Tipp 1. bis 30.11.2017

Birgit Röhlen 'begeistert' Birgit Röhlen – mit 21 Jahren raus aus dem Nest, aus Anrath, hinein in eine WG in Krefeld … Nun lebe ich seit 31 Jahren in Krefeld – unvorstellbar, damals – für mich als Jugendliche. Doch ich lebe gerne hier. Der Blick auf das Alte Stadtbad, ist, über den einen und anderen Blickwechsel hinaus, dem auf Platanenallee, Garten mit Weißdorn, Sauerkirsch und Pflaume gewichen. Im Blauen Engel, die Kneipe in Krefeld, (seit 35 Jahren!) habe ich einen Teil der Krefelder Kulturszene kennengelernt. Egal aus welcher Sparte: Literatur, Malerei, Grafik, Design, Musik, Keramik, alle versammelt im Engel … In Krefeld fand ich Ateliers, für die ich freiberuflich als Textilmustergestalterin arbeitete. Nach mehr als 25 Jahren, noch während des Studiums für freie Malerei und Grafik gab ich die Tätigkeit als Textildesignerin auf. Mein Broterwerb ist nun ein Artfremder, das unterstützt mich in meiner Freiheit, mich meiner Kunst zu widmen, die immer auch schon ein wichtiger Teil meines Lebens war und ist. Inzwischen vorrangig mit Papier und Worten, das Weißen von Texten, ein weben und vernetzen, raumgreifende Kompositionen bildend: Papier-Wort-Gestalt. Zuletzt zu sehen im März 2017, im Südbahnhof in der Gemeinschaftsausstellung gemeinsam und verschieden der Künstlerinnengruppe ‘bemars’.

Aus dem reichen kulturellen Angebot nun meine Kulturtipps für den November, der sich durch das Kulturprogramm farbenfroh und hell gestalten lässt:

Ja! – den November mit einer Tanzveranstaltung beginnen:
Caresse du VentTchekpo Dance Company aus Bielefeld, am Freitag, 3.11.2017 um 20.00 Uhr in der Fabrik Heeder, Studiobühne I. Es heißt: Der Tänzer und Choreograph Tchekpo Dan Agbetou, setzt sich in seiner Arbeit mit seiner Reise zu sich selbst durch Raum und Zeit auseinander. Der Wind in all seinen Facetten – ob als zärtlicher Umschmeichler oder als verwüstende Naturgewalt – steht für ihn als das Element, das die Diversität der verschiedenen Gefühle seiner Lebensrealität widerspiegelt. Gleichzeitig spielt er damit als Metapher für das Verwirbeln von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, seiner eigenen Wirklichkeiten und der Ungewissheit, wohin ihn die Zukunft trägt. Die Beschreibung stimmt mich nachdenklich, macht mich neugierig auf die Umsetzung, den Tanz. Uns vom Wind durch Bewegung berühren, uns hinweg tragen lassen, vielleicht auch zu uns selbst … MOVE! Die 16. Krefelder Tage für modernen Tanz finden statt bis zum 25.11.2017

Seit 58 Jahren wird Kammermusik im Rittersaal der Burg Linn vorgetragen, ein geschichtsträchtiger Ort, mit eigentümlicher Atmosphäre und der Möglichkeit nah dran zu sein, an Musizierenden, so mittendrin und drum herum als Publikum. Am Freitag, 10.11.2017 sind im Rittersaal zu hören das DUO AMARIS die Mezzosopranistin Julia Spies und der Gitarrist Jesse Flowers. Erfolgreiche junge Künstlerinnen, Stipendiatinnen der 61. Bundesauswahl Konzerte Junger Künstlerinnen. Julia Spies wurde mehrfach ausgezeichnet für ihre Liedinterpretationen. Das Duo wird Werke von Dowland, Britten, Debussy, Reimann und Schubert vortragen. Kartenerwerb durch das Kulturbüro Krefeld

Der folgende Kulturtipp ist nostalgischer Natur:
Der Kontrabaß von Patrick Süskind, am Sonntag, 12.11.2017 in der Fabrik Heeder um 20.00 Uhr. Der fünfzigjährige, verbeamtete Kontrabassist, aussichtslos verliebt in die Mezzosopranistin Sarah (vielleicht würde er sich heute in Julia verlieben …) wird gespielt von Michael Ophelders. Vor vielen Jahren, mit einem Freund, lasen wir uns im Wechsel begeistert aus dem Buch vor. Jetzt zupfte ich es aus meinem Bücherregal und schlug spontan eine beliebige Seite auf: Er spielt einen unhörbar hohen Ton …. Hören Sie? Das hören Sie nicht mehr. Sehen Sie! Soviel steckt drin im Instrument, theoretisch-physikalisch. Nur herauskriegen tut man es nicht, praktisch-musikalisch. Das ist mit den Bläsern nicht anders. Und beim Menschen überhaupt – jetzt sinnbildlich. Ich kenne Menschen, in denen steckt ein ganzes Universum, unermesslich. Aber herauskriegen tut man es nicht. Ums Verrecken nicht. Das am Rande.- … Ich bin gespannt auf die Umsetzung und vielleicht holt uns dieser Ausschnitt am Rande mitten hinein in die Geschichte, ins Unermessliche …

Am Sonntag, 5.11. und Sonntag, 12.11.2017 von 11.00 – 18.00 Uhr findet der 45. Atelierrundgang in Krefeld statt. Es öffnen Kunsthandwerkerinnen und Künstlerinnen ihre Werkstätten und Ateliers. Ein reizvolles, vielseitiges Angebot; zumal insgesamt 11 Ateliers mit geladenen Gastkünstlerinnen, darunter auch die Pförtnerloge, ihre Pforten öffnen. Hier ist bestimmt für jeden etwas zu schauen, zu entdecken, was gefällt. Starten Sie Ihren Atelierrundgang im Zentrum der Stadt; in den Räumlichkeiten Die Luisen, zentral in Krefeld gelegen, wie der Name verrät, auf der Luisenstraße 79. Hier präsentiert Ruth Kirsch ihre keramischen, sehr lebendig anmutenden Objekte in großflächigen Räumen. Bei ihr sind zu Gast Lutz Hartmann, Fotografie und Armin Küpper, Skulptur Mir gefällt dort auch das Stöbern, literarisch-haptisch, in der Geschichte Die Luisen, Teil der Geschichte des Verein der intermedialen Künste e. V. Krefeld; letztlich einem Teil der Kulturgeschichte Krefelds, in Büchern, Katalogen, Heften und Kladden, geklebt, bebildert, gedruckt, gemalt, geschrieben, ansprechend gestaltet.

Und am Freitag, den 17. November 2017, 19.00 Uhr in der Kulturrampe Oppumer Straße 175, 47799 Krefeld. Das Hamburger Duo Binoculers. Nadja Rüdebusch und Daniel Gädicke verbinden Dreampop und 60s-Psych zu betörenden Klanglandschaften … einer Musik, die aus der Stille kommen muss. Die Arrangements werden größer, die Songs kompakter, direkter, das gesamte Gefühl offener. Die neuen Indie-Pop-Strukturen lassen Binoculers nicht zu einer traditionellen Band werden, denn traditionell verwurzelt ist diese Musik nicht, sondern immer in Bewegung, …, die spürbarer als zuvor, das Helle, Schöne, Gemeinsame sucht. Die Kulturrampe ist klasse, unverstellt, echt, ein kratziger, freundlicher Ort mit Charme - nicht wegzudenken aus der Krefelder Kulturszene. Ich geh hin. Ich will die Beiden hören und sehen, live, nicht digital im Netz, nein – vernetzt spürbar, gemeinsam mit anderen …