Tipp 1. bis 15.2.2014

Brigitte und Heribert SchäfersBrigitte Schäfers, in Hüls geboren und aufgewachsen und nach dem Anglistik- und Pädagogikstudium in Münster und Bonn 1977 wieder nach Krefeld zurückgekehrt, ist Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer der Mediothek Krefeld und daher der Einrichtung, dem Haus und den darin arbeitenden Menschen sehr verbunden.

Heribert Schäfers ist ein »Zugereister« aus dem Ruhrgebiet. Seit 1977 lebt er in Krefeld und arbeitete bis zu seinem Ruhestand 2010 als Englisch- und Biologielehrer am Ricarda-Huch-Gymnasium. Er ist seit mehr als 30 Jahren (wie seine Frau auch) Mitglied im Krefelder Kunstverein und gehört seit 2010 zum Vorstand.

Hier sind ihre gemeinsamen Tipps für die erste Februarhälfte:

2. FEBRUAR: PREMIERE DES MUSICALS »BLACK RIDER – THE CASTING OF THE MAGIC BULLETS« VON ROBERT WILSON UND WILLIAM S. BURROUGHS, MUSIK VON TOM WAITS, IM THEATER KREFELD UM 19:30 UHR – »Das Herz der Försterstochter hat Wilhelm längst gewonnen, nicht aber die väterliche Zustimmung. Dafür müsste er mit dem Gewehr umgehen können. ›O Wilhelm, lerne jagen‹, lautet folgerichtig der Stoßseufzer Käthchens, der brave Wilhelm aber ist Buchhalter und trifft aus fünf Metern Entfernung kein Garagentor. In seiner Liebesnot lässt er sich schließlich auf einen Pakt mit dem Teufel ein, der ihm sieben magische Kugeln (magic bullets) überlässt, die ihr anvisiertes Ziel niemals verfehlen. Damit sollte nun der von Käthchens Vater – als Bedingung für seinen Hochzeitssegen – geforderte Probeschuss gelingen. Doch das geht nicht gut, denn die siebte Kugel wird vom Teufel selbst gelenkt« (Theater Krefeld). Es handelt sich hier um die Volkssage »Der Freischütz«, die schon der gleichnamigen Oper von Carl Maria von Weber als Vorlage diente. Tom Waits, der sich damals als »schwer beeinflusst von Brecht und Weill« bezeichnete, schrieb die Musik und die Songtexte des Musicals »The Black Rider«. Vor knapp 15 Jahren wurde es schon einmal in Krefeld gespielt: Premiere war am 19. November 1999, und auch damals hatte Jochen Kilian die musikalische Leitung. »Stelzfuß« wurde von Joachim Henschke gespielt, 2014 wird diese Rolle von Adrian Linke übernommen. Dieser »Diabolus in Musica« verspricht, ein großes Vergnügen zu werden.

13. FEBRUAR: LESUNG »TOTENMASKE« MIT AUTORIN HELENE HENKE IM CLUBLESERAUM DER MEDIOTHEK UM 18:00 UHR – Der Veranstalter, der Verein der Freunde und Förderer der Mediothek Krefeld, sieht seine eigentliche Aufgabe darin, die Mediothek finanziell und ideell zu unterstützen durch das Sammeln von Spenden und Sponsorengeldern, was besonders in diesen Zeiten der knappen öffentlichen Gelder immer dringlicher ist. Natürlich sind die Freunde der Mediothek auch dem Lesen und der Literatur verbunden. Das belegt die Veranstaltungsreihe »Literatur im Club«, die in lockeren Abständen circa viermal jährlich in der Mediothek stattfindet. Diesmal liest die Krefelder Autorin Helene Henke aus ihrem Kriminalroman »Totenmaske«, der bei Droemer erschienen ist. Protagonistin ist eine junge Bestatterin namens Zoe, die bei ihrer Arbeit einem Mord auf die Spur kommt. Man kann gespannt sein, wie Helene Henke in circa 90 Minuten Appetit auf ihre fesselnde Geschichte macht, ohne dabei allzu viel zu verraten.

DOPPELAUSSTELLUNG »PARISER RECHERCHE / ZEICHNUNGEN« VON JOCHEN STÜCKE IM NIEDERRHEINISCHEN LITERATURHAUS UND IN DER GALERIE META WEBER – Die grafischen Blätter von Jochen Stücke muss man im Grunde genommen auf zwei Ebenen betrachten, und dann werden sie zum Doppelgenuss: Da ist zum einen die künstlerische Umsetzung, zum anderen geht es um die Einordnung in historische und literarische Zusammenhänge, die in den Blättern Stückes immer eine Rolle spielen, vielfach auch durch Texte herausgestellt, die Teil des Bildes sind. Im Niederrheinischen Literaturhaus  (Öffnungszeiten jeweils Freitags von 16:00 bis 18:00 Uhr und zu regulären Veranstaltungen) sind sechzehn kleinformatige Arbeiten zu Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« zu sehen, Teil einer umfangreichen Sammlung von Studien zu dem Roman. Meta Weber zeigt größere Formate, meist farbig. »Déjà vu« stellt sich oft als erster Gedanke ein, aber dann geht es weiter. Natürlich hat man schon Ansichten der Pariser Kathedrale Notre Dame gesehen, aber wann hätte die Kirche je Beine gehabt? »Gotisches Weltbild« zeigt sie, wie sie sich auf Strebewerk-Beinen einer Spinne ähnlich aus dem Staub macht. Ein großes Bild und zwei Studienblätter präsentieren verschiedene Zustände und liefern dazu Texterläuterungen: »Notre Dame will unmerklich verschwinden, ohne großes Aufsehen. Sie will wieder ein Ort der Stille werden.« Auch in anderen Blättern des Pariser Albums treffen Vergangenheit und Gegenwart aufeinander mit unerwarteten und oft komischen Ergebnissen. Figuren aus Politik und Kultur betreten die Künstlerbühne und stecken dem Betrachter neue Lichter auf. Einzelblätter, etwa zum Roman »Austerlitz« von W.G. Sebald, ziehen sofort in ihren Bann aufgrund ihrer grafischen Delikatesse und machen neugierig auf den historisch-literarischen Hintergrund. Das beigegebene Textfragment ermuntert zum Lesen. Eine weitere Werkgruppe sind die »Dresden Phantasien«. Auch hier sind Geschichte, Architektur und Personen einander neu zugeordnet. Wir begegnen dem Barockbaumeister Daniel Pöppelmann und der wechselvollen Geschichte seiner Augustusbrücke, oder wir sehen Friedrich den Großen grübelnd vor dem Triptychon »Krieg« von Otto Dix stehen. Der »Mätressen-Stammtisch am kursächsischen Hof« erfrischt durch seine Zeitlosigkeit. Die grafische Umsetzung von Stückes Ideenwelt ist vielfältig. In der Ausstellung im Literaturhaus sind neben Zeichnungen auch Radierungen zu sehen, in der Galerie Meta Weber dominieren Tuschen (häufig laviert) sowie Gouachen, oft kombiniert auf einem Blatt. Der Betrachter denkt an Barockzeichner, auch schon mal an Horst Janssen, Tomi Ungerer oder Hans Fronius, sieht dann aber immer: Das ist ein Stücke!

ARCHITEKTUR IN KREFELD: LANDESZENTRALBANK (VORMALS REICHSBANK) AM FRIEDRICHSPLATZ – EIN SOLITÄR! – Der Deutschen Reichsbank war in ihren Bauten an Repräsentation gelegen. Sie ließ renommierte Architekten für sich bauen, in Krefeld Professor Hermann Stiller. Er war ein Kind seiner Zeit: geschult an den Bauten der klassischen Antike, beteiligt an Ausgrabungen in Pergamon, in Deutschland umgeben von Bauten des Historismus. Hauptkennzeichen dieser Epoche (circa 1820 – 1920) ist das Zitieren historischer Baustile. Der mächtige Baukubus des Bankgebäudes am Friedrichsplatz ist nicht aus einem Guss, und darin liegt ein Teil seines Reizes. Vorwiegend im Stil der Neurenaissance gebaut, finden sich auch Elemente anderer Epochen an den Fassaden. Der Architekturführer Krefeld weist besonders auf die stark plastische Ornamentik an den Werksteinfronten hin. Über dem Hauptportal findet sich ein Drachenpaar, das in seiner eleganten Linienführung an Jugendstilbauten in Brüssel oder das legendäre Atelier Elvira in München erinnert. Weiter oben zwischen der 2. Und der 3. Etage kann man in schönsten Jugendstillettern REICHSBANK lesen, zwei große Schilde daneben zeigen einen Adler und einen Löwen als Wappentier. Die vielfach verzierten Felder zwischen den Fenstern zur Sternstraße zeigen prächtige Steinmetzarbeiten (bringen Sie Ihr Fernglas mit!), und unter den hohen Segmentfenstern des Erdgeschosses finden sich vollplastische männliche und weibliche Trägerfiguren und zwei Adler. Heute kann man den Prachtbau nur noch von außen bewundern. Am 30. September 2004 schloss die LZB für immer die Türen.