Tipp 1. bis 31.1.2017

Kulturtipp Januar 2017-Julia SuermondtJulia Suermondt ist Filmemacherin und Stadträtin für die Partei DIE LINKE. und deren kulturpolitische Sprecherin. Nach dem Studium der Medienkunst an der Slade School of Fine Arts in London folgte das Diplom für audiovisuelle Medien an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Neben Reportagen für das WDR-Fernsehen dreht sie künstlerische Kurzfilme und abendfüllende Dokumentarfilme – darüber hinaus arbeitet sie an medienpädagogischen Projekten mit Kindern und Erwachsenen. Für ihre Partei hat sie die Figur Charly, die rote Socke erfunden, der mit seinen ironisch pointierten Geschichten auf Missstände aufmerksam machen will. Zurzeit schneidet sie an einem Dokumentarfilm, der von der Filmstiftung NRW gefördert wird. Für diesen Film ist sie nach Haiti gereist und hat deutsche Handwerker dabei begleitet, wie sie zusammen mit Haitianern ein Haus bauen. In diesem Jahr feiert ein Dokumentarfilm von ihr seine Premiere, in dem es um die Arbeitsgemeinschaft Burg Waldeck geht. Dieser Verein ist aus der deutschen Jugendbewegung hervor gegangen und hat Ende der Sechziger Jahre mit den Chanson Folklore International Festivals ein Revival deutscher Liedkultur eingeläutet. Julia Suermondt lebt und arbeitet in ihrer Heimatstadt Krefeld. Schon als Kind und Jugendliche war sie Fan des KRESCHtheaters, das gerade sein 25-jähriges Jubiläum gefeiert hat.

Hier ihre Tipps für den Januar:

Impro-Theater ist eine Sportart! Und eine lange Tradition im Krefelder KRESCHtheater! Das Freispiel (ehemals 38 ü NN genannt) hat sich über die Landesgrenzen hinaus schon einen Namen gemacht. Zurecht! Das ist Hochstimmung pur im Theatersaal, denn das Publikum entscheidet, was gespielt wird! Jetzt hat es eine neue Auflage und wird ergänzt um Live-Projektionen auf der Bühne. Freispielplatz am 20. Januar um 19.00 Uhr auf der Studiobühne II   Fabrik Heeder   Virchowstr. 130, 47805 Krefeld.

Auch im KRESCHtheater: Nathans Kinder – eine Anlehnung des Autors Ulrich Hub an Lessings Nathan, der Weise! Eine sehr lebendige und dynamische Inszenierung von Helmuth Wenderoth, zeitlos und daher umso zeitnäher! Die zwei Protagonisten aus der jungen Generation haben kein Bock auf die verknöcherte Haltung der alten Vertreter der drei großen Weltreligionen und wollen sich auf den gemeinsamen Nenner in den Glaubensfragen besinnen. (Besonders schön: ein neurotisch-nervöser Papst, wie aus den 50ern übrig geblieben) Urkomisch, berührend und nachdenklich zugleich. Ein absolutes Muss in dieser KRESCH-Spielzeit! Karten noch erhältlich für folgende Termine: Dienstag, 17.01. um 10.30 Uhr und Mittwoch, 18.01. um 19.00 Uhr – die anderen Vorstellungen im Januar sind ausverkauft!

Etwas kleines Feines aus der Nische der unabhängigen Kulturszene: der Freitagabend im Kunstverein 35 Blumen auf der Blumenstraße. Hier trifft sich ein sehr heterogenes Publikum in karger White-Cube- Atmosphäre, anarchisch inspiriert und offen für jede noch so skurrile, teils auch aus dem Stegreif entstehende Kunstaktion. Namhaftere und noch etwas unentdeckte KünstlerInnen stellen hier gleichermaßen aus.
Ab 13. Januar zeigt der brasilianisch-krefelderische Künstler Francisco Junqué seine farbenfrohen, abstrakten und etwas südamerikanisch folkloristisch anmutenden Bilder.
Zur Finissage von Joshua Uviegara eine Woche vorher – Samstag, 7. Januar um 19.00 Uhr gibt es auch Life-Musik mit Bea Dickas. Sehr wichtig für dieses fragile Krefelder Juwel: Mitglieder, die mit einem kleinen Beitrag im Jahr den Verein unterstützen, er ist wirklich ein belebtes und belebendes Quartierszentrum geworden.

Noch bis zum 22. Januar kann man sich die Retrospektive anschauen, die das Museum Haus Lange dem Künstler Ludger Gerdes gewidmet hat, der 2008 bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Von Angst bis Wollen heißt die Ausstellung und zu sehen sind Installationen, Gemälde und Fotoarbeiten.
Am spannendsten finde ich die Miniatur-Modelle, die die Welt im kleinen Maßstab zeigen und reflektieren. Gerdes gehörte zusammen mit den Künstlern Harald Klingelhöller, Wolfgang Luy, Reinhard Mucha und Thomas Schütte zur Diskussionsgruppe der sogenannten Modellbauer. Berühmt ist er für seine visuellen Metaphern im öffentlichen Raum – man kennt die große Neonskulptur ICHS im Garten des Haus Lange. Ich kann mir keine besseren Ausstellungsräume für die Skulpturen von Gerdes vorstellen – also nichts wie hin!

Und natürlich finden seit Jahren die Montagslesungen vor dem Gebäude der ehemaligen Uerdinger Bibliothek statt! Nach wie vor kämpft der Uerdinger Arbeitskreis dafür, dass es wieder eine Bücherei in Uerdingen gibt bzw. ein Quartierszentrum mit städtischer Medienausleihe. Immer montags lesen Achim Gehring, Hans-Jürgen Herzog, Ute Schröer, Bernhard Hennen und Ellen Schlottner aus Herbert Knebel, Wilhelm Busch, Khalil Gibran oder aus eigenen Texten und Gedichten.
Montag | 2. | 9. | 16. | 23. und 30. Januar ab 18.30 Uhr auf dem Marktplatz in Uerdingen. Das genaue Programm gibt es unter AK Bücherei Uerdingen Montagslesungen