Tipp 1. bis 30.11.2014

Christoph EllesChristoph Elles ist seit Mitte Oktober neuer Marketing-Referent des Theaters Krefeld und Mönchengladbach. Der 38-jährige Diplom-Journalist hat zuvor 20 Jahre lang in unterschiedlichen Funktionen für Tageszeitungen gearbeitet: Er war Filmkritiker, Magazinjournalist, Lokal- und Projektredakteur. Zuletzt hat er sechs Jahre lang als Kulturredakteur der Westdeutschen Zeitung die Krefelder Kulturszene engagiert und kritisch begleitet. Nun hat er sich entschlossen, auf die andere Seite des Schreibtisches zu wechseln und erlebt das Theater als spannenden und faszinierenden Arbeitsplatz. Christoph Elles lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Bockum.

Beim ersten Tipp muss ich ein bisschen mogeln. Eröffnet wurde die Ausstellung »Aus den Ateliers …« nämlich schon am 31. Oktober, 19:00 Uhr. Da sie aber bis Januar im Krefelder Kunstverein läuft, kann ich mir eine Empfehlung nicht verkneifen. Die Auswahl der zehn Künstler aus Krefeld und Umgebung klingt vielversprechend: Bart Konings präzise Momentaufnahmen, Frank Jacob Essers schräge Fantastereien, Johannes Trittiens reduzierte Skulpturen, K.A. Janßens fragile Schattenbilder, Brigitte Baldaufs rätselhafte Wasserspiele – all das verspricht wunderbare Einblicke in die Vielfalt der hiesigen Kunstszene.

Am 4. November, 19:30 Uhr, im Südbahnhof geht es auch um Kunst – allerdings um ihre Geschichte. In Krefeld wurden einige spannende Kapitel dieser Geschichte geschrieben – gewürdigt wird das allerdings nicht hier, sondern anderswo. So sind Arbeiten des Krefelder Lichtkünstlers Adolf Luther (1912-1990) derzeit im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen. Dr. Magdalena Broska, als Vorsitzende der hiesigen Adolf Luther Stiftung eine profunde Kennerin der Materie, nimmt das zum Anlass, über Adolf Luther, die Zero-Gruppe und das »Revival of the 1960s Artlight« zu sprechen.

Ein solches Revival wünsche ich auch Stoppok, der am 11. November, 20:00 Uhr, in der Kulturfabrik auftritt. Vom Altmeister der lässigen Alltagsballade könnten all die Songwriter-Jungspunde, die mit ihrem sentimentalen Geträller die Charts stürmen, eine Menge lernen: wie man sich treu bleibt, wie man Wut in Pointen verwandelt, wie man Liebeslieder schreibt, ohne Gefühle mit Pathos zu verwechseln. Der Titel des neuen Albums beschreibt perfekt Stoppoks Arbeitsweise: Seine Lieder sind ein wirksamer »Popschutz«.

Fernab vom Pathos bleibt auch die Inszenierung von »Romeo und Julia« am Stadttheater, die unter anderem am 19. November, 19.30 Uhr, zu sehen ist. Der Krefelder Regisseur Hüseyin Michael Cirpici hat den Shakespeareklassiker ins Hier und Jetzt geholt, ohne ihn plump zu modernisieren. Die Sprache ist lebendig, die Bilder sind schlüssig, die Darsteller bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden. Wie nah uns das kommt, merken wir spätestens beim tragischen Ende.

Noch so ein Klassiker, den wir neu erleben dürfen, ist Franz Kafkas »Der Prozess« am 30. November, 19:00 Uhr, im KRESCHtheater (Fabrik Heeder). Regisseur Franz Mestre und sein grandioser Hauptdarsteller Sunga Weineck schaffen eine Atmosphäre, die Kafka wohl gefallen hätte: ein wachsendes Unbehagen, ein Strudel, der die Welt verzerrt und stetig nach unten zieht, dazwischen Momente grotesken Humors. Diese düstere Zukunftsvision muss man nicht ins Heute holen – sie hat ja nie an Aktualität verloren.