Tipp 1. bis 15.11.2013

Michael JeziernyMichael Jezierny ist seit der Spielzeit 2012/13 Gesamtleiter des KRESCHtheaters. Vorher war er Spartenleiter für Junges Theater an den Theatern in Münster und Oberhausen. Direkt aus der Kulturmetropole Venedig schickt er seine Tipps für die erste Novemberhälfte 2013:

Auch wenn ich diesen Kulturtipp mit Blick auf das »Arsenale« verfasse, die im 12. Jahrhundert gegründete Schiffswerft und heute eines der zentralen Ausstellungsgelände der »Biennale di Venezia« – unter der Headline »Kultur in Krefeld« darf ich natürlich keine Tipps für Venedig geben. Halb so wild, denn musikalisch und theatralisch gibt es in Krefeld in der ersten Novemberhälfte vier künstlerische Highlights, auf die ich mich sehr freue. Hier meine kleine Kunstreise von Nordrhein-Westfalen über Italien in den Nahen Osten und zurück nach Krefeld:

Nordrhein-Westfalen

8. NOVEMBER IN DER KULTURFABRIK KREFELD UM 20:30 UHR: ERDMÖBEL Die Band wurde in Münster gegründet – da habe ich sie auch kennengelernt – und ist jetzt in Köln verortet. Die vier Jungs machen coole Musik mit sehr klugen lyrischen Texten. Wenn man ihnen zuhört, kann man nie genau sagen, ob es eher die Musik oder die Texte sind, die so faszinieren. Am schönsten beschrieben hat es vielleicht der Leader und Texter der Band Markus Berges: »Wort ist das falsche Wort / Es ist mehr Akkord / Ach, ist unsagbar schwer zu sagen.« »Inspirierend und wundersam«, schreibt die FAZ – stimmt.

Weiter geht es nach Italien …

10. NOVEMBER IM SÜDBAHNHOF KREFELD, EIN KONZERT MIT BANDA UNICA UM 16:00 UHR (!!!) – In dem deutsch-italienischen Projekt von Christoph Haberer (Schlagzeug, Elektronik, Perkussion) mit Carlo Rizzo (polytonales Tambourin, Stimme, Rahmentrommeln), Nicolao Valiensi (Euphonium, Tuba) und Michael Heupel (Flöten) trifft virtuoses Tambourin- und Flötenspiel auf reiche akustisch- und elektronisch-perkussive Klangfarben. Die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten und das enorme Klangspektrum der aus der Tradition der Banda kommenden Blechblasinstrumente begegnen virtuosem, polyrhythmischem Schlagwerk. Banda, die traditionellen Blaskapellen in Italien, marschieren heute noch bei Prozessionen, Beerdigungen und Dorffesten durch die Straßen und spielen zum Tanz auf. Wie unterhaltsam und inspirierend zugleich die Banda-Kultur bis zum heutigen Tage geblieben ist, beweist nun dieses Quartett: Im raffinierten, modernen Jazz-Stil wird virtuos über die alten italienischen Volkslieder improvisiert. In eine wilde Tarantella mischen sich schon mal elektronische Sounds und arabisch anmutende Stimmlinien … ein außergewöhnliches musikalisches Vergnügen.

… und in den Nahen Osten mit einem spannenden und bewegenden Theaterstück des 1968 im Libanon geborenen frankokanadischen Autors Wajdi Mouawad:

13. UND 15. NOVEMBER IM THEATER KREFELD, JEWEILS UM 20:00 UHR – »Verbrennungen« heißt das Stück, welches derzeit im Spielplan des Theaters Krefeld-Mönchengladbach zu sehen ist und mit dem die Bühnen den Mut hatten, die laufende Spielzeit zu eröffnen. Immerhin haben sie unseren Bürgermeister mit dieser Inszenierung so beeindruckt, dass er in seiner Rede zur Spielzeiteröffnung sein ursprüngliches Redekonzept verworfen hat. Worum geht es? Nach dem Tod ihrer Mutter machen sich die in Kanada lebenden Zwillinge Jeanne und Simon auf die Suche nach ihrem Vater und ihrem Bruder. Die Suche führt die Geschwister in die Heimat ihrer Mutter – den Nahen Osten – und auf die Spur eines schrecklichen Geheimnisses. Nach und nach erfahren sie ihre wahre Herkunft und erkennen, wer ihre Mutter wirklich war. Die von Bürgerkrieg und sinnloser Gewalt geprägte Vergangenheit ihrer Familie wirft alle ihre bisherigen Sicherheiten über den Haufen und zwingt sie dazu, sich neu zu orientieren. Ein Stück, bewegend wie eine antike Tragödie und spannend wie ein Thriller, bei dem man das Ende nicht verraten darf.

… zurück nach Krefeld mit einem Theaterabend, wie er »krefeldischer« kaum sein kann:

13. NOVEMBER IM KRESCHtheater UM 20:00 UHR – »HOTEL SÜDWALL« – Unter diesem Titel zeigen wir seit Oktober eine improvisierte Fortsetzungsgeschichte in der Tradition des seit Jahren erfolgreichen FREISPIELs. Die Spielregeln sind einfach, dennoch eine große Herausforderung für die Spieler: Sie spielen ihre Rollen – kurz gesagt das etwas skurrile Personal eines kleinen Hotels am Südwall – und reagieren ohne jede Vorbereitung auf die für sie und das Publikum nicht vorhersehbaren Ereignisse. Das können sowohl unangemeldete Hotelgäste sein wie auch Anrufe aus dem Publikum oder eben die überraschenden Handlungsstränge, welche die Spieler spontan auf der Bühne erfinden und damit die Kollegen vor immer neue spielerische Herausforderungen stellen. Jeder Abend wird anders, und ich freue mich darauf, die Geschichte dieses merkwürdigen Krefelder Hotels in den nächsten Folgen dieser Theaterserie verfolgen zu können.