kraft geben, den Himmel letztlich für Träume und Hoffnungen öffnen. Was in dieser Geschichte weiter geschieht, lässt sich nur während der Lesung erfahren.  Letztlich geht es auch um die Frage: Wer sind wir? Woher kommen wir?

Die hier dargestellten Veranstaltungen im Rahmen der Jüdischen Kulturtage geben einen Einblick auf das Denken, Fühlen und Erfahren der jüdischen Gemeinden in großer Bedrängnis und Katastrophen wie den jetzigen Lebensbedingungen und Lebensweisen. Der überaus große Beitrag zur gesamten Kultur, der von ihnen ausging, lässt sich in diesen Literatur-Musik-Collagen erahnen und sollte zu einer intensiven Beschäftigung mit der Bedeutung der Juden in Deutschland anregen.

SERENADE IM RITTERLSAAL DER BURG LINN – VALENTIN RADUTIU, VIOLONCELLO
20. März um 20:00 Uhr – Das Violoncello ist ein tiefes Streichinstrument. Es ist zuständig für die Basstöne eines Musikstückes, nicht ganz so tief wie die Töne des Kontrabasses, aber tief genug, um das harmonische Fundament eines Stückes zu bilden. Lange Zeit war das Cello eben nur dies, das Instrument, das zu Sonaten, zu Suiten im Barock und der Frühklassik eben jenes wichtige und tragfähige Fundament des Stückes gelegt hat. Die tiefen Töne verdeutlichen auch den Fortgang der harmonischen Bewegungen des jeweiligen Musikstückes. Immer wieder geben diese Töne Halt und Orientierung, wie so vielfältig in den Arien Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels in den Passionen und Oratorien und unzähligen Kammermusikwerken der unterschiedlichen Komponisten zu erfahren ist.

Aus diesem Funktionskorsett des Basses bricht bereits Johann Sebastian Bach in seinen Solosuiten für Violoncello aus. Wie der Komponist bereits mit der Violine verfahren ist, so überträgt er dies auch auf das Cello. Das viersaitige Streichinstrument erzeugt Drei- und Vierklänge. Durch Doppelgriffe wird Zweistimmigkeit erzeugt und durch das Arpeggio (der Name leitet sich von dem Begriff Arpa = Harfe ab), das ist das »Anreißen zweier Saiten« mit dem Bogen und nachfolgenden Spiel des Doppelgriffklanges. Auf diese Weise entsteht ein motivisch-harmonisches Spiel, das die Möglichkeiten des Instrumentes auslotet und zu einem ungemein schwierig zu musizierenden Musikkunstwerk bündelt.

Der junge Cellist Valentin Radutiu, der seit 2012/13 von Bayer Kultur im Rahmen der Förderung von jungen Künstlern unterstützt wird, spielt im Rittersaal der Burg Linn zwei dieser besonderen Suiten für Violoncello solo (Nr.1 G-Dur und Nr. 3 C-Dur) und die Sonate für Violoncello solo op. 8 von Zoltán Kodály. Er verspricht eine spannende Hörerfahrung.

AUSSTELLUNG »BLICKRICHTUNG« DES FOTOGRAFEN VOLKER DÖHNE IM KREFELDER KUNSTVEREIN AUF DEM WESTWALL – Bilder beglücken, Bilder verstören, Bilder täuschen, Bilder verniedlichen, Bilder entsetzen, Bilder informieren, Bilder sind bunt, sind schwarz-weiß, sind …! Bilder sind gemalt, gemalte Vorstellung, gemalte Wirklichkeit, Bilder sind fotografierte, wahrgenommene Wirklichkeit, subjektiv. Sie berichten von Eindrücken, Überzeugungen. Sie können aufrütteln. Sie können Fragen stellen.

Sie stellen Fragen. Die Bilder des in Remscheid geborenen Fotografen Volker Döhne fragen nach den Lebensäußerungen, dem Vorhandensein des Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung. Das geschieht dadurch, dass er sie einfach in seinen Fotos weglässt. Autos, bunte im traurigen Straßenbild ohne Insassen; Utensilien, die in den Autos deponiert sind, von ihren Benutzern zurückgelassen, vielleicht aufbewahrt, transportiert. Die Gegenstände sagen etwas aus über ihre Besitzer. Diese sind nicht da, nicht da in den Bildern, können sich der betrachtenden Interpretation durch den Beschauer nicht entziehen. Welche Menschen fahren rot? Wer legt welche Zeitungen auf den Rücksitz, wer lässt die Getränkeflasche liegen? Wo sind die Menschen? Die Frage stellt der Fotograf auch in seinen Abbildungen von Gebäuden, von abgeholzten Bäumen, von verwilderten Bahnstrecken. Wo bleibt der Mensch? Was gestaltet er, indem er »liegen lässt«?

Volker Döhne studierte bereits seit Ende der 1970er-Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf in der Klasse des Fotografen Bernd Becher. Ebenfalls studierte er dort Buchkunst und Gestaltung. Seit 1980 arbeitet Döhne als Fotograf an den Kunstmuseen Krefeld. Der Kunstverein Krefeld stellt unter dem Titel »Blickrichtung« neun Fotoserien aus unterschiedlichen Entstehungszeiten aus. Die Ausstellung läuft bis zum 29. März 2015.